Gamestorming Kreativ und engagiert unbekanntes Terrain erkunden

10.03.2011 – Viele Mitarbeiter tun sich sehr schwer, wenn es heißt: „Jetzt sind wir mal alle kreativ!“ Mit der Strategie des Gamestorming werden die Merkmale von Spielen genutzt, um in den Prozess einzusteigen, mit dem schwierige Probleme gelöst oder neue Ideen entwickelt werden sollen. Dabei kommt es auf einige Prinzipien und die richtigen Werkzeuge an. Immer gilt der Dreiklang: Öffnen, erkunden, zusammenführen.
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Bild: Stanislav Komogorov - Fotolia.com

Viele Besprechungen leiden unter ihrer langweiligen Atmosphäre. Die Teilnehmer lassen sich ablenken und bringen sich nicht ein. Wenn es darum geht, schwierige Probleme zu lösen oder neue Ideen zu entwickeln, dann sind solche Besprechungen verlorene Zeit. Effektive Diskussionen mit engagierten und kreativen Teilnehmern lassen sich aber nur schwer initiieren.

Mit der Strategie „Gamestorming“ wollen die Unternehmensberater Dave Gray, Sunni Brown und James Macanufo Menschen dazu bringen, spielerischer und damit offener zu denken, zu sprechen und zu handeln. Sie sagen, dass sich damit bessere Lösungen für Probleme finden lassen. Denn mit den richtigen Spielen werden Mitarbeiter zu mehr Engagement und mehr Kreativität geführt.

Sie stellen diese Strategie, die dazugehörenden Werkzeuge und viele Spiele für Besprechungen in ihrem Buch „Gamestorming“ (2010) vor. Ihr Ziel ist es, Veränderungen in den Unternehmen zu unterstützen und innovative Lösungen zu fördern. Sie wollen, dass die Teilnehmer sich stärker engagieren, besser miteinander kommunizieren, Verständnis füreinander haben und ihre Zusammenarbeit verstärken. Sie versprechen den Anwendern ihrer Methoden mehr und bessere Ideen und effektivere und kürzere Besprechungen. Wie geht das?

Der freiwillige Eintritt in eine andere Welt

Wer ein Spiel spielt, der betritt eine andere Welt, eine Modellwelt. Hier gelten andere Regeln, nämlich die Spielregeln. Jedes Spiel hat einen Anfang und ein Ende sowie einen Raum, in dem gespielt wird. Manche haben spezifische Gegenstände oder Werkzeuge. Außerdem braucht jedes Spiel ein Ziel. Oft ist das Spiel beendet, wenn das Ziel erreicht ist. Wer dabei sein will, muss diesen Schritt wollen und die Regeln akzeptieren. Er muss freiwillig mitspielen.

In vielen Besprechungen und Workshops, in denen neue Ideen gefunden werden sollen, sind die Teilnehmer gar nicht freiwillig dabei. Sie sehen nicht ein, warum sie jetzt kreativ sein sollen. Sie wurden aus formalen Gründen eingeladen, sie sind halt immer dabei, es ist ja der Jour fixe. Aber mit solchen Teilnehmern wird kein Spiel zustande kommen und damit auch kein Ergebnis erzielt. Am Ende sind alle frustriert. Besprechungen, bei denen es um den Informationsaustausch und um die Klärung von Fragen geht, sollten deshalb strikt von solchen getrennt werden, bei denen eine offene Diskussion, Kreativität und neue Ideen das Ziel sind.

Dennoch sollten nicht nur die Mitarbeiter bei Kreativitäts-Workshops dabei sein, die bei solchen Anlässen immer „Hurra!“ rufen. Die Spaß daran haben, ihren Ideen freien Lauf zu lassen. Die offen sind für Neues und sich dafür einsetzen oder einfach gerne mitmachen. Die Kritiker und Skeptiker sollten ebenfalls mit eingebunden sein. Sie sehen Dinge von einer anderen Seite, richten den Blick auf Aspekte, die von den Enthusiasten übersehen oder verdrängt werden. Es kommt auf die richtige Mischung eines Teams an.

Ziele im Ungefähren lassen

Ziele schränken die Kreativität der Menschen oft zu sehr ein. Sie richten ihr Denken auf die Zielerreichung aus und beschneiden sich dadurch in ihren Lösungsmöglichkeiten. Denn vielleicht wurde das Ziel nicht richtig formuliert, weil es zu viele unbekannte Einflussfaktoren gibt. Oder es würden andere, bessere Ziele erreicht, die aber von vorneherein ausgeblendet bleiben. Gerade wenn es um Unbekanntes und um Innovationen geht, lassen sich Ziele nicht klar benennen.

Doch ganz ohne Ziele geht es auch nicht, weil dem kreativen Denken dann die Richtung fehlt. Es darf nicht beliebig bleiben, sondern muss Antworten geben auf die Fragen nach dem „Warum?“ und „Wofür?“. Gray und seine Kollegen plädieren deshalb dafür, Ziele unscharf und möglichst offen zu formulieren. Sie sollten außerdem folgende Eigenschaften haben:

  • emotional: Sie sprechen die Gefühle der Teilnehmer an. Das Thema ist für sie reizvoll und attraktiv, weil es verspricht, eines ihrer konkreten Probleme zu lösen oder einen Zustand zu erreichen, den sie für erstrebenswert halten.
  • anschaulich: Jeder kann sich ein Bild davon machen, worum es geht. Manchmal lässt sich das in einer Geschichte beschreiben, manchmal gibt es einen Prototyp, der es veranschaulicht.
  • anpassungsfähig: Im Laufe des Spiels und der Lösungsentwicklung stellt sich vielleicht heraus, dass das ursprüngliche Ziel so nicht zu erreichen ist oder dass sich die Umstände geändert haben. Dann sollte das Ziel umformuliert und angepasst werden, damit es wieder ein erstrebenswertes Ziel wird.

Beispiel: Arbeitsplanung

Der Notfalldienst eines Unternehmens muss sieben Tage die Woche rund um die Uhr für seine Kunden erreichbar sein. Das Team will nun einen Arbeits- und Zeitplan finden, der die „Lasten“ gerecht aufteilt. Jeder weiß, es wird schwierig, eine für alle akzeptable Lösung zu finden. Gesucht sind zunächst kreative Lösungen. Das Team setzt sich zum Ziel für seine Besprechungen: „Das Wochenende gehört der Familie.“

Diese Formulierung ist emotional und anschaulich, aber auch offen für unterschiedliche Lösungen. Wenn absehbar ist, dass jeder auch einmal Wochenenddienst übernehmen muss, kann das Ziel angepasst werden; etwa in der Form: „Das Wochenende gehört bis auf wenige Ausnahmen im Jahr der Familie.“

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