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Betriebliches GesundheitsmanagementUnternehmen gehen in die Offensive

Eine Befragung unter Mittelständlern zeigt, dass betriebliches Gesundheitsmanagement die Attraktivität von Unternehmen steigert.
erschienen: 19.04.2013
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97 Prozent der Entscheider im Mittelstand haben sich das Ziel gesetzt, die Zahl der Krankmeldungen durch gezielte Investitionen in die Gesundheit ihrer Mitarbeiter zu senken. Zu diesem Ergebnis kommt der „Themenkompass 2012: Gesundheit im Unternehmen“ des Marktforschungsinstituts forsa im Auftrag der Süddeutschen Krankenversicherung und der mhplus Krankenkasse in Zusammenarbeit mit dem F.A.Z.-Institut. Für die Befragung wurden 100 für das Thema Gesundheit verantwortliche Entscheider aus mittelständischen Unternehmen (50 bis 500 Mitarbeiter) der Branchen Handel und Dienstleistungen befragt.

Ein entscheidender Grund für dieses Vorhaben der Unternehmen: Jedes Jahr entstehen deutschen Betrieben krankheitsbedingte Kosten in Höhe von 3.600 Euro pro Mitarbeiter. Gleichzeitig erreichen die Krankenstände hierzulande Werte wie zuletzt vor 15 Jahren – höchste Zeit also für die Unternehmen zu handeln. 85 Prozent der Verantwortlichen geben daher an, durch geringere Fehlzeiten effektiv Kosten senken zu wollen.

Gesundheitsangebote zur Mitarbeitermotivation

Viele Unternehmen haben jedoch erkannt, dass neben dem unmittelbaren Kostenargument auch die Mitarbeiterbindung eine wichtige Rolle spielt. Neun von zehn Entscheidern setzen beispielsweise darauf, die Identifikation der Belegschaft mit ihrer Firma zu stärken und so für mehr Motivation bei der Arbeit zu sorgen. Nahezu die gleiche Bedeutung hat das Ziel, Mitarbeiter durch zusätzliche Gesundheitsangebote zu höherer Leistung anzuspornen.

Bislang konzentrieren sich rund zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen vor allem darauf, dem Thema Gesundheit mit Einzelmaßnahmen gerecht zu werden. Das Angebot reicht von der Teilnahme an Rückenschulen bis hin zu individuellen Ernährungskursen. Im nächsten Schritt gilt es jedoch, alle bereits etablierten Betriebsprozesse rund um die Mitarbeitergesundheit zu bündeln und professionell zu steuern – also die betriebliche Gesundheitsförderung (BGF) zu einem umfassenden betrieblichen Gesundheitsmanagement (BGM) weiterzuentwickeln.

BGM sorgt für Renommee-Gewinn

Mittelständler, die bereits ein BGM eingeführt haben, kalkulieren meist mit Kosten von rund 10.000 Euro pro Jahr für das Gesundheitspaket. Wissenschaftler jedoch weisen bereits seit langem darauf hin, dass sich jeder für die Gesundheit der Mitarbeiter eingesetzte Euro gleich dreifach bezahlt macht. Hinzu kommt der Renommee-Gewinn, der mit einem funktionierenden BGM einhergeht. Fast jedes Unternehmen hatte in der Befragung bestätigt, dass es sich über die allgemeine Fürsorgepflicht hinaus durch das Gesundheitsangebot als guter Arbeitgeber positionieren möchte.

Ebenfalls bemerkenswert: Der Kampf um Fachkräfte spielt bei der Entscheidung für ein BGM eher eine untergeordnete Rolle. Nur 36 Prozent der deutschen Mittelständler spekuliert insgesamt darauf, mit betrieblichen Gesundheitsleistungen gezielt Fachpersonal anzuwerben. Vielmehr gilt offenbar die kaufmännische Einsicht, wonach die Akquise von Neukunden teurer ist als Bestandskunden zu halten, auch für das Personalmanagement. Studien zeigen zudem, dass sich der demografische Wandel erst in ein bis zwei Jahrzehnten zu einem weitgreifenden Fachkräftemangel auswachsen dürfte.

Externes Know-how erleichtert BGM-Start

Wenn es darum geht, bestehende Maßnahmen auszubauen oder ein BGM von Grund auf neu zu entwickeln, setzen Unternehmen verstärkt auf externes Know-how. Zwei Drittel der mittelständischen Unternehmen haben bereits erfolgreiche Kooperationen geschlossen, etwa mit Krankenkassen, Dienstleistern oder Partnern aus der Gesundheitswirtschaft. Der Grund: Vor allem kleineren Firmen fehlen häufig die Fachleute, um BGF- oder sogar komplette BGM-Programme aufzulegen und effektiv zu begleiten. Nur gut jedes vierte mittelständische Unternehmen leistet sich zu diesem Zweck einen hauptverantwortlichen Leiter.

Die meisten hingegen verorten diese zusätzliche Verantwortung bei der Personalabteilung. Zwar schaltet sich hin und wieder auch die Geschäftsleitung beim Thema Gesundheitsschutz ein, doch bei einem zielorientierten Einsatz von BGM kommt es vor allem auf das Fachwissen von Experten an. Das belegen auch die Zahlen des „„Themenkompass 2012: Gesundheit im Unternehmen“: Mehr als drei Viertel der Firmen, die ein BGM bereits erfolgreich installiert haben, setzen auf professionelle Hilfe von Außen.

Im Kern besteht ein BGM aus verschiedenen Analysetools, mit Hilfe derer Handlungsbedarfe ermittelt und daraus konkrete Maßnahmen abgeleitet werden können. Das Gros der Unternehmen verlässt sich dabei vor allem auf Fehlzeitenanalysen sowie detaillierte Gefahrenbeurteilungen bezüglich des Arbeitsschutzes, beispielsweise in der produzierenden Industrie. So haben BGM-Werkzeuge bei deutschen Automobil-Herstellern zu ergonomisch optimierten Arbeitsplätzen in der Montage geführt, um Haltungsschäden und Gelenkschmerzen vorzubeugen. Rund Dreiviertel der Verantwortlichen verlassen sich zudem auf Mitarbeiterbefragungen, um Verbesserungspotenziale zu identifizieren und Bedarfe zu ermitteln.

Fazit

Insgesamt erleichtert ein BGM sowohl die Koordination und Entwicklung von Dienstleistungen rund um die Mitarbeitergesundheit als auch die Identifikation von Schwachstellen am Arbeitsplatz selbst. Im Vordergrund steht dabei, die mit der täglichen Arbeit verbundenen Gesundheitsrisiken zu minimieren und die Beschäftigungsfähigkeit langfristig zu erhalten. Dies gewinnt insbesondere vor dem Hintergrund steigender Lebensarbeitszeiten an Bedeutung. Aus diesem Grund hat die BGM-Idee jüngst sogar Einzug in die Demografie-Strategie der Bundesregierung gehalten.

Checkliste: In sechs Schritten zum BGM

  • Mitarbeiter ins Boot holen:

Ein neues Gesundheitsmanagement einzuführen bedeutet Veränderung. Daher sollte die Belegschaft etwa über den Betriebsrat frühzeitig in die Pläne eingebunden werden. So erhält der Chef auch wichtige Informationen über die Bedürfnisse im eigenen Unternehmen.

  • Eindeutige Ziele definieren:

Die Umsetzung eines BGM steht und fällt mit klar definierten Zielen. Externes Know-how schafft zusätzliche Sicherheit, damit die BGM-Einführung gelingt und die Kosten dafür überschaubar bleiben.

  • Regelmäßige Gesundheitstage:

Gesundheitstage sensibilisieren die Belegschaft für das BGM. Sie können helfen, Vorbehalte dagegen abzubauen. Gleichzeitig gewinnt das Unternehmen wichtige Informationen zum Ist-Zustand. Ergänzend bieten sich anonymisierte Mitarbeiterbefragungen an zur Ermittlung physischer oder psychischer Belastungen am Arbeitsplatz.

  • Auswertung und Maßnahmen:

Die Ergebnisse der Gesundheitstage sollten detailliert ausgewertet und mit zielgruppengerechten Angeboten wie Bewegung, Entspannung und Ernährung begleitet werden.

  • Multiplikatoren gewinnen:

Langfristig geht der Erfolg eines BGM mit Mitarbeitern einher, die das Thema aktiv vorantreiben und etwa als Ansprechpartner für Kollegen zur Verfügung stehen. Je nach Größe der Firma kann auch ein Gesundheitsbeauftragter mit den BGM-Maßnahmen betraut werden.

  • Evaluation und Anpassung:

Alle Maßnahmen sollten regelmäßig überprüft werden. Wichtige Prüffragen: Wie häufig sind die Angebote genutzt worden? Gibt es positive Auswirkungen auf Gesundheit und Wohlbefinden der Belegschaft? Befragungen und Check-Ups geben zusätzlich Auskunft über den Erfolg des BGM.

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Über den Autor
Klaus Henkel

Klaus Henkel ist Vorsitzender des Vorstands der Süddeutschen Krankenversicherung, der Süddeutschen Lebensversicherung und der Süddeutschen Allgemeinen Versicherung. Er ist unter anderem Mitglied des Präsidialausschusses des Gesamtverbands Deutscher Versicherer, des Hauptausschusses des PKV-Verbands und der IHK-Vollversammlung Stuttgart.

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