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AuslagernOutsourcing in Europa auf dem Vormarsch

70 Prozent der Unternehmen haben Bereiche ausgelagert und jedes fünfte plant weitere Outsourcing-Schritte. Das Hauptmotiv sind Kosteneinsparungen. Immer häufiger werden Bereiche wie Lohnabrechnung und Buchhaltung an in- oder externe Dienstleister abgeben. Eine gewisse Zurückhaltung ist jedoch noch vorhanden, weil die Unternehmen befürchten, dass sie Autonomie, Kontrolle und Flexibilität verlieren könnten.
erschienen: 27.10.2008
Schlagwörter: Outsourcing

Globalisierung, Informations- und Kommunikationstechnik machen es möglich, dass Unternehmen immer mehr Funktionen an in- oder externe Dienstleister abgeben, um sich auf die Kernkompetenzen zu konzentrieren. Das traditionelle Unternehmensmodell der möglichst vollständigen vertikalen Integration kommt auf den Prüfstand. Das sind Ergebnisse einer aktuellen Studie des Prüfungs- und Beratungsunternehmens Ernst & Young.

Immerhin 70 Prozent der Unternehmen haben mindestens eine betriebliche Funktion ausgegliedert – im europäischen Durchschnitt sind es gut vier Funktionen pro Unternehmen. Und jedes fünfte Unternehmen plant in den kommenden zwei Jahren weitere Outsourcing-Schritte. Christian Mertin, Partner bei Ernst & Young, stellt fest:

„Outsourcing hat noch eine große Zukunft vor sich. Die Unternehmen werden es künftig für immer mehr Unternehmensprozesse nutzen. Durch Outsourcing in den unterschiedlichsten Formen wandelt sich der monolithische Block Unternehmen schrittweise zu einem Netzwerk spezialisierter Einheiten.“

Zwar halten sich die Manager noch spürbar zurück, wenn es um Kernfelder wie Vertrieb, Marketing und Kommunikation oder die Produktentwicklung geht. Doch

„Wir beobachten, dass auch immer mehr Back-Office-Funktionen und einzelne Spezialfunktionen stärker auf den Prüfstand gestellt werden und eine Auslagerung erwogen wird“,

so Mertin. Es zeichnet sich ab, dass Funktionen wie Administration und Finanzen sowie Human Resources (Personalwesen), die bisher eher in der Mitte der Rangliste ausgegliederter Funktionen rangierten, in den kommenden Jahren immer häufiger ausgelagert werden. Als spezielle Einzelfunktionen nannten die Entscheider hier Bereiche wie

  • die Lohnabrechnung,
  • die Buchhaltung,
  • das Dokumenten-Management und
  • den Online-Einkauf.

Erste Sättigungssignale senden dagegen die bisher sehr häufig outgesourcten Bereiche Logistik und Distribution sowie Informationstechnik und Telekommunikation.

Kosteneinsparungen sind Hauptmotiv – vor allem in Deutschland

Nach wie vor sind Kosteneinsparungen das wichtigste Motiv des Outsourcings – sie stehen für fast die Hälfte der Befragten im Vordergrund. Allerdings:

„Die Führungskräfte haben erkannt, dass die Spareffekte nur ein Teil der positiven Auswirkungen sind“,

betont Mertin.

„Viele haben festgestellt, dass die billigste Lösung sehr teuer werden kann, dann nämlich, wenn die Prozesse nicht mehr reibungslos laufen.“

So seien andere Effekte stärker ins Blickfeld gerückt. Immerhin nennt ein Drittel der Manager Qualitätsverbesserungen aus der Nutzung von externem Spezial-Know-how als Vorteil, 28 Prozent führen eine bessere strategische Organisation und 25 Prozent eine höhere Flexibilität ins Feld.

Bei näherem Hinsehen ist es nur der deutschen Sparfreude geschuldet, dass der Spareffekt so hoch eingestuft wird. In Großbritannien, Spanien und Frankreich bezeichneten ihn jeweils weniger als 40 Prozent der Befragten als Vorteil. In Deutschland tun dies 70 Prozent der Unternehmen. In diesen Ländern kamen die Qualitätsverbesserungen und die bessere strategische Ausrichtung auf höhere Quoten. Generell zeigt die Studie auffallende nationale Unterschiede in der Einstellung zum Outsourcing.

Verlust von Autonomie, Kontrolle und Flexibilität befürchtet

Dass die Unternehmen insgesamt trotz der grundsätzlich guten Erfahrungen das Outsourcing mit einer gewissen Zurückhaltung betreiben, liegt an einer Reihe von Bedenken, die sie damit verbinden.

  • 17 Prozent der befragten Führungskräfte befürchten den Verlust von Autonomie und Know-how,
  • 15 Prozent einen Verlust an Kontrolle über den eigenen Geschäftsbetrieb,
  • 13 Prozent fühlen sich in ihrer Reaktionsfähigkeit eingeschränkt,
  • 10 Prozent halten die Qualität der externen Dienstleistungen für schlechter als die der Eigenproduktion und
  • auf zeitliche Probleme verweisen 8 Prozent der Befragten.

Mertin stellt fest:

„Jede Outsourcing-Beziehung braucht eine gewisse Zeit, um sich einzuspielen und die richtigen Kontroll- und Kommunikationsmechanismen zu entwickeln. Wir dürfen nicht vergessen, dass der Übergang vom integrierten Unternehmen zum Spezialisten-Netzwerk eine ganze Reihe völlig neuer Anforderungen an das Management stellt – bei allen Beteiligten.“

Zur Studie

Für die Studie "Outsourcing in Europa 2008" wurden mehr als 600 Entscheider in sechs europäischen Ländern befragt.

Sie haben die Möglichkeit, die komplette Studie kostenlos als PDF zu beziehen unter: www.ey.com.com/...

[po; Quelle Ernst & Young; Bild: Fotolia.com]

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