Multitasking adé Lieber schön der Reihe nach als alles auf einmal

Teil 2: Einfache und automatisierte Aufgaben können wir simultan bewältigen

Es gibt jedoch einige Tätigkeiten, die wir gleichzeitig ausführen können und unter denen die Produktivität nicht leidet. Hierbei handelt es sich um einfache, meist automatisierte Tätigkeiten. So sind zum Beispiel Essen und gleichzeitig Radio hören (einfache Tätigkeiten) parallel möglich. Auch eine einfache und eine schwierige Tätigkeit, wie Essen und sich unterhalten, sind meistens ohne Probleme möglich. Die Grenze bemerken wir jedoch schon früh: Wenn man beispielsweise im Auto den Ort nicht kennt und den richtigen Weg sucht, schaltet man das Radio aus, um sich voll und ganz auf die Straße zu konzentrieren. Die Geräusche lenken sonst zu sehr ab.

Beim Ausführen mehrerer Aufgaben ist die Aufgabenschwierigkeit also ein entscheidender Punkt. Wir können unsere Konzentration auf mehrere Aufgaben verteilen oder einer einzigen Aufgabe widmen. Schwierige Aufgaben erfordern einen höheren Einsatz von Aufmerksamkeit und Konzentration, sodass wir nur eine davon ausführen können. Handelt es sich hingegen um automatisierte Prozesse, ist kaum ein Denkaufwand nötig. Die Ressourcenanforderungen an unser Gehirn sind dabei so gering, dass wir nebenher eine schwierige Aufgabe bewältigen können. Zum Beispiel Autofahren (automatisierte Tätigkeit) und parallel ein geschäftliches Telefonat, natürlich über Freisprechanlage, führen.

Insofern überfordert uns Multitasking nur, wenn wir versuchen, zwei oder sogar mehrere nahezu gleich schwierige Aufgaben zu erledigen, beispielsweise E-Mails Lesen und Telefonieren. Jetzt könnte man meinen, das sind auch schon automatisierte Tätigkeiten, weil wir das jeden Tag machen. Doch es sind immer wieder andere Themen, die wir aufnehmen und verstehen müssen. Das erfordert eine Menge Konzentrationsfähigkeit. Schon alleine das Aussortieren von Spam-Mails, ist keine leichte Aufgabe für unser Gehirn. Telefonieren wir dabei noch, ist das eine massive Ablenkung und das Aussortieren kostet mehr Zeit.

Versuch: Sind Sie multitaskingfähig?

Wenn wir Aufgaben bewältigen müssen, holen wir uns dazu fast immer Ereignisse, Fakten und Sonstiges aus unserem Gedächtnis. Denn diese bestimmen, wie wir eine Tätigkeit ausführen. Um diese Daten abzurufen, ist eine gewisse Anstrengung und Aufmerksamkeit notwendig. Wenn Sie zum Beispiel überlegen, was „Danke“ auf Französisch heißt, müssen Sie Ihr Gedächtnis durchforsten, bis Sie die Stelle gefunden haben, wo das Wort abgelegt ist. Das braucht Zeit und Kapazität, beim einen mehr beim anderen weniger.

Und jetzt mal ehrlich: Als Sie gelesen haben „Danke auf Französisch“, hat Ihr Gehirn in einem Bruchteil einer Sekunde nach einer Antwort gesucht und deshalb haben Sie den Rest des Satzes wahrscheinlich etwas langsamer gelesen und verarbeitet als die Sätze davor. Stimmt´s?

[Quelle: Aus dem Buch „Die Multitasking-Falle“ von Beate Schneider und Martin Schubert]

Bei automatisierten Tätigkeiten muss unser Gehirn weniger Leistung erbringen. Doch Automatismen erfordern eine Menge Übung. Autofahren ist beispielsweise eine eindeutige Multitasking-Tätigkeit. Es hat uns zu Beginn total überfordert: Gang einlegen, Kupplung langsam kommen lassen, vorher Schulterblick, Blinker setzen, Gas geben, lenken und dabei noch auf Verkehrsschilder und andere Verkehrsteilnehmer achten. Doch je länger wir das Autofahren üben, desto automatisierter läuft es ab.

Aber auch bei Automatismen können unvorhersehbare Ereignisse eintreten, die wieder die ganze Konzentration erfordern. Rennt zum Beispiel plötzlich ein Kind auf die Straße und wir müssen stark bremsen, erfordert das unsere ganze Aufmerksamkeit.

Es gibt im Berufsalltag nicht immer die Möglichkeit, Aufgaben zu üben und zu automatisieren. Dies ist am Fließband möglich und wenn ein und dieselbe Aufgabe ständig ausgeführt wird. Im Kontakt mit Kunden oder Kollegen ändern sich die Aufgaben und Anforderungen aber andauernd.

Je verschiedener zwei Aktionen sind, desto eher werden im Gehirn getrennte Gehirnregionen beansprucht. Solange die Gesamtkapazität nicht überschritten wird, also wenn wir beispielsweise zwei unterschiedliche, aber einfache Aufgaben ausführen, dann können wir diese auch gut bewältigen. Sobald es aber etwas schwieriger wird, sind wir nicht mehr in der Lage von der einen Gehirnregion schnell zur anderen zu wechseln und die ganze Aktion wird ineffizient. Es werden kurzfristig erhöhte Anforderungen gestellt und die Konzentration wird immer wieder unterbrochen. Ähnliche Aufgaben hingegen beanspruchen die gleichen Gehirnregionen, wir müssen deshalb nicht schnell umschalten, sondern können in der gleichen Art und Weise weiterarbeiten. Die Ausführung ähnlicher Aufgaben kann das Multitasking also unterstützen.

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