Trick Nr. 1: Nervosität willkommen heißen!
Lampenfieber kommt immer dann, wenn man es am wenigsten gebrauchen kann. Vor allem bei wichtigen Anlässen kommt einem die eigene Redeangst gern in die Quere. Der Grund: Umso wichtiger einem die Rede erscheint, desto höher schätzt man die Ansprüche des Publikums ein. Entsprechend wächst die Angst, den Erwartungen nicht entsprechen zu können, sich hoffnungslos zu verzetteln oder vor versammeltem Vorstand und Kollegen ein Blackout zu erleben – der Super-Gau für jeden Redner.
Prompt übernimmt in so einer Situation unser biologischer Schutzmechanismus das Ruder. Mit dem Ziel, den Körper vor Überlastung und Gefahr zu bewahren, setzt er zahlreiche vegetative, psychische und körperliche Reaktionen frei. Das Ausmaß ist dabei von Redner zu Redner unterschiedlich: Manch einer zittert am ganzen Körper oder hat das Gefühl, keine Luft mehr zu bekommen. Einige schwitzen stark und kämpfen gegen einen rebellischen Magen. Alles in allem, ein Zustand, den jeder fürchtet, anstatt diese Aufregung als Chance zu begreifen.
Die Geheimwaffe lautet Umdenken! Statt Angst vor Lampenfieber zu haben, sollten wir vor diesem Gefühl den Hut ziehen und lernen, besser mit ihm umzugehen. Redeangst lässt sich nämlich nicht nur leicht eindämmen, sondern vielmehr nutzen, denn in ihr steckt eine geballte Ladung Energie. Immerhin sorgt sie dafür, dass Hormone ausgeschüttet werden, die unsere Aufmerksamkeit schärfen und unser Denken beschleunigen – eine Kombination, die wie ein Turbobooster auf die eigene Rede wirken kann, wenn man die Nervosität erst einmal unter Kontrolle gebracht hat.
Trick Nr. 2: Unbekanntes bekannt machen!
Warum? Nervös macht, was unbekannt ist. Deswegen bietet sich auch der Umkehrschluss als Patentlösung an. Was sich kalkulieren und einschätzen lässt, wirkt nämlich weniger beunruhigend und verursacht kein flaues Gefühl im Magen. Steht zum Beispiel die nächste Projektpräsentation an, sollte der Referent vorab alles klären, worüber er sich theoretisch den Kopf zerbrechen könnte:
- wie der Vortragsraum aussieht,
- wie der Beamer funktioniert,
- wo sich ein Parkplatz findet,
- wie viele Menschen zuhören werden,
- selbst welche Kleidung und Frisur am Tag der Rede passend wären.
Die Kontrolle über die Situation und das eigene Äußere geben das notwendige Selbstvertrauen und beugen Nervosität vor.
Denselben Effekt haben auch gute Stichwortzettel. Die praktischen Helfer sollten so übersichtlich gestaltet sein, dass man sich schnell und zuverlässig in den Notizen zurechtfindet – selbst bei kleinen Aussetzern oder unvorbereiteten Zwischenfragen. Auf keinen Fall sollte dabei das Durchnummerieren der Karten vergessen werden. Der Grund: Geraten die Unterlagen in Panik oder durch Übereifer einmal durcheinander, lassen sie sich rasch und unauffällig wieder ordnen.
Solche ‚Man-weiß-ja-nie-Maßnahmen’ entlasten den Redner, weil er sich für jedes Ereignis gewappnet fühlt. Empfehlenswert ist außerdem, eine gute halbe Stunde zu früh am Veranstaltungsort zu erscheinen. So kann man sich auch mit unvorhergesehenen Problemen noch in Ruhe vertraut machen und hat einige Gründe weniger, am Podium nervös zu sein.
Trick Nr. 3: Der Gefahr ins Gesicht blicken!
Man kennt das: Alle Vorbereitungen vor dem großen Auftritt helfen nichts, wenn Ruhe und Gelassenheit auf der Bühne wie weggeblasen sind. Für den direkten Umgang mit Nervosität und Lampenfieber helfen allerdings gleich mehrere Tipps, die einen Redner weiterhin souverän und sicher erscheinen lassen.
Setzt die Zitterpartie zum Beispiel schon zu Beginn des Vortrags ein, startet man am besten erst am Podium mit dem Sprechen, anstatt schon auf dem Weg dorthin. Besonders sicher wirkt außerdem ein fester Blick ins Publikum. Auch wenn dies zunächst schwerfallen mag, der Blickkontakt schafft Atmosphäre und stärkt das eigene Selbstvertrauen. Gleichzeitig nimmt man automatisch eine bessere Körperhaltung ein, als bei einem betretenen „Auf-den-Boden-schauen“.
Eine kräftige, lebendige Stimme und wenige, aber eindrucksvolle Gesten runden das Redner-Paket optimal ab. Die Erklärung dafür: Leise Stimmen werden als genauso unsicher wahrgenommen wie fahrige Bewegungen. Und wenn das alles trotz größter Anstrengung nicht gelingen sollte und die Nervosität mit Stimmverlust und weichen Knien die Oberhand behält, ist das nicht so tragisch. Man sollte sich vor Augen führen, dass von dem, was man fühlt, bei den Zuschauern höchstens ein Achtel ankommt. Selbst wenn die Nerven blank liegen und der Puls bis zum Hals schlägt, sieht das Publikum nur leichte Zeichen der Aufregung oder einen angespannten Gesichtsausdruck.
Trick Nr. 4: Dem Totalausfall ein Schnippchen schlagen!
Den viel zitierten Blackout fürchtet jeder Redner. Trotz gründlicher Vorbereitungen, hilfreicher Tipps und perfekt ausgearbeiteter Rede lauert die Angst, den roten Faden komplett zu verlieren, immer irgendwo im Hinterhalt.
Das Worst-Case-Szenario: Stumm oder stotternd vor dem erwartungsvoll blickenden Publikum zu stehen und nicht mehr weiter zu wissen. In diesem Fall gilt es, den ultimativen Pannennotfallkoffer auszupacken. Das heißt: Erst einmal Ruhe bewahren, um den Moment des Steckenbleibens zu überwinden. Eine Pause von bis zu vier Sekunden nehmen Zuhörer noch als Denkpause wahr. Das verschafft ausreichend Zeit, sich neu zu orientieren.
Die mutigere Alternative dazu: Statt die Panne zu vertuschen, kann man die Katze auch aus dem Sack lassen und zugeben, dass man gerade auf dem Schlauch steht. Für einige Redner ist Angriff die bessere Verteidigung und ein humorvolles Eingeständnis wirkt noch dazu sympathisch.
Wer hingegen eine elegantere Methode bevorzugt, überbrückt Hänger am besten, indem er den letzten Teil seines Vortrags noch einmal zusammenfasst. So könne nicht nur der Referent, sondern auch das Publikum das Gesagte noch einmal rekapitulieren.
Hat das Gedächtnis allerdings völlig ausgesetzt, tritt Plan B in Kraft: Sprich, das Thema wechseln oder eine Fragerunde einläuten. Bei fortgeschrittener Zeit ist auch eine unerwartete Pause denkbar. Es hilft in jedem Fall nichts, sich verrückt zu machen. Fehler und Aussetzer sind menschlich und wirken dadurch meist sogar liebenswert.
Fazit
Es gilt, sich endgültig von dem Vorurteil zu verabschieden, Lampenfieber sei etwas Schlimmes. Redeangst ist vielmehr ein Garant dafür, dass ein Redner während seines Vortrags körperlich und geistig 100 Prozent gibt. Ein Einsatz, den ihm das Publikum mit Aufmerksamkeit und Applaus danken wird.
[Bild: Fotolia.com]
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