AuditSo prüfen Sie die Einhaltung sozialer Standards bei Lieferanten

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Gerade namhafte Unternehmen müssen soziale Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen. Damit Standards eingehalten werden, braucht es regelmäßige Kontrollen und Befragungen.
erschienen: 22.08.2016
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Soziale Standards bei Lieferanten sind elementar. Zwar wird die Welt globaler, aber dennoch sind nicht in allen Ländern identische soziale Rahmenbedingungen gleichmäßig verankert. Gerade namhafte Unternehmen müssen soziale Verantwortung für ihre Lieferkette übernehmen.

Was Unternehmen an sozialen Standards prüfen können

Zahlreiche Firmen haben fixe Sozial- und Umweltstandards für ihre Lieferanten als festen Bestandteil der Unternehmensleistungskette eingefordert. Hierbei geht es darum, dass das Waren beziehende Unternehmen neben der Qualität und Nachhaltigkeit auch die folgenden sozialen Verantwortungsbausteine eingehalten und überprüft wissen möchte:

  • Stetige Verbesserung von Sozialstandards
  • Gesetzeskonforme Arbeitsweisen und allgemeine Mindeststandards
  • Strikte Einhaltung des Verbots von Kinderarbeit und sonstiger Zwangsarbeit
  • Faire Einstellungsbedingungen (Beispiele: keine Diskriminierung, nachvollziehbare faire Entlohnung nach Landeskriterien, Mindestmaß an Kündigungsschutzrechten)
  • Recht auf eine generelle Versammlungsfreiheit und Organisationsbildung zur Wahrung kollektiver Arbeitsrechte
  • Keine Ausbeutung von Menschen, primär auch menschenfreundliche Arbeitszeiten
  • Sicherheitsbedingungen am Arbeitsplatz
  • Mindestmaß an hygienischen Einrichtungen innerhalb der Fertigungsstätten
  • Gewährleistung von Gesundheit am Arbeitsplatz
  • Einhaltung der generellen Mindestanforderungen in Sicherheits- und Umweltfragen (Beispiele: kein Raubbau, keine inakzeptable Umweltverschmutzung, Flucht- und Rettungspläne mit entsprechenden Fluchtmöglichkeiten in Brandfällen)
  • Managementsysteme auf Basis der Richtlinien und Anforderungen der Business Social Compliance Initiative (BSCI)

Beispiele von Managementsystemen in diesem Kontext sind:

  • Umweltstandard: ISO 14001 und EMAS
  • Sozialstandard: SA 8000
  • Qualitätsstandard: ISO 9000
  • Nachhaltigkeitslinie: ISO 26000

Fragen zu Beginn einer Lieferantenauswahl

Zu Beginn einer partnerschaftlichen Zusammenarbeit mit einem Lieferanten drängen sich, bezogen auf nötige Anforderungen von Umweltaspekten, vier wichtige Einstiegsfragen im Einkauf (Bereich Lieferantenaufbau und Lieferantenentwicklung) auf:

  • Verfügt der Lieferant über eine Nachhaltigkeitsstrategie?
  • Verfügt er über eine Umweltstrategie?
  • Ist er nach ISO 14001 zertifiziert?
  • Bindet der Lieferant uns als Kunden auch in die Prozesse ein und gewährt er dahingehend stetige und bestmögliche Transparenz?

Um mit diesen Standards Dinge wie Umweltzerstörung, Lohndumping, Raubbau oder Menschenrechtsverletzungen ausschließen zukönnen, sollten Unternehmen bei der Auswahl der Lieferanten genau hinsehen.

Mit folgenden Maßnahmen lassen sich Lieferanten hinsichtlich sozialer Standards überprüfen:

Temporäre eigene Begehung und Befragung

Im nachgelagerten Schritt der bereits laufenden Zusammenarbeit bedarf es nicht nur eines Vertrages, sondern auch einer regelmäßigen Kontrolle von Prozessen vor Ort beziehungsweise beim Lieferantenpartner. Die typischen Schritte eines hausinternen Auditors sind dabei:

  • Abarbeiten einer Checkliste
  • Befragung von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vor Ort
  • Prüfung der Rahmenbedingungen im Detail
  • Erstellung eines Abweichungs- und Auditberichts
  • Anschließende Nachhaltung, dass der Maßnahmenbericht aktiv und nachhaltig umgesetzt wurde

Temporäre externe Durchführung der Begehung und Befragung

Alternativ zum eigenen firmeninternen Auditor kann auch ein vertrauenswürdiger landesansässiger Auditor gewählt werden, der diesen Arbeitsschritt aufgrund der landesspezifischen kulturellen und geographischen Nähe noch besser durchführen kann.

Stetiger Dialog aus der Ferne

Viele Unternehmen lassen sich regelmäßig Checklisten aus dem Herstellerbetrieb zusenden, die die Kontrolle der stetigen Rahmenbedingungen (zum Beispiel monatlich) Abweichungen aufzeigen und explizit nennen. Über die Glaubwürdigkeit dieser Unterlagen lässt sich allerdings nur schwer etwas sagen, wenn die Daten direkt vom Lieferanten eingetragen und übermittelt werden.

Dauerhafte eigene Kontrollen, Begehung und Befragung

Besitzt ein Lieferantenpartner eine gewisse Unternehmensgröße beziehungsweise sind die entsprechenden georderten Produktionsmengen groß oder von hoher unternehmensbezogener strategischer Bedeutung, kann auch darüber nachgedacht werden, einen Mitarbeiter aus den eigenen Reihen permanent vor Ort beim Lieferanten zu platzieren. Dieser übernimmt dann in der Regel neben einer fortlaufenden Überwachung der Produktionsqualität auch die Überprüfung der Einhaltung aller vereinbarten Sozialbedingungen im Fertigungswerk.

Diese Option kann auch alternativ durch einen externen Mitarbeiter dauerhaft durchgeführt werden. Dabei sollte aber darauf geachtet werden, dass diese Person neutral, überdurchschnittlich gewissenhaft und uneingeschränkt vertrauenswürdig ist.

Fazit

Ohne eine stetige Kontrolle ist die dauerhafte Einhaltung von gesetzten Sozialstandards bei Lieferanten nur sehr schwer möglich. Es bedarf einer gezielten Planung, einer einheitlichen Strategie und einem kooperativen verbindlichen Dialog innerhalb der kompletten Lieferkette.

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Über den Autor
Christian Flick

Christian Flick (MBA) verfügt über breite Berufserfahrung im Industrieeinkauf bei renommierten Unternehmen. Diese erstreckt sich vom operativen, strategischen und technischen Einkauf über den Projekteinkauf bis hin zur unternehmensbezogenen Industrie-Einkaufsberatung. Im Laufe seiner Tätigkeit entstanden zahlreiche Best-Practice-Ratgeber und praxisnahe Fachbücher.

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