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AufgabenverteilungUnternehmer sollten sich um Unternehmeraufgaben kümmern

Häufig kümmern sich Unternehmer zu wenig um ihr Unternehmen und die Unternehmeraufgaben. Sie sind stattdessen eher Ausführende und Manager. Wie Sie als Unternehmer Ihre eigentlichen Aufgaben erledigen, erfahren Sie in diesem Beitrag.
erschienen: 19.10.2009

Welche Aufgaben gibt es überhaupt in jedem Unternehmen und wie unterscheiden sich diese:

  • Es gibt die Fachaufgaben, also die Tätigkeiten, die zur Erstellung und Vermarktung der Unternehmensleistung notwendig sind. Dazu gehören im Falle eines Dienstleisters die Erbringung der eigentlichen Dienstleistung, aber auch vorbereitende oder begleitende Aufgaben, beispielsweise die Marketing- oder Vertriebsaktivitäten. Mengenmäßig überwiegen diese Aufgaben im Unternehmen.
  • Dann gibt es die Manageraufgaben, also die Tätigkeiten, die anfallen, um das Unternehmen und seine Abläufe so zu organisieren, dass die Fachaufgaben optimal erbracht werden können.

Für den langfristigen Unternehmenserfolg letztendlich am wichtigsten sind die Unternehmeraufgaben. Das sind alle die Aufgaben, die damit zusammenhängen, das Unternehmen zu gestalten, weiterzuentwickeln und visionär in eine erfolgreiche Zukunft zu führen.

Das sind die Unternehmeraufgaben

Schauen wir uns nun diese Unternehmeraufgaben genauer an: Zu den Aufgaben des Unternehmers gehört es, eine solide und Erfolg versprechende strategische Basis für das Unternehmen zu entwickeln und dafür zu sorgen, dass diese Strategie im Unternehmen umgesetzt wird. Es sollten die Vision (das Ziel, zu dem das Unternehmen langfristig hin möchte), die Mission (die Aufgabe, die das Unternehmen im Gesamtsystem wahrnehmen soll) und das Leitbild (die Regeln, nach denen sich das Unternehmen gegenüber Mitarbeitern, Kunden, Lieferanten usw. verhalten will) definiert und verbindlich festgeschrieben werden.

Auf dieser strategischen Basis sind dann konkrete Ziele abzuleiten und es ist zu planen, wie das Unternehmen seine Ziele verfolgen wird. Zur Planung gehören natürlich auch die Kontrolle, inwieweit das Unternehmen seine Ziele tatsächlich erreicht, und Kurskorrekturen, sofern erforderlich.

Eine wesentliche Verpflichtung für jeden Unternehmer ist die kontinuierliche Beobachtung von Trends und Entwicklungen, die Analyse des Marktes und die Reaktion auf (künftige) Veränderungen, die für den Erfolg des Unternehmens wichtig sein werden.

Zu den Aufgaben des Unternehmers gehören auch die Auswahl qualifizierter Mitarbeiter, die zum Unternehmen passen, deren Führung und Entwicklung sowie die Prüfung und Optimierung der Strukturen und Abläufe im Unternehmen.

Eine sehr wichtige Aufgabe, die vielen Unternehmern erst spät bewusst wird, ist die Vorbereitung und Regelung der eigenen Nachfolge.

Jeder Unternehmer sollte sich frühzeitig darüber klar werden, wer sein Unternehmen später einmal übernehmen soll und welche Bedürfnisse dieser Nachfolger wohl haben wird. Je früher der Unternehmer sich an den Wünschen seines (potenziellen) Nachfolgers orientiert und je stärker er das Unternehmen operativ von der eigenen Person unabhängig macht, desto wertvoller wird sein Unternehmen letztendlich sein, ergo je höher wird sein Erlös für das Unternehmen ausfallen.

Den Unterschied zwischen Unternehmer-, Manager- und Fachaufgaben macht man sich am besten so klar:

  • Manager und Fachleute arbeiten im und für das Unternehmen, sie sorgen dafür, dass die unternehmerische Leistung erfolgreich erbracht wird und in den Markt kommt.

  • Unternehmer arbeiten am Unternehmen, sie konzipieren das Unternehmen, entwickeln es und führen es erfolgreich in die Zukunft.

Im Idealfall gibt es im Unternehmen also den Unternehmer, der sich um die Unternehmeraufgaben kümmert, den Manager, der für Abläufe und Prozesse sorgt und die Fachleute, die die eigentliche Unternehmensleistung sowie alle damit zusammenhängenden Aktivitäten erbringen.

Die Verteilung dieser Aufgaben auf Personen mit unterschiedlichen Kompetenzen und Stärken ist grundsätzlich sehr sinnvoll: Während der Unternehmer ein kreativer Visionär sein sollte, der sich vorrangig damit befasst, sein Unternehmen erfolgreich in die Zukunft zu steuern, hat der Manager primär strukturierende und ordnende Funktionen. Die Fachleute – jeweils kompetente Spezialisten in ihrem Gebiet – sind bestrebt, auf Basis ihrer Kenntnisse und Erfahrungen, das eigene Fachgebiet immer weiter zu perfektionieren. Im Modell stellt sich das folgendermaßen dar:

Die Wirklichkeit ist meist ganz anders

Soweit das Prinzip, das sich bei kleineren Unternehmen in der Realität allerdings selten so finden lässt: Fast immer vereint der Unternehmer als Generalist alle drei Fähigkeiten ganz oder zumindest in Teilen in seiner Person.

Viele Unternehmer gerade mit kleineren Unternehmen müssen sich auf die Fachaufgaben - hier insbesondere auf die eigentliche Leistungserbringung - konzentrieren, denn schließlich führen nur diese zu Erträgen. (Scheinbar) weniger wichtige oder ungeliebte Fachaufgaben werden dann oft nur im unvermeidbaren Umfang ausgeführt. Das gilt nicht selten auch für die Aufgaben, die für das kurz- und mittelfristige Wachstum besonders wichtig sind beispielsweise Akquisition oder Vertrieb. Während Managementaufgaben meist hinreichend erledigt werden, kommen gerade die für den langfristigen Erfolg so wichtigen Unternehmeraufgaben fast immer zu kurz.

Das sollten Sie als Unternehmer beachten

Sie erreichen mit Ihrem Unternehmen bessere Ergebnisse, wenn Sie sich an den folgenden Prinzipien orientieren:

1. Setzen Sie auf eine Erfolg versprechende langfristige Strategie und auf ambitionierte Ziele.

  • Prüfen Sie, ob Sie mit Ihrem Unternehmen strategisch auf dem richtigen Weg sind. Wenn Sie nicht zufrieden sind mit Ihren Erfolgen, kann es erforderlich sein, Ihren Weg zu modifizieren, damit Ihr Unternehmen künftig bessere Ergebnisse erzielt. Nutzen Sie bewährte strategische Methoden, ich empfehle hier unter anderem die Engpasskonzentrierte Strategie (EKS).
  • Legen Sie stets schriftlich nieder, was Sie mit Ihrem Unternehmen erreichen wollen. Beschreiben Sie Ihre unternehmerische Vision, die Mission und das Leitbild.
  • Entwickeln Sie Ihre unternehmerischen Lang-, Mittel- und Kurzfristziele. Seien Sie dabei mutig und trauen Sie sich und Ihrem Unternehmen etwas zu. Entwickeln Sie eine Planung, wie Sie diese Ziele erreichen und was Sie dafür alles tun werden. Sorgen Sie für ein gut funktionierendes Kontrollsystem.
  • Informieren Sie Ihre Mitarbeiter über die Strategie, die Ziele und den geplanten Weg. Dabei sollten Sie diese Informationen so vermitteln, dass Ihre Mitarbeiter sie auf sich, ihren Verantwortungsbereich und ihre Tätigkeit beziehen können.

2. Sorgen Sie dafür, dass erfolgsrelevante Fachaufgaben auch tatsächlich erledigt werden.

  • Prüfen Sie, ob aktuell alle Fachaufgaben in der Intensität und Qualität erledigt werden, wie es für die Erreichung Ihrer unternehmerischen Ziele und für die Sicherheit Ihres Unternehmens notwendig ist.
  • Sie werden vielleicht feststellen, dass auf manche Fachaufgaben zu wenig Augenmerk gelegt wird. Grundsätzlich kommen dafür drei Ursachen infrage:
  1. Sie haben zu wenig personelle/zeitliche Ressourcen.
  2. Es fehlt im Unternehmen an Know-how und Kompetenz.
  3. Die Aufgaben sind unbeliebt und werden deshalb vernachlässigt.
  • Stellen Sie diese Defizite ab, sie gefährden Ihr Unternehmen! Sorgen Sie für zusätzliche Ressourcen oder verlagern Sie Aufgaben an Externe. Schaffen Sie das notwendige Know-how im Unternehmen. Prüfen Sie, ob sich die negative Einstellung zu manchen Aufgaben ändern lässt, oder geben Sie diese Aufgaben an jemanden, der genau dort seine Stärke hat.

3.  Nutzen Sie als Unternehmer Ihre Arbeitszeit effizient.

  • Vielen Unternehmern mangelt es (scheinbar) an Zeit für das Wesentliche, weil sie die Arbeitszeit nicht sinnvoll und effizient nutzen. Weisen Sie „Zeitdiebe“ wie E-Mail und das Telefon in sinnvolle Schranken und bündeln Sie solche Aktivitäten.
  • Planen Sie Ihren Arbeitstag, legen Sie dabei Ihre Prioritäten auf erfolgsrelevante Aufgaben. Unterlassen Sie Unwichtiges, also das, was Sie bei der Erreichung Ihrer Ziele nicht weiterbringt.
  • Schaffen Sie effiziente organisatorische Strukturen, standardisieren Sie Abläufe. Vermeiden Sie unnötiges Suchen, Doppelarbeiten sowie zeitraubende und teure Fehler. Trennen Sie sich von unwichtigem Ballast.

4. Wenden Sie genügend Energie und Zeit für Ihre Unternehmeraufgaben auf.

  • Gestalten Sie Ihr Unternehmen und steuern es aktiv und zielgerichtet in die Zukunft.
  • Kümmern Sie sich um die Vision, Mission und das Leitbild Ihres Unternehmens. Arbeiten Sie regelmäßig an Ihrem Unternehmen, gestalten Sie es und initiieren Sie die erfolgreiche Umsetzung. Dazu gehören - wie beschrieben - die Ziele, eine umfassende Planung sowie die regelmäßige Kontrolle der Zielerreichung.
  • Suchen Sie die besten Mitarbeiter für die verschiedenen Positionen im Unternehmen, fördern und coachen Sie diese.
  • Richten Sie Ihr Unternehmen rechtzeitig an den Bedürfnissen Ihres (potenziellen) Nachfolgers aus, nur so wird es für diesen wirklich attraktiv und damit wertvoll.

Ein Tipp zum Schluss

Gerade, wenn Sie als Unternehmer intensiv operativ im Unternehmen tätig sind, ist das Risiko besonders groß, in eine „Falle“ zu geraten:

Als Unternehmer gilt es, kreativ und mit viel Fantasie immer wieder an der Zukunft des eigenen Unternehmens zu arbeiten, ambitionierte Visionen zu entwickeln, ohne sich von der augenblicklichen Realität zu sehr eingrenzen zu lassen.

Solange Ihr Tätigkeitsfokus auf operative Aufgaben gerichtet ist, bleibt Ihr gedanklicher Schwerpunkt in der Gegenwart mit allen ihren Beschränkungen und Limitierungen. Dann ist jedoch die Wahrscheinlichkeit groß, dass Sie die wirklich innovativen Lösungen nicht finden oder gleich als unrealistisch verwerfen werden.

Dieser Herausforderung können Sie begegnen – und zwar mit einer Technik, die auf den Unternehmer Walt Disney zurückgeht. Dieser hatte verschiedene Räume, in denen er sich aufhielt – je nachdem, welche Funktion er gerade ausübte.

Die Empfehlung: Schaffen Sie sich einen eigenen Platz oder Raum, den Sie ausschließlich dann nutzen, wenn Sie sich auf Ihre Unternehmeraufgaben konzentrieren, über die Zukunft und Visionen nachdenken, planen und ihr Unternehmen entwickeln. (Für Ihre Tätigkeiten als Fachmann und als Manager nutzen Sie weiterhin Ihren üblichen Arbeitsplatz.) Sie werden sehen, es gelingt Ihnen mit der Zeit immer besser, als zukunftsorientierter und visionärer Unternehmer zu denken und zu agieren, wenn Sie Ihren „Unternehmerplatz“ einnehmen.

[Bild: Klaus Eppele - Fotolia.com]

Über den Autor
Jörg Mann

Jörg Mann unterstützt Unternehmen und Mitarbeiter bei der Bewältigung unternehmerischer und persönlicher Herausforderungen und Krisen. Als Berater, Marketing- und Kommunikationsspezialist mit langjähriger unternehmerischer Erfahrung unterstützt er Unternehmen unterschiedlichster Branchen und Größen.

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