Länderanalyse Risiken beim Auslandsgeschäft minimieren

Teil 2: Was Märkte im Ausland kennzeichnet

Um wirtschaftliche Chancen nutzen zu können, müssen die unternehmerischen Risiken bekannt sein und analysiert werden. Dazu werden Informationen über Länder, Branchen und Unternehmen benötigt. Insbesondere im Auslandsgeschäft müssen unbedingt die Finanzierungs- und Absicherungsaspekte bedacht werden. Benoit Claire, Vorstandsvorsitzender Coface Deutschland:

„Verlässliche Informationen sind das Fundament für erfolgreiche Geschäfte – national und international. Sie sind das erste Glied der Wertschöpfungskette des professionellen Risikomanagements. Deshalb muss das Forderungsmanagement darauf ausgerichtet werden, Veränderungen möglichst frühzeitig zu erkennen.“

Vor den Auslandsaktivitäten kommen Fragen auf wie:

  • Was erwartet mich als Exporteur, Unternehmer mit Tochterfirma im Ausland oder Investor bei Geschäften im jeweiligen Zielland?
  • Wie verlässlich sind ausländische Lieferanten?
  • Bedeuten wirtschaftliche oder politische Schwierigkeiten in einem Land oder in einer Region eine direkte Gefahr für Geschäftsbeziehungen?
  • Wie können neue Märkte identifiziert und erschlossen werden?
  • Ist die Situation einer Branche im Heimatland vergleichbar mit derselben Branche auf einem anderen Kontinent?

Ziele einer Expansion festlegen

Bevor sich Unternehmer auf fremdes unbekanntes Territorium stürzen, sollten sie zunächst die Ziele festlegen. Die Ziele einer Expansion im Ausland könnten sein:

  • Wenn der einheimische Markt bereits erschlossen und weitgehend gesättigt ist, können die Produkte oder Dienstleistungen im Ausland angeboten werden, um dort zu wachsen.
  • Steigerung des Bekanntheitsgrades führt zu höherer Absatzwahrscheinlichkeit.
  • Senkung der Produktionskosten durch einen günstigeren Standort und Arbeitskräfte.
  • Investitionen sichern die Unternehmensfinanzierung.

Analysen helfen bei der Entscheidung

Wenn das Ziel fest steht, muss überlegt werden, welches Land sich grundsätzlich zur Umsetzung am besten eignet.

  • Wie sehen die Märkte aus?
  • Wie stehen die Marktchancen?
  • Gibt es überhaupt einen Markt für das Produkt in dem jeweiligen Land?
  • Ist der Markt dort auch schon ausgeschöpft?

Es ist zu klären, wie abhängig Unternehmen und die Branche von ökonomischen Entwicklungen und Rahmenbedingungen sind. Auch die Finanzkraft der Unternehmen einer Branche und ihre Fähigkeiten, Konjunkturschwankungen auszugleichen, sollten bewertet werden.

Um Antworten auf die Fragen zu erhalten, müssen das Zielland, das Produkt und die Branche genau betrachtet werden. Eine Stärken- und Schwächen-Analyse kann dabei helfen, die Länder zu identifizieren, die für die Expansion geeignet sind. Wie Sie eine solche Analyse richtig umsetzen, erfahren Sie hier:

SWOT-Analyse: Mit den eigenen Stärken und Schwächen Potenziale erkennen

Beispiel: Mymuesli expandiert nach Großbritannien

Das Unternehmen Mymuesli, das Bio-Müsli zum Selbermixen im Internet anbietet, erweitert sein Geschäft nach Großbritannien. Das war zunächst gar nicht so einfach: Bereits im Juli vergangenen Jahres sollte es los gehen, doch erst ein Jahr später wird der Plan umgesetzt. Die technischen Voraussetzungen mussten erst geschaffen werden. Durch die Umstellungen auf der Mymuesli-Homepage ist dies nun gegeben. Aufwendig ist das Ganze trotzdem. Denn die Software im Ordermanagement muss nun zwei Barcodes ausdrucken. Einen für den Transport bis nach Großbritannien. Und einen zweiten für den Weitertransport innerhalb von Großbritannien. Außerdem ist es etwas aufwendiger, dort einen neuen Logistik-Dienstleister zu finden. DHL, Mymuesli-Partner in Deutschland, liefert in Großbritannien fast ausschließlich an Firmen. Es sollen aber auch Endkunden beliefert werden.

Mitgründer Philipp Kraiss fand schließlich ein britisches Unternehmen, das auch Endkunden bedient und obendrein zeitlich und preislich den Anforderungen der Müslimacher genügte. Mithilfe einer Marktanalyse stellten die Unternehmer fest: Großbritannien sei der größte europäische Markt für Cereals. Alle Vorstellungen von einer britischen Bevölkerung, die sich fast ausschließlich von Frittiertem ernähre, seien überholt. Es fände ein riesiger Wandel statt. Hin zu allem, was 'organic' ist. Es gäbe dort genug Leute, die für einen Wrap und einen Smoothie zehn Pfund bezahlen. Um das individuelle Müsli bekannt zu machen, setzen die Gründer auf Blogs, und redaktionelle Beiträge, das hat schließlich auch in Deutschland funktioniert.

[Quelle: http://www.ftd.de/...]