Farbe Mit Psychologie zu überzeugenden PowerPoint-Folien

02.12.2005 – Farben wirken - vor allem dann, wenn Sie für Produkt- und Leistungs-Präsentationen in der PowerPoint-Präsentation eingesetzt werden. Wer sich mit der psychologischen Wirkung von Farben nicht auskennt, hinterlässt schnell eine negative Wirkung. Fünf Fehler aus denen jeder lernen kann.

PowerPoint ist die beste Plattform, um Unternehmen, Produkte oder Inhalte zu präsentieren. Die technischen Möglichkeiten dieser benutzerfreundlichen Software sind beeindruckend. Und welcher Referent sieht sich nicht gerne als Dompteur schwungvoll hereinfahrender Sätze? Microsoft weiß eben, was Anwender glücklich macht: Animationen, ClipArts, Farben.

Klingt alles ganz einfach. Doch die Schwierigkeiten für den Ersteller einer Präsentation beginnen, wenn er nicht nur sich, sondern auch sein Publikum begeistern will. Dann ist guter Rat teuer, denn jede Zielgruppe reagiert anders und jeder Inhalt braucht eine andere Verpackung. Aus Millionen von Gestaltungsmöglichkeiten für das Layout der Folien müssen Referenten die richtige Auswahl treffen. Ohne Grundkenntnisse über Farben und deren psychologische Wirkung wird ihnen das kaum gelingen. Dieser Artikel zeigt die fünf häufigsten Fehlgriffe in den Farbtopf und deren Konsequenzen.

Fehler Nr. 1: Die Villa Kunterbunt auf Präsentationsfolien

Viele Präsentationen sind einfach zu bunt, d.h. es wurden mehr als 3 verschiedene Farben pro Folie verwendet. Referenten sollten wissen, dass „Bunt“ die Farbe der Kinder ist. Je bunter die Präsentation, desto weniger ernst werden die Inhalte genommen. Der Vortragende verliert an Seriosität und Kompetenz, denn bunte Folien wirken kindisch oder verspielt.

Warum wählen dann trotzdem Unternehmen wie microsoft, ebay und google bunte Logos? Weil sie damit bewusst signalisieren: „die Benutzung unserer Systeme ist kinderleicht und hier können Anwender ihren Spieltrieb ausleben“. Bunte Folien sind folglich nur dann angesagt, wenn Sie mit Ihrem Produkt eine ähnliche Botschaft transportieren möchten. In allen anderen Fällen gilt die 3-Farben-Regel: Verwenden Sie auf einer Folie maximal 3 Farben – wobei weiß, grau und schwarz nicht als Farben gerechnet und jederzeit ergänzt werden können.

Fehler Nr. 2: Vampir-Effekt bei bunten ClipArts

Manchmal sind die Farben auf den Folien zwar dezent aufeinander abgestimmt, doch die eingefügten ClipArts stechen dann mit zu grellen, intensiven Farben hervor. Damit wird die Grafik zu dominant und zieht die ganze Aufmerksamkeit auf sich. Die Textfelder wirken daneben richtig blutleer. Man spricht vom Vampir-Effekt allzu auffälliger ClipArts. Die Zuhörer können sich am Ende der Präsentation zwar nicht mehr an das Produkt erinnern, aber dafür an die animierte hüftwackelnde Tänzerin.

ClipArts sollten nur dann auf eine Folie, wenn sie nicht nur Eye-Catcher sind, sondern auch das Erinnern an das Produkt erleichtern. Die Grafik muss der Information dienen und nicht umgekehrt. Deshalb sollten Sie jede Grafik neu einfärben. Nehmen Sie konsequent die Intensität ihrer Farben zurück oder lassen Sie das bunte Bildchen von PowerPoint in schlichte Grautöne oder Schwarz-Weiß übersetzen.

Fehler Nr. 3: Ein Mann sieht Rot

Um auf etwas aufmerksam zu machen, verwenden Referenten häufig die Farbe Rot zum Hervorheben. Dagegen spricht nichts, wenn sie diese dominante Farbe nicht inflationär verwenden. Rot ist eine Farbe, die vor allem Power signalisiert und den Betrachter aktiviert. Sie ist die ideale Besetzung für einen Energie-Drink (ipsei), einen Sportwagen (Ferrari) oder einen Bohrhammer (HILTI).

Rot als Produktfarbe kommt 3-dimensional meistens sehr gut an, doch als Flächenfarbe in einer Präsentation ist sie nicht geeignet. Als Hintergrundfarbe für Folien oder größere Textfelder verliert Rot seine energetisierende Wirkung. Wenn die Zuschauer in Präsentationen nur noch Rot sehen, werden sie leicht so angriffslustig wie Charles Bronson in dem Thriller aus den 70er Jahren „Ein Mann sieht Rot“. Und ob damit dem Referenten geholfen ist, darf bezweifelt werden.

Fehler Nr. 4: Schwarz als Hintergrundfarbe für Folien

Die Wahl der Hintergrundfarbe der Folien ist entscheidend, denn diese füllt die größte Fläche. Die psychologische Wirkung der Farbe aus dem Hintergrund dominiert die gesamte Präsentation. Außerdem sind von der Hintergrundfarbe alle weiteren Farbentscheidungen für Texte, Textfelder, Hervorhebungen und ClipArts abhängig.

Vor allem Führungskräfte lieben es vor schwarzem Hintergrund zu präsentieren. Schwarz ist zwar schon die Farbe der Macht und der Eleganz, aber auch die Farbe der Trauer und des Todes. Ein schwarzer Hintergrund drückt die Stimmung im Raum bereits nach kurzer Zeit. Schwarz ist auch die Farbe der Nacht, d.h. die Zuhörer ermüden viel schneller, weil sie vermutlich so programmiert sind: Menschen gehen schlafen, wenn es dunkel wird – außer im Kino. Wenn Sie also in einem richtigen fensterlosen Vortragskino mit Großleinwand präsentieren, dann bleiben die meisten Zuschauer auch wach – hoffentlich!

Fehler Nr. 5: Fehlendes Salz in der Suppe

„Rot und Blau ist dem Kasper seine Frau.“ Schon Kinder wissen, dass nicht alle Farben gleich gut zusammenpassen. Leider sind die wenigsten Referenten mit dem Farbkreis vertraut. Das hat zwei Konsequenzen: entweder sie greifen etwas zu mutig in die volle Farbpalette oder sie bleiben aus Unsicherheit Ton in Ton. Fehlende Farbkontraste sind langweilig und ermüdend, doch allzu kontrastreiche Farbkombinationen erzeugen unnötig Spannungen im Zuhörer-Raum.

Eine gelungene Farbkombination auf Folien besteht aus drei Farben

  • einer dominanten Hauptfarbe,
  • einer Nebenfarbe und
  • einem kleinen Anteil Kontrastfarbe.

Haupt- und Nebenfarbe sollten sich ähnlich sein, d.h. auf dem Farbkreis möglichst nah beieinander liegen (Ton in Ton). Diese beiden Farben werden mit einer dritten Farbe kombiniert, die auf dem Farbkreis gegenüber liegt. Der so entstehende Farbkontrast ist wie das Salz in einer Suppe. Es ginge zwar auch ohne, aber mit etwas Salz schmeckt es einfach besser. Bei Kontrastfarben kommt es wie beim Salz vor allem auf die Dosierung an.

Diese Beispiele zeigen, dass die Wirkung der Farben gar nicht hoch genug eingeschätzt werden darf. Farben beeinflussen subtil, unbewusst und dennoch nachweisbar. Die Farben auf den PowerPoint Folien haben die Macht die dargebotenen Botschaften zu verstärken oder zu schwächen. Sie beeinflussen in jedem Fall die Stimmung der Zuhörer und damit indirekt auch deren Kaufentscheidungen. Deshalb ist es mehr als sinnvoll, wenn sich Präsentierende mit den Erkenntnissen aus der Farbpsychologie intensiv beschäftigen.

[Bilder: Autorin, Photocase.com]

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Über die Autorin

Manuela Dollinger
Manuela Dollinger

Manuela Dollinger ist seit 2002 Inhaberin und Geschäftsführerin von Competence on Top. Diplom-Kauffrau mit Schwerpunkt Personal und Arbeits- und Organisations-Psychologie, ehemalige Leiterin Personalentwicklung der HILTI GmbH in Kaufering, seit 1991 selbständig als Trainerin, Coach und Personalentwicklerin für Inhouse-Maßnahmen.

AnschriftManuela Dollinger
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