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Bagatell-KündigungenKunden bestrafen Arbeitgeber und kaufen woanders ein

Arbeitgeber, die einen Mitarbeiter aufgrund einer Bagatelle entlassen, müssen damit rechnen, dass die Kunden sie dafür abstrafen. Einige Kunden meiden das Geschäft eine Zeit lang und manche kommen gar nicht wieder.
erschienen: 13.05.2010

Arbeitgeber riskieren einen massiven Boykott ihrer Kunden, wenn sie Mitarbeitern wegen Bagatellvergehen fristlos kündigen. So erwägen 72 Prozent der Deutschen woanders einzukaufen, wenn ein solcher Fall in einem Geschäft bekannt wird, in dem sie regelmäßig Kunde sind. Das ist das Ergebnis einer bevölkerungsrepräsentativen Online-Umfrage des neuen Wirtschaftsmagazins "enorm". Ein Teil der Kundschaft ginge womöglich sogar für immer verloren: Jeder dritte Befragte (32 Prozent) sagt von sich, dass er nach einem solchen Vorfall "nie wieder" dort einkaufen würde. Ein weiteres Drittel (33 Prozent) würde für mehrere Wochen oder Monate auf andere Anbieter ausweichen, acht Prozent blieben "für ein paar Jahre" weg.

Harmlose Gründe für fristlose Kündigungen

In den letzten Monaten wurde in den Medien mehrfach über Fälle berichtet, in denen Arbeitgeber ihren teils langjährig beschäftigten Mitarbeitern wegen kleinster Vergehen ohne Vorwarnung gekündigt hatten.

Letzten Dienstag hatte das Arbeitsgericht Reutlingen den fristlosen Rauswurf eines Mannes für unwirksam erklärt, der seinen Job wegen der unzulässigen Verwendung einer Essensmarke im Wert von 80 Cent verloren hatte. In anderen Fällen haben Unternehmen Mitarbeiter etwa wegen des Verzehrs übrig gebliebener Maultaschen oder einer Weintraube vor die Tür gesetzt. Auch das Aufladen eines Handys in der Firma wurde bereits als Anlass genutzt, um einen Mitarbeiter ad hoc zu feuern.

Zur Studie

Durchgeführt wurde die Studie im Mai vom Kölner Institut YouGov Psychonomics unter insgesamt 1.000 Teilnehmern.

Warum es zu Bagatell-Kündigungen kommt, erfahren Sie hier:

Bagatell-Kndigungen: Warum Arbeitnehmer zu Straftätern werden und wie man es vermeidet

 

[Quelle: Wirtschaftsmagazin enorm; Bild: TimTolia - Fotolia.com]