In einer Untersuchung von Prof. Fritz B. Simon an der Privatuniversität Witten/Herdecke (2004) nennen Manager aus deutschen Großunternehmen auf die Frage, wie viel Prozent ihrer Zeit sie für die Überwindung unternehmensinterner Widerstände verbrauchen, einen Anteil von 50 bis 80 Prozent – in mittelständischen Firmen sind es dagegen nur 20 bis 30 Prozent. Je größer das Unternehmen, desto größer das Beharrungsvermögen. Was einmal als richtig und zum Erfolg führend erkannt worden ist, bietet auch künftig Orientierung.
Die Zukunft schreibt jedoch nie einfach die Vergangenheit fort. Umso wichtiger ist es, sich neuen Ansätzen zu öffnen, Veränderungen in der Umwelt zu antizipieren und sich entsprechend anzupassen. Das ist schwierig, denn das menschliche Denken basiert auf Gewohnheitsmustern. Um sich von diesen Denkgewohnheiten zu distanzieren, braucht es Zeit und Energie. Was aber ist der Nutzen einer solchen grundlegenden Veränderung, die nicht nur emotionale Kosten verursacht? Wie lässt sie sich gestalten und was sind die Promotoren des Wandels?
Wirtschaftlicher Erfolg und Unternehmenskultur: Empirie und Erfolgsfaktoren
Die McKinsey-Berater Thomas J. Peters und Robert H. Waterman weckten Anfang der 80er Jahre mit ihrem Buch „Auf der Suche nach Spitzenleistungen“ ein reges Interesse am „Erfolgsfaktor Unternehmenskultur“. Dieser eher qualitativen, auf Fallbeispielen basierenden Untersuchung folgte in den 90er Jahren eine ganze Reihe empirischer Arbeiten, die den Zusammenhang zwischen Unternehmenskultur und Unternehmenserfolg auch quantitativ untersuchten.
Die Harvard-Professoren John P. Kotter & James L. Heskett verglichen für ihr Buch „Corporate Culture and Performance“ erfolgreiche mit weniger erfolgreichen Firmen über einen Zeitraum von elf Jahren. Die Ergebnisse dieser Studie zeigen folgendes Ergebnis:
Finanzanalysten, die von Kotter und Heskett gefragt wurden, was die Firmenkultur überdurchschnittlich erfolgreicher Unternehmen auszeichne, nannten Elemente wie Leadership, Entrepreneurship, offene Diskussionen, Innovation und Flexibilität.
Jim Collins und Jerry Porras von der Stanford's Graduate School of Business zeigen in ihrem Buch „Built to Last: Successful Habits of Visionary Companies“, dass Unternehmen, die sich konsistent auf den Aufbau einer starken, wertgetriebenen Kultur konzentriert hatten, über mehrere Jahrzehnte hinweg um den Faktor sechs erfolgreicher waren und ihre Aktien den Gesamtmarkt um den Faktor fünfzehn überflügelten.
Auch wissenschaftliche Studien unterschiedlich erfolgreicher Profitcenter beziehungsweise Firmen innerhalb eines Konzerns wie etwa die von Eric G. Flamholtz sowie Querschnittsvergleiche zwischen erfolgreichen und weniger erfolgreichen Firmen zeigen große Unterschiede in den ausgewählten Erfolgsfaktoren. Diese korrelieren wiederum mit unterschiedlichen unternehmenskulturellen Ausprägungen.
Trotz der unterschiedlichen Fragestellungen und Fragebögen in den jeweiligen Unternehmenskontexten kommen diese Untersuchungen zu dem Ergebnis, dass die Lern- und Anpassungsfähigkeit von Unternehmen („adaptive Kultur“) positiv mit Erfolgskennzahlen und -faktoren korreliert und langfristig einen überdurchschnittlichen Erfolg erzielt. Kotter und Heskett haben zudem gezeigt, dass in einem Unternehmen der Wandel von einer bürokratischen hin zu einer adaptiven, leistungsorientierten (Lern-) Kultur ausschließlich von Personen an der Unternehmensspitze initiiert werden kann. Sie hielten dazu fest:
“Effective Leaders changed strategies and cultures to make their firms more competitive despite the natural tendency of cultures to resist change, […], despite everything.”
Der direkte Einfluss von Führungspersonen auf die Performance des von ihnen geleiteten Unternehmens ist aufgrund der vielfältigen Einflüsse auf Erfolg empirisch nur schwer nachweisbar. Unwiderlegt ist jedoch, dass Leadership indirekt über Teamzusammenhalt und Unternehmenskultur auf den Firmenerfolg einwirken kann. So belegen beispielsweise empirische Untersuchungen von Waldman et al. (2001) sowie Flynn und Staw (2004), dass Unternehmen, in denen Leadership gelebt wird, in einem turbulenten Marktumfeld sowie in Krisen- und Change-Situationen signifikant bessere Ergebnisse erreichen. In Anbetracht dieser Untersuchungsergebnisse drängt sich die Frage nach der konkreten inhaltlichen Ausgestaltung der Unternehmenskultur erfolgreicher Firmen auf.
- Teil 1: Change Management: Vom Nutzen und Gestalten einer adaptiven Lernkultur
- Teil 2: Change-Agenda: Kulturwandel gestalten
- Arbeitsgestaltung
- Arbeitszeit
- Erfolgsfaktor
- Führungskompetenz
- Führungsstil
- Krisenmanagement
- Macht
- Mitarbeiterorientierung
- Motivation
- Organigramm
- Organisationsentwicklung
- Organisationspsychologie
- Produktivität
- Projektmanagement
- Prozessmanagement
- Rendite
- Strategieumsetzung
- Vertrauen
- Wissensmanagement
- Zusammenarbeit


