BegrüßungsregelnWie begrüße ich mein Gegenüber richtig?

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Wer reicht wem zuerst die Hand? Wann übergebe ich meine Visitenkarte? Mit der Anwenden einiger Regeln bewegen Sie sich sicher auf dem gesellschaftlichen Parkett.
erschienen: 22.01.2016
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Jede Begegnung beginnt mit einem Gruß. Bleibt es bei einem kurzen Zunicken oder begrüßt man sich per Handschlag? Ab und zu ist jeder von uns unsicher, ob er in der jeweiligen Situation richtig gehandelt hat:

  • Grundsätzlich grüßt der zuerst, der einen Raum betritt. Dies gilt im täglichen privaten Umgang, wie auch im Geschäftsleben. Beispiele sind: Fahrstuhl, Wartezimmer, Besprechungsräume oder am Abend die Sauna.
  • Im Berufsleben gilt, der Rangniedere grüßt den Ranghöheren. Treffen sich Geschäftsführer und Angestellter auf dem Flur, grüßt der Angestellte den Geschäftsführer zuerst. Im Zweifel grüßt der, der jemanden zuerst erblickt.
  • Ein Gruß sollte möglichst mit den gleichen Worten entgegnet werden. Es klingt eher belehrend, wenn auf ein süddeutsches „Grüß Gott“ mit „Guten Tag“ geantwortet wird oder auf einen „Guten Morgen“ ein „Guter Tag“ gewünscht wird.

Die ranghöhere Person gibt zuerst die Hand

Die „physische“ Begrüßung des Händegebens birgt bereits die nächste Benimmfalle in sich. Es gilt die Regel: Der Ranghöhere entscheidet, ob er seinem Gegenüber die Hand reicht. Ein Projektleiter sollte beispielsweise also darauf warten, dass ihm nach seiner verbalen Begrüßung, die Hand vom Geschäftsführer entgegengestreckt wird.

Ein Gast in einem fremden Büro – egal ob Zulieferer oder Kunde – gilt als ranghöhere Person, auch beim Vorstand. Hier darf der Gast die Hand zuerst geben. Die Gastgeberrolle sollte aber auf jeden Fall im Vordergrund stehen und dieser sollte seine Gäste mit einem Händedruck willkommen heißen.

Keine „toten Fische“ überreichen

Der Handschlag ist gleichzusetzen mit dem gefühlten ersten Eindruck. Hier kommt das schwer beeinflussbare Signal der Haut ins Spiel. Sind meine Hände feucht, kann ich sie schnell und möglichst unauffällig an meinem Stofftaschentuch in der Hosentasche abtrocknen, das ich als stilvoller Mann immer bei mir trage. Frauen können dies unauffällig am Oberschenkel oder Unterarm erledigen. Kalte Hände können vorab warm gerieben werden.

Sinn und Zweck eines Händedrucks ist es, Vertrauen zu demonstrieren. Ein Händedruck sollte bestimmt sein. Nicht zu weich, aber auch nicht zu hart. Auch beim Händedruck gilt Qualität nicht Quantität. Die Dauer beträgt rund ein bis zwei Sekunden, nicht eine endloswirkende Viertelstunde. Hände sollten also nach einer gewissen Zeit wieder losgelassen werden. Scheint Ihr Gegenüber Ihre Hand nicht mehr loslassen zu wollen, entspannen Sie einfach Ihren Händedruck und Ihr Händchenhalter wird Ihre Hand recht schnell freigeben. Denn jetzt hat er den unangenehmen „toten Fisch“ in der Hand.

Blickkontakt und Hände aus den Hosentaschen

Während des Händedrucks ist der Blickkontakt ein Muss. Alles andere wäre unhöflich. Der Blickkontakt wurde schon zu Ritterzeiten sehr ernst genommen. Hier wurde das Visier gehoben, um zu zeigen, dass man in Freundschaft kommt und nicht gegeneinander kämpfen wird. Deshalb sollten auch heute noch die Sonnenbrillen zur Begrüßung angehoben oder abgenommen werden.

Und auf jeden Fall werden beim Händedruck die Hände aus den Hosentaschen genommen und zwar beide. Diese Geste entspringt auch einer alten Regel. Das Gegenüber sollte beide Hände sehen, so lief er nicht Gefahr, dass aus der Tasche eine Waffe gezückt werden konnte. Handschuhe sollten vorher ausgezogen werden, wenn der Gegenüber keine Handschuhe trägt. Doppelhandgriff oder Schultertätscheleien sind Dominanzgesten, die beim Gegenüber eher unsympathisch ankommen, wenn Sie sich nicht gut kennen.

Handschlag und Vorstellung bei mehr als einer Person

Was passiert, wenn mehrere Personen im Raum stehen? Wer bekommt zuerst die Hand? Der Gastgeber oder die Kontaktperson, die ich kenne, wird zuerst begrüßt und die Hand gereicht. Er sollte mich dann den unbekannten Personen vorstellen. Vorgestellt werden die Ankommenden den Wartenden. Und die wichtigste Person im Raum sollte als erste erfahren, wer vor ihm steht. Stellt man sich selber vor, ist die sympathischste Vorstellung: Tagesgruß, Vorname und Nachname. Alte Floskeln wie „Gestatten“, „sehr erfreut“ oder „angenehm“ können Sie getrost weglassen und durch den einfachen Tagesgruß ersetzten.

Ist in einer Gruppe keine Rangordnung festzustellen, wird jedem der Reihe nach die Hand gegeben. Vergessen Sie nicht ab und zu Ihren Namen zu wiederholen. Somit bekommen alle Beteiligten die Chance Ihren Namen wirklich zu hören. Vermeiden Sie Zickzack-Kurse durch den Raum. Auch wenn es so schön heißt „Ladies First“, fangen Sie bei gleichrangigen Personen in einer Gruppe bei der Ihnen am nächsten stehenden Dame an und gehen dann der Reihe nach vor. Übrigens: Männer und Frauen stehen zur Begrüßung im Berufsleben auf.

Ein Händedruck ist eine Aufforderung für ein Gespräch. Es werden zumindest ein paar Worte erwartet. Fehlt die Zeit für ein paar persönliche Worte, verzichtet man besser auf den Handschlag und grüßt nur kurz mündlich im Vorbeigehen. Und stets sympathisch wirken Sie, wenn Sie den letzten Hinweis beachten: Eine gereichte Hand wird immer entgegengenommen.

Visitenkarte und ihr korrekter Einsatz

Visitenkarten waren schon in der viktorianischen Zeit bekannt. Damals gab der Besucher dem Butler die Karte, welche auf einem Silbertablett zum Gastgeber getragen wurde. So konnte der Diener den Gast fehlerfrei bei seinen Herrschaften anmelden und gab die Karte anschließend dem Gast zurück.

  • Bei Geschäftsbesuchen gibt man am besten die Visitenkarte zunächst am Empfang ab. Das vereinfacht die Anmeldung und das Ausfüllen von Besucherausweisen. Namen werden richtig ausgesprochen und eine Anmeldung beim Sekretariat bringt keine Verwirrung. Nach diesem Prozedere bekommt man meist die Karte zurück, da ein Empfang wenig damit anfangen kann.
  • Visitenkarten werden auch heute noch zu Beginn eines Besuchs oder Gesprächs ausgetauscht. Der Gast gibt seine Karte zuerst. Erst danach ist die gastgebende Person dran. Auch hier ist der Blickkontakt wichtig, wenn die Karte übergeben wird. Eine Visitenkarte sollte auf jeden Fall auch aufmerksam nach der Übergabe gelesen werden. Denn hier verstecken sich wichtige Informationen wie Adelstitel oder akademische Titel, die bei der Anrede auf jeden Fall mit genannt werden müssen.
  • Es gilt als unhöflich, eine Visitenkarte ungelesen wegzustecken. In Gruppen erhält zuerst die oder der Ranghöchste die Visitenkarte. Ist eine Hierarchie nicht erkennbar, werden die Visitenkarten der Reihe nach verteilt. Die Karten dürfen auf dem Besprechungstisch liegen bleiben. Am besten in der Reihenfolge, wie die jeweiligen Personen auch sitzen, sodass man die Namen auch zuordnen kann. Keiner verlangt, dass man sich zehn Namen auf einmal merken kann.
  • Die Aufbewahrung von Visitenkarten gelingt am besten in dafür vorgesehenen Etuis. So bleiben die Karten in ansprechender Form.

Die Regeln im Überblick

  • Wer einen Raum betritt, grüßt zuerst.
  • Mündlich grüßt der Rangniedere den Ranghöheren zuerst.
  • Einen Gruß möglichst immer mit den gleichen Worten entgegnen.
  • Der Ranghöhere entscheidet, ob er seinem Gegenüber die Hand reicht.
  • Hände werden ein bis zwei Sekunden gereicht, nicht geschüttelt.
  • Händedruck nur mit Blickkontakt.
  • Die zweite Hand aus der Hosentasche.
  • Eine gereichte Hand wird immer entgegengenommen.
  • Zur Begrüßung stehen sowohl Männer als auch Frauen im Berufsleben auf.
  • Rangniedere werden den ranghöheren Personen vorgestellt.
  • Sympathische Selbstvorstellung lautet: Tagesgruß, Vorname und Nachname (Beispiel: Guten Tag, mein Name ist Kerstin Huber.)
  • Der Gast überreicht die Visitenkarte zuerst.
  • Visitenkarten sollten aufmerksam durchgelesen werden.
Über die Autorinnen
Anke Quittschau

Anke Quittschau sammelte Erfahrung als Direktmarketing-Managerin in einem der größten deutschen Autohäuser. Sie war als Callcenter-Managerin bei einem Mobilfunk-Provider, Gebietsverantwortliche eines deutschen Automobilherstellers im Premium-Segment sowie Projektmanagerin im E-Business und CRM der Automobilindustrie.

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Christina Tabernig

Christina Tabernig hat eine Ausbildung zur Reiseverkehrskauffrau und ein Studium der Betriebswirtschaftslehre abgeschlossen. Sie war Wirtschaftsgrafikerin und Research bei McKinsey & Co, Inc. und mehrere Jahre in Vertriebs- und Marketingpositionen in der IT-Branche tätig.

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