Ideenmaschine Das betriebliche Vorschlagswesen als Quelle für neue Ideen

Teil 2: Ideenmanagement: Vorteile und Anforderungen

In kleinen Betrieben, in denen soziales Miteinander herrscht, tauschen die Mitarbeiter auch so ihre Ideen aus und diskutieren die Umsetzung. Dort braucht man kein organisiertes Vorschlagswesen.

Für größere Unternehmen ergeben sich viele Vorteile auch nur, wenn ein Miteinander herrscht. Dann kann das Vorschlagswesen viel verbessern. Die Optimierungen sind überwiegend technischer Natur und können mit betriebswirtschaftlichen Methoden in Form von direkten Einsparungen gemessen werden.

Andere Optimierungen gehen über eine reine Rationalisierung hinaus und verbessern soziale Aspekte. Zum Beispiel, wenn Vorschläge im Team generiert und umgesetzt werden. Das belebt die Kommunikation und den Zusammenhalt zwischen den Mitarbeitern und den mitwirkenden Vorgesetzten. Gruppenvorschläge können durch das Unternehmen gefördert werden; zum Beispiel kann die Prämierung um 10 bis 50 Prozent über derjenigen der Einzelvorschläge liegen. So verstärken sich Vorschlagswesen und soziales Miteinander gegenseitig. Die indirekten Auswirkungen des Vorschlagswesen sind schwer messbar, machen es aber zu einem wichtigen Führungsinstrument.

Insgesamt ergeben sich Einsparungspotenziale durch bessere:

  • Produktivität und Produktion;
  • Rationalisierung von Verwaltungsarbeit und Vermeidung von Leerläufen;
  • Qualität, dank Fehlererkennung und Ausschuss-Senkung;
  • Umweltschutz, zum Beispiel durch Materialeinsparung;
  • Arbeitsplatzgestaltung;
  • Arbeitssicherheit;
  • Innovationsfähigkeit;
  • Persönlichkeitsentfaltung für Mitarbeiter;
  • Kooperation im Führungsstil des Vorgesetzten.

Die Mitarbeiter selbst sehen dadurch folgende Vorteile:

  • Sie können das Unternehmensgeschehen mitgestalten.
  • Sie verbessern Zusammenarbeit und Kommunikation.
  • Sie können Eigenverantwortung übernehmen.
  • Sie profitieren eventuell durch Prämien.

Qualifizierung für die Vorgesetzten oder den professionellen Ideenmanager

Vorgesetzte, die als Coaches für die guten Vorschläge ihrer Mitarbeiter eintreten und unqualifizierte Ideen aussortieren, benötigen gewisse Qualifikationen. Auch das Berufsbild des professionellen Ideenmanagers setzt auf diese Kompetenzen. Vor allem große Unternehmen bauen auf professionelle Kräfte, die das Ideenmanagement entwerfen, leiten und kontrollieren: mal direkt in den Fachabteilungen, mal im Marketing, in der Personalabteilung und -entwicklung oder im Total Quality Management. Ein Ideenmanager muss über vieles Bescheid wissen und sich mit Folgendem auseinandersetzen:

1. Ich weiß um den Zustand des Vorschlagswesen oder des Ideen- / Innovationsmanagement, in welches es eingebettet ist. Zum Beispiel:

  • Wie werden Ideen bewertet?
  • Wie generiere ich Ideen im Team und wie gehe ich mit diesen richtig um?
  • Wie funktionieren Prämiensystem und Direktprämierung?
  • Was steht in der Betriebsvereinbarung?

2. Ich weiß, wie ich Vorgesetzte für das Vorschlagswesen sensibilisiere und begeistere. Zum Beispiel durch passende Geschichten vom Ideenmanagement per Storytelling.

  • Was sind Topps und Flopps?
  • In welchen Bereichen klappt es besonders gut?
  • Wie stelle ich erfolgreiche Teams zusammen?

3. Ich weiß, wie ich den direkten Vorgesetzten vor Ort mehr Verantwortung verschaffe. Darf dieser weitgehend über Ideen entscheiden und deren Umsetzung ohne Zwischeninstanz in Angriff nehmen, beschleunigt das den Innovations-Prozess.

4. Ich kann mit Kreativitätstechniken die Ideengenerierung in Teams verbessern. Zum Beispiel mit Techniken wie:

  • Graffiti-Wand / Brainstorming-Tafel,
  • Brainstorming durch Kartenabfrage,
  • Disney-Strategie zur Lösungsfindung,
  • 6-3-5 Methode zur Ideengenerierung,
  • Mind-Mapping.

5. Ich habe Antworten auf folgende Fragen:

  • In welche Richtung soll sich das Vorschlagswesen entwickeln?
  • Wo kann es optimiert werden?
  • Welche Arten von Ideen bringen die ganze Firma voran?
  • Wann ist ein Vorschlag qualitativ gut?
  • Mit welchen Ideen tauchen immer wieder Probleme auf?

Philosophieunterschiede im Ideengenerierungsprozess

Historisch: zentrales Vorschlagwesen

Aktuell: dezentrales Vorschlagswesen

Mißtrauen: Mitarbeiter halten Kreativitätsreserve bewusst vor

Vertrauen: Mitarbeiter wollen kreativ sein

Moralisierende Appelle

Normale, selbstverständliche Praxis

Vorschläge betreffen den Pflichtenkreis anderer

Vorschläge betreffen den eigenen Pflichtenkreis

Fokus auf punktuelle Miss-Stände

Fokus auf kundenorientierte Prozesse

Vorschläge in der Regel von Einzelnen (Konkurrenz)

Verbesserung im Team (Kooperation)

Vorschlag schreiben statt zu handeln

Handeln statt Vorschlag zu schreiben

Checkliste: Handlungsanleitung zur Einführung

  1. Prüfen Sie, welche Verfahrenswege zur Umsetzung von Verbesserungsvorschlägen bisher vorhanden sind und wie diese funktionieren.
  2. Planen Sie im Projektteam die Installation oder Neuorganisation des Vorschlagswesens.
  3. Beteiligen Sie die Mitarbeitervertretung an diesem Prozess.
  4. Regen Sie einen Erfahrungsaustausch mit anderen Einrichtungen an. Kooperieren Sie bei Bedarf mit einem externen Berater.
  5. Analysieren Sie, wie in den nächsten Jahren anstehende Verbesserungsprozesse integriert werden können.
  6. Entscheiden Sie, welche Personal- und Zeitressourcen zur Verfügung stehen, um den Verbesserungsprozess zu optimieren.
  7. Entscheiden Sie, ob Sie das betriebliche Vorschlagswesen in andere Managementsysteme des Unternehmens integrieren wollen.
  8. Informieren Sie alle Mitarbeiterinnen kontinuierlich und umfassend über die Planungen zur Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens.
  9. Verabschieden Sie nun das Konzept; schließen Sie die Betriebsvereinbarung und die Verfahrensanweisung für das betriebliche Vorschlagswesen ab.
  10. Präzisieren Sie die Handlungsschritte zur Einführung des betrieblichen Vorschlagswesens und setzen Sie sie zügig um.
  11. Planen Sie, wie Sie die Führungskräfte zur Umsetzung des betrieblichen Vorschlagswesens motivieren können.
  12. Weisen Sie die Führungskräfte in Form von Workshops in die Abläufe, die Organisation und die Umsetzung des betrieblichen Vorschlagswesens ein.
  13. Informieren Sie alle Mitarbeiterinnen über den Starttermin, die Ziele, Inhalte und den Ablauf des betrieblichen Vorschlagswesens.
  14. Planen Sie Werbeaktionen für die Einführungsphase.

[Quelle: www.bgw-online.de/...]

Quellen und weiterführende Links

http://www.innovation-aktuell.de

Vom Betrieblichen Vorschlagswesen zum ganzheitlichen Ideenmanagement

Ratgeber (PDF) für die Einführung eines Ideenmanagements im Gesundheitswesen

Kommentierte Buchliste

[TL; Bild:  Scott Maxwell - Fotolia.com]

Das gesamte Dossier zum Herunterladen und Ausdrucken

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