AusgebranntHabe ich Burnout?

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Sie fühlen sich müde und erschöpft? Die Arbeit wächst Ihnen über den Kopf? Sie haben keine Energie? Das können Anzeichen für Burnout sein.
erschienen: 24.11.2014
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Burnout ist ein schleichender Prozess, der sich über Monate und Jahre hinziehen kann. Als Ursachen werden oft chronische Überlastung, Stress und Frust im Beruf genannt. Die Ursachen können aber auch außerhalb der Arbeit liegen. Burnout zeigt sich durch nachlassende Leistungsfähigkeit, anhaltende Müdigkeit und Erschöpfung. Hobbys und soziale Kontakte werden vernachlässigt. Es kommt zu starken Persönlichkeitsveränderungen.

Der Verlauf lässt sich in vier Phasen unterteilen. In der ersten wird die Arbeit immer wichtiger. Sie beansprucht mehr Zeit und Energie. In der zweiten Phase verändert sich das Wertesystem der Betroffenen. Der Betroffene misst der Arbeit eine höhere Bedeutung zu. In der dritten Phase vernachlässigt der Betroffene seine physische Gesundheit und vermeidet Sozialkontakte. Zum Ausgebranntsein kommt es schließlich in Phase vier. Die völlige Erschöpfung zeigt sich in Antriebslosigkeit, Mutlosigkeit und dem Gefühl der Sinnlosigkeit. Die Symptome sind oft ähnlich einer depressiven Erkrankung.

StichwortBurnout-Syndrom

Burnout (engl.: to burn out – ausbrennen) ist ein chronischer Prozess des Erschöpfens der eigenen körperlichen und seelischen Reserven. Dieser Prozess wird von Betroffenen unterschiedlich erlebt, läuft jedoch immer auf einen Zusammenbruch hinaus, falls er nicht gestoppt wird. Burnout gilt nicht als Krankheit. Die Weltgesundheitsorganisation (WHO) klassifiziert Burnout als „Probleme mit Bezug auf Schwierigkeiten bei der Lebensbewältigung“.

Phase 1: Arbeit wird immer wichtiger

Zu Beginn eines Burnout-Prozesses bekommt der Betroffene zunehmend das Gefühl, sein Arbeitspensum in der vorgegebenen Zeit nicht erledigen zu können. Deshalb investiert er immer mehr Energie und Zeit in seine Arbeit. Diese Zeit fehlt dann zur befriedigenden Gestaltung der Freizeit, sei es Sport, Erholung oder die Pflege sozialer Kontakte. 

Trifft das auf Sie zu?

Wächst Ihnen die Arbeit über den Kopf? Haben Sie das Gefühl, Ihre Aufgaben in der vorgegeben Zeit unmöglich schaffen zu können? Müssen Sie sich mehr Zeit nehmen und sich voll und ganz konzentrieren, um Ihre Arbeit zu schaffen? Haben Sie für Sport, Erholung und ausgedehnte Freizeitaktivitäten nicht ausreichend Zeit? Möchten Ihre Freunde und Verwandte mehr Zeit mit Ihnen verbringen und Sie haben diese Zeit einfach nicht?

Hin und wieder gibt es Situationen, in denen die Arbeit einen sehr wichtigen Teil des Lebens einnimmt. Nach einer Beförderung beispielsweise oder wenn man den Schritt in die Selbstständigkeit macht. Wenn Sie das Gefühl haben, die Arbeit wächst Ihnen über den Kopf, fühlen Sie in sich hinein: Können Sie persönlich mit der veränderten Situation umgehen?

Nach einem anstrengenden Arbeitstag erschöpft zu sein und eine abendliche Verabredung mit Freunden einmal abzusagen, ist in Ordnung. Doch wenn Sie merken, dass Sie sich gegenüber anderen verschließen und beginnen, zugunsten der Arbeit eigene Bedürfnisse zu vernachlässigen, sollten Sie Acht geben.

Planen Sie ausreichend Ruhepausen in Ihre Arbeitsabläufe ein. Berücksichtigen Sie die Pausen bei der Tagesplanung und tragen Sie diese in den Terminkalender ein. Nutzen Sie Entspannungstechniken wie Meditation, Yoga oder Tai Chi.

Phase 2: Das Wertesystem verändert sich

Berufliche Misserfolge werden als persönliche Niederlagen erlebt. Die Werte „Arbeit“ und „Leistung“ bekommen im Wertesystem einen immer höheren Stellenwert. Mit wachsender Bedeutung der Arbeit rechtfertigt der Betroffene zum einen, warum er seine sozialen Kontakte vernachlässigt und begründet für sich, warum er seine Freizeit nicht aktiv gestaltet. Gleichzeitig wertet der Betroffene Personen ab, für die das Berufliche eine weniger wichtige Rolle spielt. Seine Geringschätzung trifft häufig Menschen aus seiner nächsten Umgebung: Freunde, Familie, Ehepartner. Es kommt zu starken Spannungen im privaten Umfeld. 

Trifft das auf Sie zu?

Sie stellen immer häufiger fest: Ihre Freunde reagieren mit Unmut auf Ihre Begründung, keine Zeit für sie zu haben, weil Ihnen Ihre Arbeit nun mal wichtig ist? Sie investieren sehr viel Zeit und Energie in Ihre Arbeit, weil Sie der Meinung sind, ein Mensch werde nach dem beurteilt, was er leistet? Sie denken, Ihre Freunde und Verwandte wissen Ihre Leistung nicht zu würdigen, weil sie mittelmäßige Jobs gemacht haben und keine Ahnung von „richtiger“ Arbeit haben?

Wenn Sie sich dabei erwischen, Ihre beruflichen Erfolge über die Leistungen Ihres näheren Umfelds zu stellen, sollten Sie aufhorchen. Möglicherweise ist diese Haltung eine Folge daraus, dass Sie beginnen, Ihrem Job einen zu großen Wert beizumessen. Das ist ein klares Anzeichen für das Fortschreiten des Burnout-Prozesses.

Lassen Sie die Arbeit nicht in alle Lebensbereiche eindringen. Nehmen Sie keine Arbeit mit nach Hause. Lesen Sie in der Freizeit keine E-Mails und vermeiden Sie Erreichbarkeit.

Nehmen Sie es ernst, wenn Ihr Umfeld Ihnen signalisiert, sie würden zu viel arbeiten. Die Außenstehenden können eine Überforderung leichter erkennen, als der Betroffene selbst. Womöglich nimmt Ihr Partner eine Veränderung an Ihnen wahr, während Sie selbst diese nicht bemerken.

Es gibt unterschiedliche Ansichten darüber, welche Bedeutung die Arbeit im Leben einnehmen soll. Menschen messen ihrem Job, ihrem Gehalt oder ihrer beruflichen Position unterschiedliche Bedeutung bei. Auch wenn Sie zu den Leistungsstarken der Gesellschaft zählen, sollten Sie daran denken, dass andere Lebensbereiche ebenfalls wichtig sind. Ihr Partner ist kein schlechterer Mensch, weil ihm der berufliche Aufstieg nicht wichtig ist. Ihre Eltern sind keine einfältigen Personen, weil sie ihr Leben lang einen einfachen Job gemacht haben und damit zufrieden waren.

Halten Sie sich an Ihre Freunde und Verwandte. Sie werden Sie akzeptieren, auch wenn Sie einmal feindselig oder gereizt sind. Sie werden Ihnen Ihre Launen verzeihen und Ihnen Halt geben. Eine Therapie kann Ihnen in dieser Phase helfen zu analysieren, was genau Sie in das Hamsterrad des Burnouts getrieben hat und nachhaltige Lösungen zu entwickeln.

Phase 3: Verlust der Beziehung zu sich selbst

Im fortgeschrittenen Burnout-Prozess zieht sich der Betroffene immer weiter zurück. Auf die Außenwelt reagiert er gereizt, gegenüber seinen Mitmenschen wird er zynisch. Er reduziert soziale Kontakte auf ein Minimum, verbringt seine Freizeit alleine und greift dabei verstärkt zum Alkohol. Der innere Fokus ist allein auf Leistung gerichtet, wobei er seine psychische und physische Gesundheit vernachlässigt.

Trifft das auf Sie zu?

Haben Sie sich sehr stark zurückgezogen und lassen Ihre Freunde und Verwandte nicht an sich heran? Die Misserfolge in der Arbeit werfen Sie vollkommen aus der Bahn?

Ihre starke Fokussierung auf Leistung ist ein Anzeichen für den fortschreitenden Burnout-Prozess. Wenn Sie einen Zusammenbruch vermeiden wollen, sollten Sie therapeutische Hilfe in Anspruch nehmen. Sie brauchen jetzt eine Auszeit, doch dafür reicht ein ausgedehnter Urlaub nicht aus. Ihre Persönlichkeit hat sich bereits verändert, weshalb Sie mit einem Experten an Ihrem psychischen Zustand arbeiten sollten. 

Phase 4: Völlige Erschöpfung

Panikattacken, Drogenmissbrauch, exzessiver Alkoholgenuss und depressive Stimmungen können Anzeichen dafür sein, dass der Burnout-Prozess sehr weit fortgeschritten ist. Es kommt zur völligen Erschöpfung und zum Zusammenbruch. Menschen in dieser Phase sind suizidgefährdet.

Trifft das auf Sie zu?

Haben Sie Panikattacken? Vermuten Sie, dass Sie eine Depression haben? Möglicherweise fragen Sie sich, ob es noch Sinn macht, weiter zu leben.

Panikattacken oder depressive Zustände sind klare Anzeichen dafür, dass es zum Höhepunkt des Burnout-Prozesses gekommen ist. Sie müssen einen Spezialisten aufsuchen. Der Zustand ist so dramatisch, dass der Zusammenbruch nicht mehr lange auf sich warten lässt. Eine Therapie kann helfen, langfristige psychische und physische Störungen zu vermeiden.

Fazit

Je früher Sie feststellen, dass Sie unter Burnout leiden, desto einfacher können Sie aus diesem Prozess herauskommen. Achten Sie auf Anzeichen und nehmen Sie Einschätzungen von außen ernst. Sie selbst verspüren möglicherweise nur Müdigkeit. Doch Ihr Umfeld kann Veränderungen an Ihnen erkennen, die Sie selbst nicht sehen, weil Ihre Wahrnehmung verändert ist. Wenn sich also private Konflikte verstärken, nehmen Sie dies als Anzeichen dafür wahr, dass an Ihrer Beziehung zur Arbeit möglicherweise etwas nicht stimmt.

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Über die Autorin
Alexandra Neidhardt
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