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Business-EtiketteZusammenarbeit von Deutschen und Italienern

In Deutschland und Italien gibt es unterschiedliche Business-Kulturen. Diese äußern sich beispielsweise beim Small Talk oder bei der Meetingkultur. Mit gegenseitigem Verständnis können Deutsche und Italiener besser zusammenarbeiten.
erschienen: 01.06.2010
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Die meisten Deutschen assoziieren mit Italien Sonne und Strand, Kunst und Kultur, Mode und Fußball sowie gutes Essen und einen vorzüglichen Wein. Zwar sind ihnen auch Unternehmensnamen und Marken wie Fiat, Pirelli, Armani und Versace bekannt, doch nur wenige wissen, dass Italien mit einem Bruttoinlandsprodukt von 2,3 Billionen US-Dollar die siebtgrößte Industrienation der Welt ist (IWF, 2008).

Umgekehrt weiß man in Italien um die wirtschaftliche Stärke Deutschlands. Eher gering ist aber die Kenntnis der deutschen Lebensart sowie der jüngsten deutschen Geschichte. Insgesamt gilt: Das wechselseitige Bild ist eher von Klischees als von einer realen Kenntnis geprägt. Und dies obwohl zwischen Deutschland und Italien enge Kontakte bestehen – auch wirtschaftlich. Das zeigt bereits die Tatsache, dass Deutschland mit einem Exportanteil von fast 13 Prozent und einem Importanteil von fast 16 Prozent Italiens wichtigster Handelspartner ist.

Entsprechend groß ist, bei aller bestehenden Unkenntnis das wechselseitige Interesse an interkultureller Information – auch weil Deutsche und Italiener im Kontakt miteinander immer wieder spüren: Es gibt kulturell bedingte Unterschiede im Wahrnehmen, Verhalten und Bewerten derselben Sachverhalte. Zugleich gilt jedoch: Den „Italiener“ gibt es nicht – ebenso wie „den Deutschen“. Nicht nur wegen der individuellen Unterschiede, die es zwischen den Angehörigen jeder Nation gibt, sondern auch, weil in Italien die regionalen Unterschiede mindestens ebenso groß sind wie in Deutschland zwischen Nord- und Süddeutschland. Das zeigt sich allein schon darin, dass in Italien eine Partei wie die Lega Nord existiert, von deren Anhängern mancher von einer Loslösung Norditaliens von Süditalien träumt.

Mit einer entsprechenden Vorsicht sollte man allen Aussagen über die kulturell bedingten Unterschiede zwischen Deutschen und Italienern begegnen, wenn man nicht die ohnehin vorhandenen Klischees verstärken möchte. Dies gilt auch für die folgenden Aussagen. Sie sind sozusagen nur Arbeitshypothesen (oder „Vor-Urteile"), deren Gültigkeit es im realen Kontakt zu verifizieren gilt.

Unterschiedliche Kommunikationsstile

Große Unterschiede bestehen zwischen Italien und Deutschland in der Art zu kommunizieren. Deutsche pflegen häufig eine direkte und sachliche Ausdrucksweise. Sie sind jedoch in Gestik sowie Mimik und Körpersprache eher verhalten. Italiener kommunizieren im Allgemeinen emotionaler und expressiver. Dazu zählt auch ein simultanes Sprechen. Eine reiche nonverbale Kommunikation verstärkt in ihren Augen die Signalwirkung und fördert die Beziehungsentwicklung. Fehlen diese Elemente, wirkt auf Italiener der Kommunikationsstil meist hölzern und distanziert.

In Italien werden öfter als in Deutschland Komplimente ausgesprochen und auch gern angenommen. Deutsche reagieren auf Komplimente oft verlegen bis misstrauisch und werten die Botschaft mit einer Entschuldigung oder Erklärung ab. Eine solche Reaktion wird von italienischen Partnern häufig als Zurückweisung erlebt.

Deutsche zeigen ihr Interesse an einem Thema meist durch ein diszipliniertes Zuhören. Italiener hingegen signalisieren ihre Aufmerksamkeit und ihr Interesse, indem sie dem Redner immer wieder Zwischenfragen stellen. In der Anrede spielen Titel eine große Rolle. Jedem Akademiker gebührt ein „dottore“, „professore“ oder „ingeniere“. In Italien setzt sich die Intelligenz stärker von der Allgemeinheit als in Deutschland ab – auch durch eine elegante Kleidung. Eine gepflegte äußere Erscheinung trägt in Zusammenhang mit kultivierter sprachlicher Kommunikation stark zur Sympathiegewinnung bei. Insgesamt vollzieht sich der Informationsfluss in Italien vorwiegend mündlich. Das „telefonino“, also Mobiltelefon, unterstützt diese Neigung.

Andere Meetingkultur

Die Vorliebe für ein wortreiches Diskutieren und Argumentieren zeigt sich auch in Meetings. Während man sich in Deutschland in einer Besprechung an die vereinbarte Tagesordnung hält und die Themen linear nacheinander abarbeitet, hat in Italien eine Agenda eine ähnliche Bedeutung wie eine Speisekarte im Ristorante. Es ist schön, dass man sie zum Reinschauen hat, man möchte aber immer wissen: Was ist die Tagesempfehlung von heute?

Die Gespräche in Italien verlaufen eher zirkular. Ein ausgeprägtes assoziatives Denken führt schnell zu einer Erweiterung des Themenkreises, zu vielen Optionen für die Lösung sowie zu Vor- und Rückgriffen in der Themenbearbeitung. Ein spontanes Einladen von Gästen, das simultane Besprechen von Teilthemen in Mikrogruppen und ein häufiges Verlassen des Besprechungsraumes – „con permisso“ – sind in Italien durchaus die Norm.

Deutsche Gesprächsleiter haben bei gemischten Gruppen oft Mühe, die italienische Kommunikationsfreude mit ihren Vorstellungen von Versammlungsdisziplin zu vereinbaren. Ein solcher Versuch würde zudem das italienische Klischee von der rechthaberischen, wenig kommunikativen und kreativen deutschen Führungskraft stützen und negative Reaktionen provozieren. Im Allgemeinen zählt in Italien das Wort mehr als die Schrift. Beim Auslegen von Vereinbarungen, Kontrollen und Regeln lässt man Flexibilität und Großzügigkeit walten. Schriftliche Anweisungen werden als Aggression empfunden.

Small Talk schafft Verbindung

Kommunikation ist in Italien stärker als in Deutschland mit Essen und Trinken verbunden. Das zwanglose Gespräch über Kunst, Sport, Ferien sowie die Familie – bei einem Glas Wein und einem schmackhaften Mahl – dienen der Kontaktaufnahme und Beziehungspflege. Gern werden Familienphotos gezeigt.

In Deutschland werden in der Geschäftskommunikation politische und religiöse Themen eher gemieden, in Italien hingegen sind sie akzeptiert. Klischeehafte Themen wie Mandolinen, Mondschein und Mafia sollten für Deutsche im Small Talk mit Italienern aber tabu sein. Wichtig ist es, eine hohe Allgemeinbildung zu zeigen. Deutsche Geschäftsleute sollten im Gespräch mit Italienern nicht nur mit technischen Kenntnissen und beruflicher Erfahrung brillieren, sondern auch mittels ihres Wissens über Kunst und Kultur, Architektur und Design, Film und Literatur.

Mit dem hohen Wert von Beziehungspflege und Flexibilität geht in Italien ein anderes Zeitempfinden einher. Zwar gilt Pünktlichkeit auch in der italienischen Geschäftswelt als Ausdruck von Vertrauenswürdigkeit, allerdings ist in Italien die Toleranzgrenze höher als in Deutschland. Das bedeutet, man kann in Norditalien mit Anstand 20, in Rom 30 und in Neapel 45 Minuten später als vereinbart zu einer Verabredung kommen. Als höflich gilt es jedoch, die Verspätung telefonisch anzukündigen.

Italiener sind es gewohnt, auf engem Raum miteinander zu arbeiten. Diese Gewohnheit setzt sich im Kommunikationsverhalten fort. Während Deutsche durchschnittlich eine Körperdistanz von 1 bis 1,50 Meter in der beruflichen Kommunikation halten, kommen sich Italiener 0,80 Meter bis Schulterschluss nahe und pflegen auch Körperberührung, ohne sich bedrängt zu fühlen.

Insgesamt ergänzen sich Deutsche und Italiener in ihrem Kommunikationsverhalten gut – vorausgesetzt sie akzeptieren ihre teils unterschiedlichen Kommunikationsstile und sind bereit, aufeinander zuzugehen und voneinander zu lernen: die eine Seite Eloquenz, die andere Seite Präzision.

Führungskräfte sind Autoritäten

In Italien divergiert der Führungsstil ebenso von Unternehmen zu Unternehmen und von Führungskraft zu Führungskraft wie in Deutschland. Entsprechend problematisch sind pauschale Aussagen. Für deutsche und italienische Unternehmen gilt jedoch: Sie haben verglichen mit angelsächsischen und skandinavischen Unternehmen tendenziell eher eine ausgeprägte Hierarchie und ihre Führungskultur ist autoritär. Trotz dieser Gemeinsamkeiten lassen sich Unterschiede feststellen. So ist der Führungsstil im italienischen Management noch stärker als in Deutschland von der formalen Hierarchie geprägt; des Weiteren von patriarchalen (Denk-)Strukturen. Meist gilt die unausgesprochene Regel: Der „capo“, also Chef, hat immer recht und seine Anweisungen sind, ohne sie zu hinterfragen, zu befolgen. Bei Entscheidungen gilt sozusagen immer das Senioritätsprinzip.

In Italien fallen beim Besetzen von Führungspositionen weniger stark als in Deutschland Fachwissen und Expertenerfahrung ins Gewicht. Gefragt sind eher Generalisten mit Persönlichkeit. Persönliche Netzwerke spielen eine größere Rolle als in Deutschland.

Einmal in Position, müssen sich italienische Manager für ihre Mitarbeiter jederzeit als kompetente Ansprechpartner erweisen. Häufiges Fragen nach Information oder Erlaubnis gehören zur Norm. Aus deutscher Perspektive erscheint dies manchmal wie ein Mangel an Initiative. Im italienischen Kontext ist dies jedoch eine übliche Form, Kontakte und Beziehungen zu pflegen und Autoritäten den gewünschten Respekt zu erweisen.

Der persönliche Kontakt ist sehr wichtig

Insgesamt ist das Verhältnis Führungskraft-Mitarbeiter in Italien eher personenorientiert, während in Deutschland der Fokus eher auf der Aufgabe liegt. Italienische Manager führen vorwiegend im persönlichen Kontakt. Aufgrund der permanenten beziehungspflegenden mündlichen Kommunikation wird der tendenziell eher autoritäre Führungsstil weniger als solcher empfunden.

Italienische Führungskräfte motivieren ihre Mitarbeiter weitgehend über den persönlichen Kontakt zu ihnen. Die Umgangsformen sind eher informell und wenig bürokratisch. Italienische Führungskräfte lassen ihren qualifizierten Mitarbeiter in der Regel große Gestaltungsfreiräume. Sie führen weniger als deutsche Manager über vereinbarte Pläne und Ziele sowie Regeln, Normen und Standards. Daraus resultiert wiederum ein hoher Bedarf an Kommunikation zwischen den Führungskräften und ihren Mitarbeitern, um sich auf das Vorgehen zu verständigen.

Deutsche Führungskräfte schätzen an ihren italienischen Kollegen meist deren Kreativität und Improvisationstalent in Krisensituationen; italienische Führungskräfte hingegen bewundern an ihren deutschen Kollegen oft deren präzise Planung und Organisation sowie Termineinhaltung. Damit sind, wenn diese Stärken zu stark ausgeprägt sind, jedoch zugleich negative Klischeebilder verbunden: „italienisches Chaos“ und „deutsche Inflexibilität“. Entsprechend ambivalent ist vielfach das Bild, das „deutsche“ Führungskräfte von ihren italienischen Kollegen und umgekehrt haben.

Deutlich kann man jedoch feststellen: Die traditionellen Klischeebilder weichen zunehmend auf. Denn im Zuge der Globalisierung gleichen sich die Managementkulturen und Führungsstile in beiden Ländern an. Hinzu kommt: In beiden Ländern gelangen immer mehr Männer und Frauen in gehobene Führungspositionen, die ganz selbstverständlich ein, zwei Fremdsprachen sprechen und deren Identität und Lebensstil sich nicht nur aus nationalen, sondern auch internationalen Wurzeln speist. Auch dies trägt dazu bei, dass heute ein wechselseitiges Verstehen leichter möglich ist, als noch vor wenigen Jahrzehnten – zumindest wenn man trotz aller Gemeinsamkeiten der nationalen (Business-)Kulturen auch deren Unterschiedlichkeit wertschätzt und akzeptiert.

[Bild: amenasme – Fotolia.com]

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Über die Autoren
Dr. Susanne Müller

Dr. Susanne Müller ist Gründerin von Cross-Culture Publishing, Editions about Economy and Culture. Sie gibt eine länderspezifische Reihe zu „Wirtschaft und Kultur“ heraus.

AnschriftCross-Culture Publishing
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Telefon069 - 173 204 220
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Internetwww.cc-publishing.com
Ernesto Laraia

Ernesto Laraia ist Direktor des Bereichs „Internationale Personalentwicklung“ bei der Unternehmensberatung. Er war in 24 Kulturen in über 350 PE- und Change Projekten tätig und arbeitet in den Sprachen Deutsch, Englisch, Spanisch und Italienisch. Er lehrt an der KIT (Karlsruher Institute of Technology) Interkulturelles Projekt Management.

AnschriftDr. Kraus & Partner
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