IdeenkillerWie man gute Ideen ins Grab bringt

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Auch gute Ideen und Vorschläge lassen sich abwürgen. Vier Strategien, die Widerstand erzeugen und Vorschläge versanden lassen.
erschienen: 31.07.2014
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Die Forscher John P. Kotter und Lorne A. Whitehead haben in Studien unterschiedliche Fragen und Einwürfe identifiziert, mit denen gute Ideen abgeschossen werden können. Dabei werden Ideen zerlegt, die Umsetzung auf unbestimmte Zeit verschoben, bis sie schließlich versanden. Es reicht schon aus, wenn nur ein einziger Mitarbeiter in der Präsentationsrunde eine unangenehme Frage stellt oder eine entsprechende Bemerkung macht. Schon stellen sich beim zunächst neutralen Rest der Teilnehmer Zweifel ein. Kotter und Whitehead unterscheiden vier Typen von Killerstrategien.

Panikstrategie

Der Ideenkiller erwähnt zunächst eine Tatsache, der niemand so richtig widersprechen kann. Dann erzählt er eine dazu passende Geschichte, die auf ein unkalkulierbares Risiko hinausläuft. Dieses Risiko bleibt bei allen Anwesenden haften. Sie teilen plötzlich seine Bedenken, weil sie das unbedachte Risiko fürchten.

Beispiel Panikstrategie

„Bislang hat noch jede Einführung von neuer Software unser Unternehmen mehr gekostet als ursprünglich geplant. Denken Sie nur an die letzte Einführung. Können Sie sicherstellen, dass bei der Anschaffung Ihrer Software nicht ebenfalls Mehrarbeit und hohe Kosten entstehen, die wir noch gar nicht abschätzen können?“

Plötzlich sehen die Anwesenden auch ein Risiko, das groß und unkalkulierbar erscheint. Die Bedenkenträger gewinnen an Zulauf. Fakten zählen jetzt kaum noch, stattdessen bestimmt die Furcht vor dem Risiko die Gefühlslage. Der Vorschlag hat es nun deutlich schwerer, Gehör zu finden und umgesetzt zu werden.

In jedem Unternehmen gibt es bestimmte Schlüsselbegriffe, die bei Mitarbeitern Panik und Unsicherheit auslösen, weil sie damit sehr schlechte Erfahrungen gemacht haben. Die Widersacher einer guten Idee bedienen sich dieser Begriffe. Dabei machen sie eine unschuldige und sorgenvolle Miene. Beispiele für solche Schlüsselbegriffe sind „Bürokratie“, „Überstunden“ oder auch „rechtliche Klärung“.

Verzögerungsstrategie

Die Verzögerungsstrategie ist die einfachste Strategie, um einen guten Vorschlag zu beerdigen. Die Mittel dafür sind fast unbegrenzt, und die Vorgehensweise der Widersacher ist immer die gleiche: Ein guter Vorschlag verfügt über ein günstiges Zeitfenster für die Umsetzung. Wird das durch Verzögerung geschlossen, hat es der Vorschlaggeber schwer, sein Thema noch einmal auf die Tagesordnung zu bringen.

Beispiel Verzögerungsstrategie

„Ich habe gehört, es soll bald eine neue Version der Software geben, die Sie anschaffen wollen. Sollten wir nicht abwarten, bis diese verfügbar ist und dann noch einmal prüfen, ob sie mit den anderen Programmen kompatibel ist?“

Die typischen Killerwerkzeuge dieser Strategie sind:

  • Mehr Informationen und Details einfordern
  • Warten, bis ein anderes Projekt abgeschlossen ist
  • Einen Arbeitskreis einrichten und erst einmal einen gemeinsamen Termin finden

Die Folge: Auch die Befürworter der Idee verlieren ihr Interesse daran. Die Rahmenbedingungen haben sich geändert, das Budget ist aufgebraucht oder andere Projekte sind wichtiger.

Verwirrungsstrategie

Je mehr Informationen es zu einem Thema gibt, je mehr Aspekte dazu angesprochen werden, desto mehr sind die Beteiligten verwirrt. Sie denken: Vielleicht ist der Vorschlag doch nicht so gut durchdacht. Die Skeptiker gewinnen auch hier die Oberhand.

Ideenkiller nutzen die Verwirrungsstrategie, indem sie alle möglichen Aspekte ansprechen, Fragen zu den unterschiedlichsten Nebensächlichkeiten stellen, komplexe Gedankengebäude und Ursache-Wirkungsketten konstruieren. So tragen sie zur allgemeinen Verwirrung bei.

Beispiele Verwirrungsstrategie

  • „Inwiefern ist die Software, die Sie einführen wollen, mit unseren Programmen für die E-Mail-Archivierung kompatibel?“ (Beides hat nichts miteinander zu tun!)
  • „Wie sieht es mit der Datensicherheit aus? Was passiert, wenn …? Welche Erfahrungen gibt es bereits dazu?“

Geht der Ideengeber auf alle Fragen ein und beantwortet er sie, trägt er bei den Anwesenden zur Verwirrung bei. Die wissen nämlich oft gar nicht, worum es geht. Antwortet er indes kurz und knapp, dass dies keine Rolle spiele oder bereits geklärt sei, erweckt er den Eindruck, als wolle er Aspekte verheimlichen, Risiken kleinreden, Gefahren beschönigen oder als wäre der Vorschlag nicht recht durchdacht. Wieder wachsen die Bedenken und die Zahl der Unterstützer sinkt.

Rufmord-Strategie

Manche Angriffe zielen nicht direkt auf den Vorschlag, sondern auf die Person, die hinter dem Vorschlag steht und ihn in der Gruppe präsentiert. Dies sind persönliche Angriffe, die die Kompetenz des Befürworters in Zweifel ziehen und so seine Idee aushebeln wollen. Die Zuhörer sollen skeptisch werden, ob der Ideengeber überhaupt der Richtige für die Umsetzung des Vorhabens ist.

Beispiele Rufmord-Strategie

  • „Haben Sie denn schon konkrete Erfahrungen mit der Fernwartung unserer Arbeitsplatz-Rechner gemacht?“
  • „Gab es da nicht schon einmal ein Projekt, das Sie umsetzen wollten und aus dem dann nichts geworden ist?“

Solche Einwürfe und Vorwürfe können an Rufmord grenzen. Sie machen die andere Person schlecht. Dabei muss der Angriff gar nicht aggressiv daherkommen. Der Spötter und Rufmörder macht meist ein unschuldiges Gesicht, hat er doch nur das Wohl des Unternehmens im Auge, wenn er solche Fragen stellt.

Besonders gewiefte Ideenkiller sprechen einen persönlichen Sachverhalt unterhalb der Gürtellinie an, um sich danach sofort zu entschuldigen. Die Wirkung: Jeder hat es gehört. Der Vorwurf steht nun im Raum und ist aus den Köpfen der Anwesenden nicht mehr herauszubekommen.

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Über den Autor
Dr. Jürgen Fleig
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