Doch damit wird auch klar, was ein Kernproblem für Unternehmen ist: Welches sind denn die Entscheidungen, die so wichtig für das Unternehmen sind? Woran lassen sich diese festmachen oder erkennen? Blenko und ihre Kollegen sagen, dass es dafür folgende Analyseschritte braucht:
- Schaffen Sie eine Entscheidungs-Architektur: Jedes Unternehmen, jede Abteilung und jedes Team sollte die Kernprozesse definieren und beschreiben, die für die eigene Existenz maßgeblich sind. Dann sollten alle Entscheidungen erfasst werden, die einmalig oder regelmäßig in diesen Prozessen getroffen werden. Das setzt voraus, dass diese Prozesse sehr gut durchdacht und analysiert werden, damit alle Entscheidungen bewusst und aufgeschrieben werden. Diese können dann mit Hilfe eines Punkteschemas bezüglich ihrer Bedeutung bewertet werden.
- Streichen Sie die Entscheidungsliste anhand des Mehrwerts: Alle Entscheidungen, die nur wenig zu den Zielen des Unternehmens oder der Abteilung beitragen, können von der Liste gestrichen werden. Orientierung für das Streichen bringt die Frage: Bringt diese Entscheidung einen Mehrwert für das Unternehmen (und seine Stakeholder)? Dabei kann der Mehrwert der Einzelentscheidung klein sein. Wird sie aber sehr oft getroffen, dann ergibt ihr Wert sich aus der Häufigkeit (zum Beispiel: Jeden Tag rufen 100 Kunden bei der Service-Hotline an und der Mitarbeiter dort muss entscheiden, wie er mit der Kundenfrage oder Kundenbeschwerde umgeht. Bedeutsam für das Unternehmen ist nicht so sehr, wie der Mitarbeiter im Einzelfall entscheidet, sondern die Menge seiner Entscheidungen).
- Aufmerksamkeit durch das übergeordnete Management: Wichtige Entscheidungen können auch dadurch identifiziert werden, dass sie in Bezug auf die Aufmerksamkeit, die ihnen durch das übergeordnete Management entgegengebracht wird, beurteilt werden. Manche betreffen abteilungsübergreifende Fragen, manche sind neu (mussten bislang nicht entschieden werden) oder sind besonders abhängig von spezifischen Rahmenbedingungen, so dass der Vorgesetzte eingeschaltet werden muss. Das ist ein Indikator für eine kritische Entscheidung.
Am Ende dieses Auswahlprozesses bleiben für jedes Unternehmen nur wenige Entscheidungen übrig, die als wirklich kritisch eingestuft werden. Blenko berichtet, dass der Sportartikel-Konzern Nike nach einem Auswahlprozess 33 Entscheidungen als Schlüsselentscheidungen für das Unternehmen identifiziert hat. Auf den untergeordneten Ebenen (Team oder Abteilung) sind es im Allgemeinen weniger Entscheidungen, die dort von besonderer Bedeutung sind. Die Zahl der kritischen Entscheidungen ist also in jedem Fall überschaubar.
- Teil 1: Entscheidungsprozess: Auf die kritischen Entscheidungen kommt es an
- Teil 2: Woran Sie erfolgskritische Entscheidungen erkennen
- Teil 3: Wie Sie Entscheidungsprozesse verbessern
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