Compliance4 Beispiele für einen Code of Conduct

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Ein Code of Conduct oder Verhaltenskodex gibt Verhaltensregeln in Unternehmen vor. Sie einzuhalten, unterliegt der freiwilligen Selbstverpflichtung.
erschienen: 17.10.2016
Schlagwörter: Compliance
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Ein Code of Conduct beziehungsweise Verhaltenskodex ist ein Teil der Corporate Social Responsibility (CSR) eines Unternehmens und eine Reaktion auf die Risiken, denen es ausgesetzt ist. Der Code of Conduct soll den Beschäftigten Handlungsorientierung geben beziehungsweise unerwünschte Handlungen vermeiden. Erwartet wird ein verantwortliches, ethisch korrektes und integres Verhalten von Beschäftigten sowie von Dritten wie Geschäftspartnern und Lieferanten, damit der Unternehmensruf nicht beschädigt wird.

StichwortCode of Conduct

Ein Code of Conduct ist ein Verhaltenskodex oder eine Zusammenfassung von Verhaltensregeln in Unternehmen. Er enthält die wesentlichen Werte und Grundüberzeugungen des Unternehmens. Die Einhaltung des Code of Conduct hat sich das Unternehmen als freiwillige Selbstverpflichtung auferlegt. Der Code of Conduct basiert auf den Unternehmensgrundsätzen und Visionen und bildet die Basis weiterer konkreter Richtlinien und Regelungen.

Worum es beim Code of Conduct inhaltlich geht

Unternehmen machen im Code of Conduct auf geltende Gesetze, Standards und rechtliche Risiken aufmerksam, die für sie relevant sind. Wie die Regelungen aus dem Code of Conduct im Einzelnen ins Detail gehen, kann sehr unterschiedlich sein. Gleiches gilt für Themen, die im Code of Conduct behandelt werden können. Inhaltlich geht es meist um folgende Bereiche:

  • Führung und soziales Miteinander

  • Umgang mit Dritten, wie Geschäftspartnern, Lieferanten und der Öffentlichkeit

  • Umgang mit Geschenken und Einladungen

  • Vergabe von Spenden und Entscheidungen über Sponsoring

  • Umgang mit Informationen, wie Geschäftsgeheimnissen und sensiblen Daten

  • Wirtschaftliches Handeln im globalem Kontext, wie Menschenrechte, Arbeits- und Sozialstandards

  • Verantwortung gegenüber der Natur und Ressourcen

Unternehmen, die im globalen Kontext agieren und die besonders in Entwicklungsländern aktiv sind, bekennen sich oft zu den international anerkannten Leitlinien internationaler Organisationen beziehungsweise internationaler Vereinbarungen. Dazu gehören:

  • Grundsätze der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte der Vereinten Nationen (UN)
  • Global Compact der Vereinten Nationen (Verhaltenskodex für eine globalisierte Wirtschaft)

  • OECD-Leitsätze für multinationale Unternehmen

  • Kernarbeitsnormen der Internationalen Arbeitsorganisation (ILO)

  • UN-Kinderrechtskonvention

  • UN-Konvention zur Beseitigung jeder Form der Diskriminierung von Frauen

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Prinzipien eines Code of Conduct

Die Prinzipien des Global Compact der Vereinten Nationen decken im Grunde die häufigsten Bereiche ab, die auch Unternehmen in ihrem eigenen Code of Conduct thematisieren:

  • Menschenrechte (entsprechen der Allgemeinen Erklärung der Menschenrechte): Schutz der Menschenrechte, keine Mitschuld an Menschenrechtsverletzungen

  • Arbeit (entsprechen den Prinzipien der ILO): Vereinigungsfreiheit schützen, Zwangsarbeit, Kinderarbeit und Diskriminierung abschaffen

  • Umwelt: Ökologisches und verantwortungsvolles Handeln unterstützen, umweltfreundliche Technologien fördern

  • Anti-Korruption: Korruption in allen Formen, einschließlich Erpressung und Bestechung vermeiden.

Für den Code of Conduct ist in größeren Unternehmen diejenige Abteilung verantwortlich, die auch für die Themen Corporate Social Responsibility (CSR) und Compliance zuständig ist. Gibt es einen Betriebsrat, wird dieser in die Erstellung des Codes of Conduct einbezogen. Involviert ist auch die Geschäftsleitung.

Der Umfang eines Verhaltenskodexes kann variieren: von ein paar Seiten bis zu über 40 Seiten, wie zum Beispiel bei Bertelsmann oder Shell. Die meisten Verhaltenskodizes thematisieren das erwünschte Verhalten untereinander, von Führungskräften und von Dritten wie Geschäftspartnern, Lieferanten und der Öffentlichkeit.

Beispiel Telekom: Verhalten untereinander

Der Code of Conduct der Telekom AG befasst sich zum Beispiel mit der Frage „Wie wollen wir arbeiten?“ Dafür hat der Konzern fünf Leitlinien entwickelt. Diese Leitlinien beschreiben, welches Handeln im Umgang mit Dritten und innerhalb des Unternehmens gewünscht ist.

Bei der Telekom lautet die Vision: „Wir wollen ein globaler Marktführer für vernetztes Leben und Arbeiten werden. Dabei haben wir den Anspruch, das bestangesehenste Dienstleistungsunternehmen der Branche zu werden.“

Das Ziel des Code of Conduct ist: Orientierung geben, wie in der täglichen Arbeit Vertrauen gerechtfertigt und gewonnen werden kann. Der Code of Conduct gibt auch Hinweise, was nicht getan werden darf, „um Vertrauen nicht leichtfertig aufs Spiel zu setzen.“

Beispiel DHL Group: Verhalten Dritten gegenüber

Für die Zusammenarbeit mit Geschäftspartnern weltweit formuliert die DHL Group in ihrem Code of Conduct Leitlinien für Integrität in der Geschäftspraxis. Das sind Leitlinien für folgende Bereiche:

  • Standards für Rechnungslegung und Berichtswesen

  • Verbot von Insidergeschäften

  • Interessenkonflikte

  • Fairer Wettbewerb

  • Bestechung und Korruption

  • Geschenke und Vorteile

  • Geldwäsche

  • Handelsbestimmungen

  • Datenschutz

Beispiel Bertelsmann: Umgang mit Informationen

Gegenstand im Code of Conduct des Medienunternehmens Bertelsmann sind auch diejenigen Gesetze und Regelungen, die für das Unternehmen zum Beispiel aufgrund seiner Produkte relevant sind.

Für Bertelsmann spielt der Umgang mit Informationen und geistigem Eigentum eine Rolle, weshalb dieser Aspekt auch im Code of Conduct festgehalten wird. Themen sind dabei unter anderem:

  • Unabhängigkeit der journalistischen Nachrichtenberichterstattung

  • Trennung von Werbung und redaktionellen Inhalten, keine irreführende Werbung

  • Umgang mit Privatsphäre, Informationen, Meinungen, Bildern

  • Schutz geistigen Eigentums

Beispiel Shell: Orientierungshilfe bei Entscheidungen

Der Code of Conduct von Shell etwa gibt den Beschäftigten mit einem kurzen Leitfaden oder einer Checkliste eine Orientierungshilfe für konfliktträchtige Entscheidungen. Im Zweifelsfall sollen die Beschäftigten Fragen beantworten wie:

  • Ist meine Entscheidung legal, ethisch korrekt, und steht sie im Einklang mit den Visionen, Werten und Regeln des Unternehmens?

  • Kann ich die Entscheidung im Sinne des Unternehmens und frei von anderen Interessen treffen?

  • Kann ich die Entscheidung mit eigenem Gewissen vereinbaren, kann sie der Überprüfung Dritter standhalten und ist sie vorbildlich für andere?

  • Habe ich potenzielle Risiken meiner Entscheidung verstanden und wird der gute Ruf des Unternehmens dadurch gewahrt?

Internationale und branchenübergreifende Codes of Conduct

  • Internationaler Handel: Vorgaben der Business Social Compliance Initiative (BSCI)
  • Einkauf, Supply Chain Management und Logistik: Verhaltensrichtlinie des Bundesverbands Materialwirtschaft, Einkauf und Logistik e.V. (BME)

  • Markenwirtschaft: Verhaltenskodex des Markenverbandes

  • Tourismusbranche: The Code.org schützt Kinder gegen Sextourismus

  • Für die Durchführung von Konferenzen: Berlin Code of Conduct

  • Universitäten: Nationaler Kodex für das Ausländerstudium an deutschen Hochschulen

Über die Autorin
Anette Rößler

Anette Rößler ist Redakteurin bei business-wissen.de. Die Sozialwissenschaftlerin schreibt neue Management-Handbuch-Kapitel, verantwortet Medienkooperationen sowie Leseraktionen und betreut den Online-Shop.

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