Genauso wichtig wie die – wie Sie gesehen haben einfache – Kunst des Zeichnens ist es, bei der Verfertigung der eigenen Gedanken Schritt für Schritt vorzugehen. Dan Roam stellt einen Prozess vor, wie Sie jedes Problem bearbeiten können. Er nennt ihn den visuellen Denkprozess:
- Sehen: Sie sehen etwas, das Ihre Aufmerksamkeit auf sich zieht. Ein Defekt an einem Produkt oder einer Maschine, ein Kunde, der sich beschwert, ein Kollege, der etwas von Ihnen will.
- Betrachten: Sie schauen sich die Sache genauer an. Sie erkennen, ob Ihnen das vertraut vorkommt, ob Gemeinsamkeiten bestehen, wie groß, wie schnell und wo genau es passiert und vieles mehr. Sie befassen sich mit dem Sachverhalt oder mit dem Problem, um mehr zu erfahren und um eine mögliche Lösung zu erkennen.
- Vorstellen: Sie erkennen die Zusammenhänge, Ursachen und wichtige Einflussfaktoren. Im Kopf entsteht eine Idee, eine mögliche Lösung. Sie sortieren das alles zu einem stimmigen Bild. Wenn etwas fehlt, betrachten Sie den Sachverhalt an der Stelle noch einmal genauer. So verfertigen Sie eine Lösung im Zwiegespräch mit sich selbst.
- Zeigen: Dann stellen Sie diese Lösung anderen vor. Sie sprechen mit ihnen über Ihre Idee oder präsentieren ihnen, was Sie herausgefunden haben und wie die Lösung aussehen könnte. Sie diskutieren über das Lösungsschema, das Sie in Form eines Bildes entwickelt haben.
In diesem Prozess der Lösungsfindung setzen Sie nicht nur das Sinnesorgan für das Sehen, das Auge, ein. Es können dabei auch die anderen Sinne, Hören, Schmecken, Riechen, Fühlen, beteiligt sein. Aber das Sehen ist für uns Menschen der wichtigste Sinn. Gerade deshalb ist es auch so entscheidend, in allen vier Prozessstufen möglichst viel (alles!) zu skizzieren. Die Grundlage dafür ist, dass Sie Ihre Wahrnehmung schulen und schärfen, dass Sie lernen, genau hinzuschauen und auf die Details zu achten.
Hinweis
Das lässt sich leicht trainieren: Schauen Sie sich Fotos an. Was fällt Ihnen alles auf? Notieren Sie so viele Details wie möglich. Vergleichen Sie, was ein anderer Mensch auf demselben Foto alles wahrnimmt.
Auf die richtigen Fragen kommt es an
Im Verlauf dieses visuellen Denkprozesses kommt es darauf an, die richtigen Fragen zu stellen. Denn sie helfen, ein komplexes Problem in einzelne Teile zu zerlegen. Gerade beim ersten Schritt, dem Sehen, fällt es uns manchmal schwer zu erkennen, worum es eigentlich geht. Deshalb müssen Sie sich im zweiten Schritt das Problem genauer anschauen und betrachten. Dabei müssen folgende Fragen beantwortet werden:
- Wer und was ist zu sehen?
- Wie viel ist zu sehen?
- Wo spielt es sich ab?
- Wann tritt es in Erscheinung und für wie lange?
- Wie funktioniert es?
- Warum ist es so, wie wir es sehen?
Diese sechs einfachen Fragen sind nach Dan Roam die mächtigen Werkzeuge zur Problemlösung. Voraussetzung ist, dass wir sie mit dem Visualisieren und Skizzieren einsetzen.
Zunächst klären wir mit der ersten Frage, was das Thema ist und wer dabei alles betroffen oder beteiligt ist. Wir klären, was diese Personen für eine Rolle spielen. Und ganz wichtig: Wir grenzen das Problem ein, indem wir alle Sachverhalte und Dinge, die eine wichtige Rolle spielen, aufnehmen und alles andere ausgrenzen, wenn sich später nicht doch zeigen sollte, dass es wichtig ist.
Dann betrachten wir die Zahlen und Daten. Wir machen uns ein Bild davon, um wie viele Elemente (zum Beispiel verkaufte Produkte, Umsätze, betroffene Mitarbeiter, Kunden, Maschinen, fehlerhafte Teile oder Dokumente) es sich handelt. Das lässt sich meist sehr gut in Balken- oder Tortendiagrammen darstellen.
Die nächsten Fragen zielen auf Zeit und Ort. Was zu erkennen ist, wird in eine zeitliche Reihenfolge gebracht. Was war zuerst? Was kommt danach? Wie viel Zeit vergeht? Wo passiert etwas? Welche Abstände bestehen? Hat alles seinen richtigen Platz? Oder ist es verschoben, verändert, vertauscht? Welche Richtung hat es eingeschlagen oder sollte es einschlagen? Mit diesen Fragen kann auch geklärt werden, welche Termine wichtig sind und was Priorität hat.
Wenn sichtbar wird, wie einzelne Elemente zusammengehören, lassen sich die Fragen zur Funktionsweise klären. Was passiert, wenn etwas Bestimmtes geändert wird? Wie reagieren die Menschen? Wie funktioniert die Maschine? Wie will es der Kunde? Diese Fragen gehen ins Detail.
Im Gegensatz dazu ist die Frage nach dem „Warum“ übergreifend. Sie nimmt das Ganze in den Blick. Warum geschieht etwas? Warum ist das wichtig? Hier wird nach Zielen und nach der Bedeutung gefragt. So lassen sich Sachverhalte besser beurteilen und bewerten. Es können Empfehlungen abgegeben werden.
Wie alle diese Fragen zusammenspielen, erklärt Dan Roam in diesem Video:
- Besprechung
- Entscheidungsfindung
- Fragetechnik
- Ideenmanagement
- Kommunikationskompetenz
- Kommunikationsmanagement
- Konfliktmanagement
- Kreativität
- Mitarbeitergespräch
- Rede halten
- Rhetorik
- Schlüsselqualifikation
- Selbstmanagement
- Selbstmarketing
- Teamarbeit
- Telefonieren
- Verhandlungstechnik
- Vortrag
- Weiterbildung
- Zusammenarbeit