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Präsentationstechnik Souverän und spannend Vorträge halten

Von Michael Moesslang, PreSensation Institute
07.05.2010 – Das Dilemma vieler Vorträge beginnt damit, dass der Redner sich zu sehr mit seinen Inhalten und womöglich seinem Lampenfieber beschäftigt, anstatt mit der Wirkung seiner Worte und seines Auftretens. Kommt dann noch die Überzeugung dazu, er sei routiniert genug, denkt er nicht einmal mehr darüber nach, besser zu werden. Überzeugender ist, wenn Sie Ihre Zuhörer in den Mittelpunkt Ihres Vortrages stellen. Das gilt für freie Reden ebenso, wie für Präsentationen mit Folien.

Nach Umfragen unter Zuhörern sind 97 Prozent aller Präsentationen in deutschen Unternehmen verbesserungswürdig, 84 Prozent gar langweilig und einschläfernd. In der heutigen medialen Welt – wir erleben täglich durchschnittlich 9.000 Eindrücke durch Werbung, 120 Minuten Fernsehen, Internet, Spiele, Fahrstuhl- und Supermarktmusik oder Autoradio – ist es verständlich, wenn Zuschauer bei einem langweiligen Vortrag einnicken: Endlich haben Körper und Geist Ruhe. Doch das kann nicht das Ziel des Redners sein. Also muss er gegensteuern. Eine Präsentation, die Menschen erreichen und überzeugen soll, muss mindestens folgende Kriterien erfüllen:

  • Klare Struktur und roter Faden;
  • Verständlich in Inhalt und Sprache;
  • Lebendig, spannend und emotional vorgetragen;
  • Bedeutung und Nutzen für die Teilnehmer;
  • Kompetenz und spürbare Passion beim Präsentierenden.

Hier die zehn hilfreichsten Tipps, wie Sie Ihre Vorträge lebendig gestalten:

1. Ein klassischer Aufbau

Wie im Schulaufsatz brauchen Sie eine Einleitung, einen Hauptteil und einen Schluss. Die Einleitung dient dazu, die Zuhörer zu gewinnen und das Eis zu brechen. Sie muss also spannend sein und neugierig machen. Auf keinen Fall mit Floskeln langweilen wie „Es freut mich, dass Sie so zahlreich erschienen sind.“

Profi-Empfehlung: Beginnen Sie mit einem überraschenden Einstieg, beispielsweise einer Geschichte oder einer spannenden Behauptung. Dadurch werden die Zuhörer sofort aufmerksam. Falls Begrüßung, Vorstellung oder Hinweise nötig sind, sprechen Sie diese erst danach aus.

Der Hauptteil muss vor allem logisch aufgebaut sein und so verständlich, dass ihn alle Anwesenden sicher verstehen. Reduzieren Sie ihn auf maximal drei Inhaltspunkte, um das Publikum nicht zu überfordern. Wenn Sie ein Produkt verkaufen, sind das beispielsweise die drei wichtigsten Verkaufsargumente.

Den Abschluss bildet ein starker Schlusssatz, mit dem Sie das Gesagte nochmals mit einer Aussage in die Köpfe bringen. Enden Sie niemals mit „Danke für Ihre Aufmerksamkeit“ oder ähnlich langweiligen Floskeln. Sie nehmen Ihrem Vortrag damit jegliche Wirkung.

2. Verständliche Worte

Lange, verschachtelte Sätze, womöglich monoton gesprochen, können vom Publikum nur sehr schwer verarbeitet werden. Ein guter Redner vermeidet so viele Nebensätze, Fachausdrücke, Fremdworte und Abkürzungen wie möglich. Statt dessen verwendet er eine bildhafte und emotionale Sprache mit kurzen Sätzen. Unser Gehirn verarbeitet Sprache in Form von Bildern. Komplexe Wörter lassen sich nicht in Bilder übersetzen. Das ist der Grund, warum weniger hängen bleibt. Je einfacher und bildhafter Sie formulieren, desto einprägsamer Ihre Worte.

3. Analog statt PowerPoint

Nicht, dass Sie auf PowerPoint verzichten sollen. Das geht nur in manchen Fällen. Doch die Ursache vieler langweiliger Präsentationen liegt in der Vorgehensweise. Da werden alte Folien aus eigenen und Präsentationen von Kollegen zusammensortiert, ein bisschen ergänzt und zudem alle Notizen des Präsentators auf die Folien getippt.

Profi-Empfehlung: Planen Sie Ihre Präsentation erst auf dem Papier, am besten auf kleinen Zetteln, die Sie auf dem Schreibtisch verteilen und so lange sortieren können, bis Sie das Gefühl haben, die Struktur stimmt. Dann erst beginnen Sie mit PowerPoint oder Keynote.

Überlegen Sie zu jeder Folie, was Ihr konkretes Ziel ist und wie Sie die Anzahl der Wörter reduzieren können. Verwenden Sie keine ganzen Sätze, es sei denn Sie diskutieren über Formulierungen, beispielsweise eines Gesetzes oder einer Werbebotschaft. Stichworte wirken stärker, noch besser sind Bilder statt Texte.

 Untersuchungen haben gezeigt, dass ein Text, den der Präsentator sagt, nicht auf der Folie stehen darf.

Profi-Empfehlung: Die Wirkung verschlechtert sich nämlich dadurch. Folien dürfen den Redner immer nur unterstützen, nie zur Hauptsache werden.

4. Vorbereiten und Üben

Bereiten Sie Ihre Präsentation wirklich gut vor und üben Sie diese mehrmals vorher laut. Je besser Sie vorbereitet sind, desto sicherer werden Sie sein. Zudem kann nur eine gut durchdachte und durch mehrmaliges Üben auf Stimmigkeit geprüfte Präsentation überzeugen.

Viele behaupten, nicht die Zeit zu haben, eine Präsentation ausreichend vorzubereiten. Dann ist meine Empfehlung, die Präsentation abzusagen. Eine schlechte Präsentation hinterlässt einen schlechten Eindruck in Bezug auf Sie, den Inhalt und Ihr Unternehmen. Das ist die Sache nicht wert. Eine Präsentation entscheidet über Projekte, Aufträge und Erfolg. Die dafür notwendige Zeit ist gut investiert.

Wenn Sie eine Präsentation mehrfach üben, führt dies dazu, dass Ihre Körpersprache und Stimme mit jedem Durchgang besser werden. Sie werden lebendiger und spannender sprechen und so die Teilnehmer für sich gewinnen und überzeugen.

5. Ihre Wirkung

Sie werden zu jeder Zeit wahrgenommen, Wirkung ist also keine Sache für einige bedeutende Augenblicke. Da Sie nicht während des Vortrags an Ihre Körpersprache, Ihre Stimme, Ihren Satzbau und einige Dinge mehr denken können, während Sie sich auf Inhalt und Ihr Publikum konzentrieren, brauchen Sie eine andere Lösung.

Die oben angesprochenen Übungs-Durchgänge nutzen Sie dazu, gezielt auf Ihre nonverbale Kommunikation zu achten. Das Ziel ist dabei, dass all die Gesten und anderen Signale zum Automatismus werden, zur Gewohnheit. Damit Sie im Moment des Vortrages nicht mehr daran denken brauchen. Ein weiteres Argument, zahlreiche Übungs-Durchgänge zu machen. Sie sehen: Übungs-Aufwand lohnt sich immer.

6. Ihre Haltung entscheidet über den ersten Eindruck

Der erste Eindruck – er entsteht in weniger als einer sechstel Sekunde – entscheidet über Ihr Image. In diesem kurzen Moment zählt neben Aussehen vor allem Ihre Haltung.

  • Stehen Sie gerade, mit parallelen, schulterbreit auseinander stehenden Füssen, flexiblen Knien und aufrechtem Oberkörper.
  • Achten Sie darauf, dass Ihre Nase weder devot gesenkt noch arrogant gehoben ist. Hier reichen wenige Millimeter, ein Blick in den Spiegel lohnt sich also.
  • Ihre Hände lassen Sie seitlich am Körper hängen, solange Sie noch nicht sprechen. Kurz bevor Sie zu sprechen beginnen, nehmen Sie Ihre Hände locker in- oder aneinander auf Höhe des Gürtels oder kurz darüber. Aus dieser Position können Sie wunderbare Gestiken machen.
  • Machen Sie viele, große und ruhige Gesten.
  • Nehmen Sie immer wieder die Grundhaltung ein.
  • Profi-Empfehlung: Üben Sie auch diese Grundhaltung so lange, bis sie zur Gewohnheit wird.

7. Unschöne und verräterische Signale vermeiden

Hand in der Hosentasche, Fuß verdreht, erhobener Zeigefinger – all das sind Signale des Körpers, die den Gesamteindruck des Redners schmälern. Die Hände will das Publikum in unserer Kultur immer sehen, also sind nicht nur Hände in der Hosentasche ein Tabu, sondern auch hinterm Rücken.

Insbesondere Damen neigen dazu, einen Fuß stark wegzudrehen oder die Beine im Stehen übereinander zu schlagen. Trainieren Sie sich das unbedingt ab. Bei beiden Geschlechtern sehe ich immer wieder einen instabilen Stand auf einem Bein, den anderen Fuß nur auf der Fußspitze oder – noch schlimmer – auf der Ferse und somit die Fußsohle gegen das Publikum gerichtet. Das wirkt unsicher.

Der erhobene Zeigefinger oder ein Blick über die (Halb-)Brille versetzt das Publikum unangenehm zurück in Schulzeiten und erinnert an einen strengen Lehrer. Berührungen im Gesicht zeugen von Unsicherheit, Unbehagen und im schlimmsten Fall von Unwahrheit. Deshalb auch, wenn es mal juckt: nicht jedes Mal ins Gesicht fassen.

8. Ihr Blick erzeugt Kontakt

Im Wort Blickkontakt steckt nicht umsonst „Kontakt“. Halten Sie Blickkontakt so lange, bis Sie wirklich Kontakt spüren, jedoch nicht aufdringlich lange: mindestens zwei, maximal sieben Sekunden sind optimal. Sehen Sie alle Teilnehmer an, vergessen Sie insbesondere nicht die, die in den Ecken des Raumes sitzen, damit sich niemand benachteiligt fühlt. Bei großen Gruppen reicht es, in den hinteren Reihen einen anzusehen und es fühlen sich mehrere eingebunden. Nutzen Sie diesen Effekt.

Profi-Empfehlung: Betonen Sie wichtige Aussagen durch einen festen Blickkontakt, der noch einige Momente über den Satz hinausgeht – schweigend. So steigern Sie die Kraft Ihrer Aussage.

9. Ihr Ton macht die Musik

Sprechen Sie laut und mit vollem Ton, artikulieren Sie präzise. Es gibt nichts Schlimmeres, als einen Redner, den das Publikum nicht versteht, weil er zu leise spricht oder nuschelt. Auch das ist eine Sache der Übung. Je lebendiger und abwechslungsreicher Ihre Sprechweise, desto lieber hören Ihnen die Menschen zu. Sie sind leichter zu verstehen und durch eine gezielte Betonung machen Sie deutlich, welche Aussagen Ihnen besonders wichtig sind.

10. Nicht Argumente überzeugen

Manch einer glaubt, je mehr Argumente er hat, desto eher wird das Gegenüber überzeugt. Das ist falsch, denn bei zu vielen Argumenten regt sich der Widerstand umso mehr. Sagen Sie dagegen nur so viel wie nötig, um neugierig zu machen, steigt das Interesse. Zudem argumentieren Sie niemanden nieder. Lassen Sie auch mal eine einfache, kurze Aussage stehen, denn eine nicht eingeforderte Begründung schwächt Ihre Wirkung.

Profi-Empfehlung: Bauen Sie Ihre wichtigen Sätze so um, dass das wichtigste Wort am Ende des Satzes steht. Setzen Sie dann noch vor dem Wort eine kurze Pause. Ein Beispiel: statt „Wir hatten 500 Millionen Umsatz letztes Jahr“ sagen Sie „Letztes Jahr hatten wir einen Umsatz von … 500 Millionen.“ Die Pause erhöht die Wirkung, das letzte Wort klingt nach.

Nur wer es schafft, mit seiner Persönlichkeit und seinem Auftreten die Zuhörer wach und aktiv zu halten und dabei kompetent und glaubwürdig zu wirken, wird sein Publikum begeistern und überzeugen. Dafür lohnt sich fast jeder Aufwand. Schließlich sind die Wirkung eines Menschen und seine rhetorischen Fähigkeiten eine der Schlüsselqualifikationen für jede Führungspersönlichkeit. Denn mal ehrlich: wenn Sie Ihre Ideen und Projekte voranbringen wollen, dann ist das Wichtigste, dass Sie andere motivieren, inspirieren und überzeugen.

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[Bild: Fotolia.com]


Über den Autor

Michael Moesslang
Michael Moesslang

Michael Moesslang ist der Experte für sensationelles Präsentieren und persönliche Wirkung. Als Experte seines Faches bezieht er aktuelle Erkenntnisse aus Psychologie und Verhaltenswissenschaften ein. Michael Moesslang aktivierte als Vortragsredner und Lehrbeauftragter bereits Zuhörer in über 1.000 Vorträgen und Präsentationen.

AnschriftMichael Moesslang
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