ArbeitsunfähigkeitWas tun bei Krankheit im Urlaub?

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Wer im Urlaub krank und arbeitsunfähig wird, muss dies dem Arbeitgeber anzeigen und nachweisen. Besonderheiten gelten bei Arztbescheinigungen aus dem Ausland.
erschienen: 08.08.2014

Werden Mitarbeiter während ihres Urlaubs krank, ist das für die Personalabteilung eines Unternehmens mit viel Arbeit verbunden: Was ist beispielsweise zu tun, wenn der Mitarbeiter verspätet aus dem Urlaub zurückkehrt, Krankmeldungen nachträglich angefordert werden müssen oder sonstige Ansprüche Entscheidungen erforderlich machen?

StichwortUrlaub

Urlaub bedeutet rechtlich die Freistellung von der Erbringung der Arbeitsleistung unter Fortzahlung des Lohns zum Zweck der Erholung. Einzelheiten dazu regelt das Bundesurlaubsgesetz (BUrlG).

Was gilt, wenn ein Mitarbeiter sich im Urlaub aber nicht erholen kann, weil er während dieser Zeit krank geworden ist? Was sollten Arbeitgeber und Arbeitnehmer in diesem Fall wissen und beachten?

Arbeitnehmer dürfen Urlaub nicht eigenmächtig verlängern

Was viele Betroffene nicht wissen: Bei Erkrankungen während des Urlaubs werden die Zeiten der Arbeitsunfähigkeit nicht auf den Jahresurlaub angerechnet. Grund: Die Erfüllung des Urlaubsanspruchs vom Zeitpunkt der Erkrankung an ist unmöglich. Jedoch verlängert sich der Erholungsurlaub nicht automatisch um die durch Krankheit ausgefallenen Tage. Zudem ist der Arbeitnehmer auch nicht berechtigt, den Urlaub eigenmächtig zu verlängern.

Außerdem führt nicht jede Erkrankung im Urlaub zur Anwendung der genannten gesetzlichen Regelungen. Es muss sich vielmehr um eine Erkrankung handeln, die zur Arbeitsunfähigkeit geführt hat und die Erfüllung des Urlaubsanspruchs während dieser Zeit unmöglich macht.

Pflicht zur Wiederaufnahme der Arbeit

Neben einer krankheitsbedingten Arbeitsunfähigkeit kann der Urlaub auch bei einem gesetzlichen Beschäftigungsverbot (zum Beispiel nach dem Mutterschutzgesetz), bei Durchführung einer Rehabilitationsmaßnahme oder bei Kurzarbeit nicht geltend gemacht werden. Aber auch dann hat der Arbeitnehmer keinen Anspruch auf die sofortige Fortsetzung des Urlaubs im Anschluss. Gibt es also keine anderslautende Absprache mit dem Arbeitgeber, muss der Arbeitnehmer nach der Wiedergenesung zunächst die Arbeit wieder aufnehmen. Anderenfalls riskiert er eine außerordentliche fristlose Kündigung.

Zustehenden Urlaub noch nachträglich gewähren

Die nicht als Urlaubstage anzurechnenden Krankheitszeiten sind keineswegs verfallen. Das bedeutet: Arbeitgeber müssen die dem Arbeitnehmer noch zustehenden Urlaubstage nachträglich gewähren, wenn dieser seine Arbeitspflicht wieder erfüllen kann – sofern der Urlaubsanspruch noch nicht erloschen ist. Denn: Die Nachgewährung kann nur bis zum Ablauf des Urlaubsjahres beziehungsweise Übertragungszeitraums (31.3. des Folgejahres) erfolgen.

Erkrankt der Arbeitnehmer aber vor Urlaubsantritt und dauert die Erkrankung über den gesamten vorgesehenen Urlaubszeitraum an, muss er den Urlaub neu beantragen. Den Antrag muss der Arbeitgeber genehmigen, sobald der Arbeitnehmer seine Arbeitspflicht wieder erfüllen kann. Eine Nachgewährung kommt aber beispielsweise nicht in Betracht, wenn lediglich der Ehepartner oder ein Kind während des Urlaubs erkrankt und die Pflege durch die Eltern beziehungsweise des Arbeitnehmers notwendig ist.

Nachweispflichten bei Auslandsaufenthalten

Den Arbeitnehmer treffen auch bei einer Arbeitsunfähigkeit während des Urlaubs die gesetzlichen Anzeige- und Nachweispflichten, da bei Erkrankungen im In- und Ausland ein Anspruch auf Entgeltfortzahlung besteht. Bei einem Auslandsaufenthalt muss der Arbeitnehmer dem Arbeitgeber daher die Arbeitsunfähigkeit an sich, deren voraussichtliche Dauer und die Adresse am Aufenthaltsort anzeigen. Gefordert ist die unverzügliche mündliche, telefonische oder telegrafische Mitteilung, oder eine Mitteilung per Fax, SMS oder E-Mail.

Arbeitsunfähigkeit unverzüglich dem Arbeitgeber übermitteln

Die Mitteilung kann auch durch Angehörige oder Begleitpersonen, mit denen der Arbeitnehmer seinen Urlaub verbringt, erfolgen. Grundsätzlich müssen Arbeitnehmer für die Übermittlung den schnellstmöglichen Weg wählen, also am besten telefonisch, per E-Mail oder Fax. Immer gilt: Kehrt ein arbeitsunfähig erkrankter Arbeitnehmer aus dem Ausland zurück, ist er verpflichtet, dem Arbeitgeber und der Krankenkasse seine Rückkehr unverzüglich anzuzeigen.

Des Weiteren ist der Arbeitnehmer verpflichtet, seine Arbeitsunfähigkeit durch ärztliches Zeugnis (Arbeitsunfähigkeitsbescheinigung) nachzuweisen. Das Gesetz sieht keine Frist für die Einreichung bei Arbeitsunfähigkeit im Urlaub vor, so dass diese auch nachträglich erfolgen kann, jedoch unverzüglich nach Urlaubsende erfolgen muss.

Besonderheiten bei Arztbescheinigungen aus dem Ausland

Arbeitnehmer, die im Auslandsurlaub erkranken, müssen immer ein ärztliches Attest vorlegen. Grundsätzlich kommt Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen, die von einem ausländischen Arzt ausgestellt sind, der gleiche Beweiswert wie inländischen Bescheinigungen zu. Den Beweiswert kann der Arbeitgeber gegebenenfalls nur durch Darlegung und Nachweis von ernsthaften Zweifeln erschüttern.

So reicht es bei Arbeitsunfähigkeitsbescheinigungen von niedergelassenen Ärzten innerhalb der EU nicht aus, wenn die Richtigkeit der Bescheinigung einfach nur gewisse Umstände erschüttert. Vielmehr muss der Arbeitgeber das Gegenteil beweisen, nämlich dass der Arbeitnehmer betrügerisch oder rechtsmissbräuchlich handelte. Dennoch: Das Bundesarbeitsgericht verlangt bei einem ärztlichen Zeugnis aus einem EU-Mitgliedstaat keine „jeden Zweifel ausschließende Gewissheit an der nicht gegebenen Arbeitsunfähigkeit des Arbeitnehmers“.

Problem des Beweiswerts ärztlicher Bescheinigungen

In einschlägigen Problemfällen kommt es auf die persönliche Überzeugung des Richters an. Dabei kann die Weigerung des Arbeitnehmers, seine Ärzte von der Schweigepflicht zu entbinden, als Beweisvereitelung angesehen werden. Folgende Fallgestaltungen können den Beweiswert ärztlicher Bescheinigungen erschüttern:

  • Wiederholte Erkrankung von ausländischen Arbeitnehmern jeweils im Anschluss an den Urlaub im Heimatland
  • Umbuchung eines Rückflugs vor Krankschreibung auf den Tag des Endes der Krankschreibung
  • Wiederholte gemeinsame oder gleichzeitige Erkrankungen von Ehegatten nach Urlaubsende
  • Durchführung von beschwerlichen Reisen während der Arbeitsunfähigkeit

Bei ärztlichen Bescheinigungen aus Ländern, mit denen lediglich Sozialversicherungsabkommen bestehen, gilt wie im Inland der allgemeine Beweiswert. Kann der Bescheinigung nicht entnommen werden, dass der Arzt zwischen Krankheit und Arbeitsunfähigkeit differenziert hat, ist dieser Beweiswert gering.

[Redaktion in Zusammenarbeit mit W&W Publishers, Hanau]

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Über den Autor
Hendrik Bourguignon

Hendrik Bourguignon ist Rechtsanwalt und Fachanwalt für Arbeitsrecht. Er ist Partner in der auf Arbeitsrecht spezialisierten Kanzlei ebl factum rechtsanwälte. Hendrik Bourguignon vertritt und berät Führungskräfte und Unternehmen in allen Fragen des Individual- und Kollektivarbeitsrechts. Daneben ist er ausgebildeter Wirtschaftsmediator (IHK) und Mitgründer der Frankfurter Mediationszentrale, einem Netzwerk von Wirtschaftsmediatoren im Rhein-Main Gebiet.

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