Garr Reynolds beschreibt in seinem Buch „Zen oder die Kunst der Präsentation“, wie Powerpoint-Vorträge wirkungsvoll visualisiert und gestaltet werden sollten. Seine Kernbotschaft für folienbasierte Präsentationen lautet:
„Die Inhalte müssen so elegant wie möglich angeordnet werden. Auf überflüssige Dekoration ist zu verzichten. Die Präsentation des Inhalts ist einfach, ausgewogen und schön anzusehen.“
Foliengestaltung ist eine Kunst, aber immer auch Handwerk, das sich im erforderlichen Maß von fast allen erlernen lässt. Dabei gibt es kein eindeutiges „richtig“ oder „falsch“. Maßgeblich sind immer das Publikum und der Zweck der Präsentation. Dennoch gibt es einige Grundregeln, die allgemein beherzigt werden sollten. Reynolds erläutert sie mit vielen Beispielen untermalt in seinem Buch:
Zeichen vs. Unschärfe: Viele Folien sind mit Informationen überfrachtet, die eigentlich gar nicht wichtig sind. Unnötiger Text, viele Linien und dann auch noch Fotos oder Grafiken aus der Clip-Art-Bibliothek. All das lenkt von der wichtigen Botschaft und Information ab; erzeugen Unschärfe. Also raus damit. Allenfalls können Fotos, die sehr gut passen, eine Kernbotschaft visualisieren und unterstreichen.
Überlegenheit des Bildes: Ein Bild sagt mehr als tausend Worte. Denn sie machen Argumente kräftiger und Geschichten anschaulicher. Mit Bildern sind Fotos, Zeichnungen oder Grafiken gemeint. Die meisten menschlichen Gehirne bringen Gedanken und Ideen in Bilder. Der Vortragende kann ihnen dabei helfen. Ein weiterer Vorteil: Zuhörer können Bilder schneller erfassen und dann dem Vortragenden zuhören – anstatt nebenbei den Text von den Folien lesen zu müssen.
Leerraum: Er spielt bei der Gestaltung eine sehr wichtige Rolle. Leerraum wirkt. Doch viele versuchen, den Platz ihrer Folie bis auf den letzten Quadratzentimeter auszunutzen. Dabei hilft der Leerraum, die wenigen Elemente einer Folie ins Gleichgewicht zu bringen. So erzeugt er Eleganz und Übersicht.
Gegensatz: Mit diesem Prinzip können einzelne Objekte besonders hervorgehoben werden. Das Wichtige wird ganz groß – und alles andere ganz klein dargestellt. Genauso kann Farbe dafür verwendet werden.
Wiederholung: In einer Powerpoint-Präsentation sollte ein Element in identischer oder ähnlicher Form immer wieder wiederholt werden. Das sorgt für ein Gefühl der Einheit, erhöht die Konsistenz und verstärkt die Bindung. Auch hier gilt: Einsatz in Maßen und nicht im Übermaß.
Ausrichtung: Alle Elemente einer Folie sollten so positioniert sein, dass sie durch eine unsichtbare Linie miteinander verbunden und aneinander ausgerichtet sind. Raster können dabei helfen.
Nähe: Was auf einer Folie zusammengehört, muss auch beieinanderstehen. Der Betrachter darf nicht gezwungen werden, selbst zu überlegen, was wie zusammengehört.
Hinweis
Richtig sichtbar werdend diese Regeln erst an guten und passenden Beispielen. Hier finden Sie ein perfektes und prämiertes Beispiel von Jeff Brenman zum Thema „Thirst“ oder viele Unternehmensbeispiele von Duarte Design.
Oder einfach das Vorwort von Guy Kawasaki zum Buch von Garr Reynolds.
Worauf es letztlich ankommt? Der verstorbene Werbeprofi Paul Arden bringt es auf den Punkt:
„Je besser Ihre Präsentation aussieht, desto mehr Menschen werden sich daran erinnern. Noch wichtiger ist, dass sie sich an Sie erinnern.“
Allen, die ihre Powerpoint-Präsentationen in Zukunft wirksamer gestalten wollen und die bereit sind, sich von Punktaufzählungen zu lösen, sei geraten: Gehen Sie Schritt für Schritt vor. Entfernen Sie sich nicht zu weit von den Erwartungen Ihres Publikums. Aber seien Sie mutig genug, bei Ihrem Publikum einen „Wow-Effekt“ auszulösen. Beate Strauß rät:
„Das Wichtigste ist, die Philosophie dieser neuen Präsentationstechnik zu verstehen. Die guten Redner reden mit ihrem Publikum, der Schwerpunkt liegt auf dem Vortrag, dem Dialog mit dem Publikum. Sie benützen die Folien, wenn sie etwas visualisieren, plakativer machen oder erklären möchten. Sie benützen sie auch, um Atmosphäre zu zaubern, denn für eine erfolgreiche Präsentation ist das gute Bauchgefühl ebenso wichtig wie das kognitive Verständnis.“
Profis lösen sich komplett von ihren Folien – ohne dann weitschweifig und unstrukturiert zu reden. Das erfordert viel Übung. Eine Vortragsstrategie, die dem Pecha Kucha-Prinzip folgt.
Hinweis
Eine besondere Form der Präsentation ist das sogenannte Pecha Kucha, das vor rund fünf Jahren von zwei amerikanischen Architekten in Japan vorgestellt wurde. Dabei werden 20 Folien vorbereitet, die bei der Präsentation jeweils genau 20 Sekunden eingeblendet werden. Damit hat der Vortragende exakt 6 Minuten und 40 Sekunden Zeit, sein Thema zu präsentieren. Das trainiert die Beschränkung und Fokussierung bei Vorträgen. Inzwischen gibt es weltweit Pecha Kucha-Events. Mehr dazu unter: www.pecha-kucha.org
- Teil 1: Präsentation: Alternativen zur Punktaufzählung in Powerpoint
- Teil 2: Vor dem Vortrag unbedingt klären
- Teil 3: Was tun mit den Aufzählungszeichen?
- Teil 4: Wie Powerpoint-Folien wirkungsvoll gestaltet werden können
- Teil 5: Viele Beispiele, Links und weitere Informationen