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Age-ManagementMit maßgeschneiderten Arbeitszeitmodellen die Arbeitfähigkeit älterer Mitarbeiter erhalten

Angesichts des demografischen Wandels müssen sich Unternehmen auf älter werdende Belegschaften einstellen. Wie sie das tun können, hat eine aktuelle Studie herausgefunden.
erschienen: 24.09.2009

Teilzeitarbeit, Kurzpausen, alternsgerechte Schichtpläne und Langzeitkonten gehören zu den Instrumenten, mit denen sich die Forschergruppe um Professor Peter Knauth am Institut für Industriebetriebslehre und Industrielle Produktion (IIP) des Karlsruher Instituts für Technologie (KIT) im Rahmen des Projekts KRONOS befasst hat.

Die KIT-Wissenschaftler evaluierten alternsgerechte Arbeitszeitmodelle in fünf Unternehmen aus den Branchen Automobil-, Stahl-, Chemie- und Pharmaindustrie. Dabei ergab sich, dass der Erfolg solcher Modelle wesentlich von einigen grundsätzlichen Faktoren abhängt:

  • Berücksichtigung arbeitswissenschaftlicher Empfehlungen;
  • Möglichkeit für die Mitarbeiter, die Gestaltung ihrer Arbeitszeit zu beeinflussen;
  • günstige Rahmenbedingungen sowie
  • die Einbettung der Maßnahmen in eine betriebliche Gesamtstrategie in Bezug auf den demografischen Wandel.

Im Einzelnen ergeben sich aus KRONOS folgende Empfehlungen: Eine generelle Verkürzung der täglichen Arbeitszeit für alle älteren Arbeitnehmer ist nicht sinnvoll, da deren Gesundheit und Arbeitsfähigkeit individuell stark verschieden sind.

Wohl aber sollten Ältere mehr Pausen machen. Schichtpläne mit schneller Vorwärtsrotation (beginnend mit der Frühschicht, auf die dann Spät- und Nachtschicht folgen), wirken sich günstiger auf die Arbeitsfähigkeit aus als die traditionellen, wöchentlich und rückwärts rotierenden Schichtpläne. Es ist sinnvoll, die Anzahl der Nachtschichten pro Person und Jahr zu verringern. Wie die Studie zeigt, lässt sich die Nachtschichtbesetzung auch bei teilautomatisierten Prozessen ausdünnen, wenn Tätigkeiten aus der Nacht in Früh- und Spätschichten verschoben werden. Die Frühschicht sollte nicht vor 6 Uhr beginnen.

KRONOS legt auch eine größere Verbreitung von Wahlarbeitszeitmodellen nahe, bei denen Arbeitnehmer im Laufe ihres Berufslebens zwischen verschiedenen Wochen- oder Jahresarbeitszeiten wechseln können. So genannte Langzeitkonten sollten nicht nur Altersteilzeit ermöglichen. Vielmehr sollten sich die Guthaben je nach individuellen Bedürfnissen aufbauen und verwenden lassen. Denkbar sind beispielsweise mehrwöchige oder mehrmonatige Auszeiten im Lauf des Arbeitslebens, etwa aus familiären Gründen, wie KRONOS Projektleiter Knauth erklärt:

"Solche maßgeschneiderten Modelle erhöhen auch die Attraktivität eines Unternehmens als Arbeitgeber und verschaffen ihm damit einen Vorsprung im Wettbewerb um die infolge des demografischen Wandels knapper werdenden Fachkräfte."

Zur Studie

Bei der inzwischen abgeschlossenen Studie über "Lebensarbeitszeitmodelle - Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter" handelt es sich um ein Teilprojekt des von der Deutschen Forschungsgemeinschaft (DFG) geförderten Schwerpunktprogramms "Altersdifferenzierte Arbeitssysteme". Der KRONOS Abschlussbericht ist soeben im Universitätsverlag Karlsruhe erschienen:

Peter Knauth, Dorothee Karl, Kathrin Elmerich: Lebensarbeitszeitmodelle: Chancen und Risiken für das Unternehmen und die Mitarbeiter

[po; Quelle: Karlsruher Institut für Technologie; Bild: amridesign - Fotolia.com]

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