In ihrer ersten Ausgabe berichtete die Zeitschrift der Unternehmensberatung (ZUb) über eine Studie der Dachgesellschaft Deutsches Interim Management (DDIM). Darin äußerten sich 154 Unternehmensvertreter, die schon Erfahrung mit dem Einsatz von Interim Managern hatten, zu ihren Entscheidungswegen, Auswahlkriterien, Einsatzebenen, dem Grad der Verantwortungsübertragung, zur Erfolgsmessung und zur Bewertung der Zusammenarbeit. Der gemeinsame Tenor: Die Erfahrungen mit Interim Managern beurteilten die Unternehmen überwiegend positiv. 89 Prozent der Befragten würden danach wieder einen Interim Manager einsetzen. Die Gründe:
- Nachweisbare Erfolge in kurzer Zeit;
- Hohe Sachkompetenz;
- Gute Motivation;
- Schnelle Verfügbarkeit.
Verbesserungsbedarf sahen die Befragten in der Projektbewertung, um die Effizienz der Zusammenarbeit zu verdeutlichen und die Zufriedenheit der Beteiligten zu steigern.
In der Praxis allerdings scheinen viele Unternehmen noch Vorbehalte gegenüber einem Einsatz von Interim Managern zu hegen. Eine Auswahl an möglichen Vorbehalten nennt Ludger Grevenkamp auf dem Gründerportal „förderland.de“:
Vorbehalt | Argument | Gegenargument |
Kosten | Interim Management kostet zu viel. | Es ist preiswerter, wenn die Kosten mit denen eines Festangestellten verglichen werden. |
Demotivation und Unternehmenskultur | Untergraben der Motivation der eignen Führungskräfte und Verwässern der Unternehmenskultur. | Interim Management bringt frischen Wind ins Unternehmen und es lässt sich von ihnen lernen. |
Abfluss von Know-how aus dem Unternehmen | Es ist nicht auszuschließen, dass Interim Manager Unternehmensgeheimnisse ausplaudern. | Die gleiche Sorge besteht auch bei Kunden, Lieferanten oder auch Mitarbeitern. |
Imageschaden | Ein Image, das suggeriert, das Unternehmen schaffe es nicht alleine. | Gegenargumente sind hier schwierig, daher bedarf es sachlicher Argumente. |
Fehlende Fach- und Branchenkenntnisse | Den Job könnte auch ein erfahrener interner Mitarbeiter erledigen. | Interim Manager bringen neue Methoden und Sichtweisen ein und nutzen Erfahrungen aus anderen Branchen. |
[Quelle: Ludger Grevenkamp, auf: foerderland.de, Beitrag vom 20.11.2006]
Was kostet ein Interim Manager? Ein Vergleich mit Festangestellten
Für Unternehmen ist die Beauftragung eines Interim Managers nicht nur eine Frage der Problemlösungskompetenz des Externen, sondern auch der Kosten. Grundsätzlich richten sich die nach dem Umfang und Verantwortung der Tätigkeit. Jürgen Becker, Schatzmeister des AIMP und Betreiber des Online-Marktplatzes für Interim Manager „Manatnet“, sagt dem Handelsblatt:
„Die Bandbreite der Tagessätze reicht von etwa 750 Euro bis über 2.000 Euro – in Ausnahmefällen auch klar darüber hinaus.“
Die Ausgaben, die durch Reise- oder Unterkunftskosten entstehen, würden dem Kunden zusätzlich als Spesen abgerechnet. Doch rechtfertigt das die Haltung mancher Unternehmen, Interim Manager würden per se teurer als festangestellte Führungskräfte sein? Experten sagen nein: Ein Interim Manager sei vor allem bei kürzeren Projektlaufzeiten die eindeutig günstigere Alternative.
Hinzu käme, dass dieser durchschnittlich 50 bis 60 Prozent des Jahres im Einsatz sei. Von ihm werde jeden Tag volle Leistung erwartet – eine Erwartungshaltung, die man bei einer festangestellten und dauerhaft beschäftigten Führungskraft nicht unbedingt an den Tag legt. Weitere Kostenvorteile liegen in der effizienten Arbeitsweise begründet: Zeitverluste durch Rücksichtnahmen oder Abhängigkeiten im Unternehmen sind ebenso wie umständliche beziehungsweise aufwendige Umwege bei der Lösung des konkreten Problems selten. Experte Grevenkamp nennt weitere Vorteile:
- Durch effizienteres Arbeiten werden die damit verbundenen Verbesserungen schneller umgesetzt und damit wirksam.
- Der Interim Manager lässt auch einen Gutteil seines Expertenwissens und seiner Erfahrung im Unternehmen zurück (Know-how-Transfer).
- Weniger Aufwand bei der Betreuung.
- Keine Rücksichtnahme auf die Vergangenheit und Zukunft des Interim Managers im Unternehmen.
An einem detaillierten Kostenvergleich von freiberuflichen Interim Managern und Festangestellten hat sich auch der Arbeitskreis Interim Management Provider (AIMP) versucht. Basis seiner Untersuchung ist eine Veröffentlichung des Instituts der Deutschen Wirtschaft (IW) aus dem Jahr 2004, in der Gesamtkosten von Arbeitnehmern auf Grundlage der Erhebungen von Infratest Sozialforschung sowie des Statistischen Bundesamtes zusammengefasst wurden. Die Auswertung zeigt: Bei festangestellten Führungskräften fallen erheblich mehr Arbeitskosten an als bei einem Rückgriff auf einen freiberuflichen Interim Manager.
Kostet ein Interim Manager bei einem angenommenen Tagessatz von 1.000 Euro und einer Jahresarbeitsleistung von 207 Tagen – abgezogen werden 104 Tage für die Wochenenden, 30 Tage Urlaub, 11 Feiertage, 8 Tage Gehaltsfortzahlung im Krankheitsfall sowie 5 Tage für Weiterbildungen – 207.000 Euro, kostet ein Angestellter das Gleiche bei einem jährlichen Bruttogehalt von 116.292 Euro. Die Arbeitskosten betragen somit 78 Prozent. Je nach Branchen steigt dieser Prozentsatz sogar noch, im Kredit- und Versicherungsgewerbe spricht der AIMP gar von 109 Prozent. Hier beträgt der Jahresbruttolohn des Angestellten dann gerade einmal 99.043 Euro.
Diese Berechnung jedoch würde bei Weitem noch nicht allen Kosten gerecht, die bei Festanstellungen tatsächlich anfallen. Beispielhaft genannt seien:
- Kosten für Firmenwagen, also Steuern, Verbrauch, Versicherung, Reparaturen, Leasing oder Fuhrpark);
- Kosten für Geschäftshandys oder Laptops;
- Kosten für aktive Personalsuche wie etwa das Schalten von Anzeigen oder die Beauftragung eines Headhunters;
- Kosten für die Verwaltung des Personals;
- Kosten für etwaige Abfindungen;
- Kosten im Rahmen von gerichtlichen Auseinandersetzungen in Sachen Kündigungsschutz.
Links:
Bundesvereinigung Restrukturierung, Sanierung und Interim Management (BRSI)
Dachverband Schweizer Interim Manager (DSIM)
[dw; Bild: Kurhan - Fotolia.com]
Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken
- Teil 1: Chefs auf Zeit: Interim Manager für den Notfall
- Teil 2: Experten-Interview: Jens Christophers, Vorstandsvorsitzender der DDIM, berichtet über Interim Manager
- Teil 3: Vorbehalte gegen und Gründe für Interim Manager
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