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BaumanagementProduktionshallen richtig planen und bauen

Was ist zu beachten, beim Bau einer neuen Produktionshalle? Hier bekommen Sie wichtige Tipps.
erschienen: 10.11.2010
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Die Finanzen im Griff zu behalten, hat für Inhaber und Geschäftsführer mittelständischer Unternehmen zu Recht eine hohe Priorität. Hier macht eine Schwalbe noch lang keinen Sommer und wegen eines guten Jahres wird auch nicht gleich gebaut.

Hält der Erfolg jedoch an, dann frisst er die Arbeitskraft auf allen verantwortlichen Ebenen. Weil zum Bauen einfach die Zeit fehlt, wird zu Notlösungen gegriffen: Mal wird ein Lager angemietet, mal eine Werkstatt ausgegliedert oder ganze Prozesse – oft mit Kernkompetenzen verbunden – werden nach Außen vergeben.

Dabei allerdings zerfasert die Struktur und die Arbeitsabläufe entsprechen immer weniger der geforderten Effizienz. Vor allem in der Produktion wird bald sichtbar: Weiteres Wachstum braucht mehr Platz. Mit „schnell und billig“ aber werden Chancen verspielt, die dem Unternehmen eine völlig neue Zukunftsperspektive eröffnen könnten.

Für welche Zukunft bauen wir?

Auch wenn die Alltagsprobleme auf den Nägeln brennen – die Zukunftsfragen müssen geklärt werden.

  • Mit welchem Wachstum ist zu rechnen und in welchen Bereichen?
  • Gibt es am Standort Platz für spätere Erweiterungen oder muss ein Standortwechsel in Betracht gezogen werden, bevor erneut investiert wird?
  • Welche Logistikanforderungen müssen jetzt und in Zukunft erfüllt werden?
  • Wie sind Produktionsabläufe zu optimieren, welche neuen und größeren Maschinen müssen Platz finden und vom Untergrund gewichtsmäßig getragen werden?
  • Wie lassen sich die Kommunikationsprozesse verbessern?
  • Und wichtiger denn je: Wie können die Kosten für Heizung, Kühlung und Beleuchtung auf Dauer gesenkt werden?

In der Summe addieren sich alle diese Fragen zu einem zentralen Thema: Sicherung und Steigerung der Wertschöpfung.

Was muss die neue Halle leisten?

Sind die Grundsatzfragen geklärt, geht es an die Details. Es gilt, ein Pflichtenheft zu erstellen, in dem Punkt für Punkt die Anforderungen festgehalten werden, die zu erfüllen sind. Dazu gehören:

  • Arbeitsabläufe mit dem jeweiligen Platzbedarf und durch die Tätigkeit bedingte Anforderungen an den einzelnen Arbeitsplatz im Hinblick auf beispielsweise Luftwechsel oder Brand- oder Lärmschutz kleiner Bereiche.
  • Toren und Zufahrten für Belieferung und Warenausgang.
  • Besondere Anforderungen an Brandschutz, Lärmschutz, der ganzen Halle, Sicherheit, Hygiene oder Lastenaufnahme der Decken.
  • Energieeffizienz durch Wärmedämmung und Tageslichtnutzung, durch Wärmerückgewinnung, Einbindung von Prozesswärme, Nutzung von Solarthermie, Photovoltaik oder Geothermie.
  • Platz für Qualitätssicherung, Labors, Werkstätten, Modellager oder Sozialräume: in der neuen Halle oder in Nebengebäuden?
  • Anbindung an die bestehende Halle, eventuell Umnutzung oder gar Abriss?

Aus jedem dieser Punkte ergeben sich reihenweise weitere Entscheidungen. Unternehmen, die über keine eigenen Bauabteilungen verfügen, sollten sich spätestens jetzt nach professioneller Hilfe umschauen. Denn alle diese Fragen sind nur ganzheitlich zu beantworten und dazu gehören Erfahrung und spezielles Know-how. Eine gute Planung lässt sich an der Nachhaltigkeit des gesamten Gebäudes erkennen und nicht am äußeren Erscheinungsbild. Dazu muss der Baupartner zuerst das Unternehmen verstehen, bevor die Architektur das Ganze in einem attraktiven Gewand zusammenfügt.

Die Mitarbeiter frühzeitig in die Planung einbeziehen

Wer „schnell und billig“ bauen will, verpasst die Chance zu einer langfristigen Steigerung der Wertschöpfung. Und das kostet mehr Geld, als bei solchen Baumaßnahmen je eingespart werden kann. Entscheidend für einen langen Erfolg des Neubaus sind die gründliche Bestandsaufnahme sowie die Bewertung zukünftiger Entwicklungen. Im Rahmen von Konzepttagen lassen sich die Grundlagen, der Bedarf und die Abläufe optimal ermitteln und dann umsetzen.

Dabei müssen zu einem frühen Zeitpunkt Führungskräfte und vor allem die einzelnen Mitarbeiter einbezogen werden. Denn nur so werden die Akzeptanz des neuen Gebäudes und das Verständnis für die nicht erfüllbaren Wünschen bei den Mitarbeitern geschaffen – insgesamt steigert die Mitarbeit der Beschäftigten die so wichtige Identifikation mit dem Unternehmen. Zudem kommen oftmals von den Mitarbeitern sehr praktische Hinweise zur Verbesserung der Arbeitsabläufe.

Budget und Finanzierung klären

Immer wieder stehen sich bei der Planung Preis und Qualität konträr gegenüber. Oft lässt sich das Problem durch intelligente Konstruktionen, Baumaterialien oder Bauelemente lösen. Oft hilft auch die Einschätzung der langfristigen Folgekosten bei der richtigen Entscheidung. Bisweilen müssen aber auch ganz andere Lösungen gesucht werden, um ein vorgegebenes Budget einzuhalten. So könnte die neue Halle zum Beispiel zunächst nur den aktuellen Platzbedarf abdecken, dabei aber mit der Lage auf dem Grundstück und durch die Konstruktion für eine problemlose Erweiterung vorbereitet sein.

Die Sorgfalt bei der Grundlagenermittlung führt zur Sicherung der Investitions- und Terminplanung. Je exakter die Aussagen des Bauherren bezüglich Qualität und Größe der Produktionshalle sind, desto genauer und damit verlässlicher ist auch die Kostenschätzung. An diesem Garantieanspruch lassen sich gute Industriebauer letztlich messen, die finanzierenden Partner wissen das zu schätzen.

In dem umfassenden Planungsprozess werden in der Regel auch schon Aussichten auf Fördermittel sichtbar. Angesichts der unendlich vielen Töpfe mit ihren leider komplizierten Bedingungen ist es gut, wenn der Planer bereits Finanzierungsfachleute im Haus hat. Gerade der Mittelstand übersieht häufig Möglichkeiten, die auf den ersten Blick gar nichts mit dem Bauen zu tun haben, wie zum Beispiel günstige Kredite für Innovationen, die ebenfalls die Investitionskosten senken. Besonders interessant sind derzeit die Fördermittel zur Steigerung der Energieeffizienz, zur CO2-Reduktion und zur Nutzung erneuerbarer Energien. Damit lassen sich die Zinsaufwendungen für diese wichtigen Investitionen mindern und das Unternehmen entgeht auf Dauer den steigenden Preisen für Öl, Gas und Strom.

Gebaute Corporate Identity

Aus dem Bebauungsplan der Gemeinde, den Anforderungen des Grundstücks und der Planung von innen ergibt sich schließlich die äußere Form der Halle. Da sie in der Regel allein schon durch ihre Größe ins Auge fällt, sollte die Fassade widerspiegeln, wofür das Unternehmen steht. Ob verputzt in den Hausfarben, ob mit einer Metallhaut versehen, die Hightech signalisiert, oder mit großen Fensterbändern gebaut, die für Transparenz stehen – konstruktiv und gestalterisch gibt es viele Möglichkeiten, ein Gebäude zu schaffen, das sich Besuchern einprägt und das in der Region bekannt wird. So strahlt der Bau positiv auf das Unternehmen zurück.

Kriterien für die Wahl des Baupartners

Das komplexe Angebot „Bau einer Produktionshalle“ ist im Detail ohne ausreichende Bauerfahrung nicht zu bewerten. Gerade wegen der Vielfalt der Anforderungen, die alle miteinander vernetzt sind, empfiehlt sich ein Partner, der möglichst von der Standortanalyse über die Finanzierung, Planung und Ausschreibung bis zur Projektleitung alles aus einer Hand bietet.

Sind diese Kompetenzen unter dem gleichen Dach, werden wesentliche Schnittstellen entschärft. Was deshalb bei der Partnersuche vor allem zählt, sind Empfehlungen und Referenzen. Dabei sollte auch der Kontakt zu ehemaligen Kunden des Anbieters hergestellt werden, denn wer nichts zu verbergen hat, muss solche Gespräche nicht fürchten. In der letzten Konsequenz sollte ein wachsender Mittelständler von seinem Baupartner genau das verlangen, was das eigene Unternehmen täglich leisten muss: eine ganzheitliche Beratung im Sinne der Nachhaltigkeit, Transparenz, zuverlässige Qualität, Termintreue, Flexibilität, ein glaubwürdiges Preis-Leistungsverhältnis und leidenschaftliches Engagement.

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Über den Autor
Markus Dosch

Markus Dosch ist Geschäftsführer der Freyler Unternehmensgruppe. Ob als Generalunternehmer, als Stahlbau- oder als Fassaden-Spezialist, Freyler betreut über 100 gewerbliche und industrielle Projekte pro Jahr – immer auf der Suche nach der individuellen und zukunftsfähigen Lösung für den Kunden.

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