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Die erste AnstellungBewerbungstipps für (Hoch-) Schulabgänger

Die erste Stelle oder einen Ausbildungsplatz finden – das ist gerade in wirtschaftlich schwierigen Zeiten für (Hoch-) Schulabgänger oft nicht leicht. Denn dann können die Betriebe meist zwischen vielen guten Bewerbern auswählen. Damit es überhaupt zum Vorstellungsgespräch kommt, müssen schon die Bewerbungsunterlagen einen sehr guten Eindruck hinterlassen und den Personalchef überzeugen.
erschienen: 04.08.2009
Schlagwörter: Ausbildung, Bewerbung

Sie beenden demnächst Ihr Studium und möchten Ihre erste Stelle antreten? Oder Sie verlassen in absehbarer Zeit die Schule und wollen eine Ausbildung beginnen? Dann müssen Sie sich zunächst erfolgreich bewerben.

Das ist in wirtschaftlich schwierigen Zeiten nicht leicht. Dann buhlen nämlich meist viele Bewerber um die wenigen guten Stellen. Deshalb ist ein gutes Abschlusszeugnis allein noch kein Garant für einen Job – schließlich sind auch die Mitbewerber nicht ohne. Auch die Bewerbung muss einen Top-Eindruck hinterlassen, damit (Hoch-) Schulabgänger von Unternehmen überhaupt zum Vorstellungsgespräch oder Auswahlverfahren eingeladen werden.

Doch was unterscheidet eine Spitzen-Bewerbung von einer eher mittelprächtigen oder gar schlechten? „Oft entscheiden Kleinigkeiten darüber, ob die Unterlagen eines Bewerbers auf dem Stapel ‚sofort zurückschicken’ oder ‚einladen’ landen“, weiß Daniela Apel, Leiterin der Personalbetreuung bei der Bausparkasse Schwäbisch Hall, aus Erfahrung.

Online oder per Post bewerben?

Am Anfang jeder Bewerbung steht die Frage: Soll ich mich klassisch oder online bewerben? „Große Unternehmen bevorzugen – speziell bei Initiativbewerbungen – zunehmend Online-Bewerbungen, kleinere Betriebe hingegen das Zusenden der Unterlagen per Post“, sagt Regina Jekel-Drewelies, geschäftsführende Gesellschafterin bei Personalberatung Adensam, Ludwigshafen. Sie rät: „Informieren Sie sich vorab hierüber. Zum Beispiel auf der Firmen-Website oder durch einen Anruf.“

Sowohl beim klassischen Sich-Bewerben, als auch beim Online-Bewerben gilt es, einige Formalien zu beachten. „In der Betreffzeile des Anschreibens sollte zum Beispiel stehen, auf welche Stelle oder als was Sie sich bewerben“, erklärt Jekel-Drewelies – also beispielsweise „Bewerbung um einen Ausbildungsplatz als Bankkauffrau im Jahr 2009“. Das erleichtert dem Unternehmen das richtige Einordnen der Bewerbung.

Verzichten sollten Bewerber möglichst auf die allgemeine Anrede „Sehr geehrte Damen und Herren“. „Am Besten schreiben Sie den verantwortlichen Mitarbeiter direkt an“, rät Daniela Apel von Schwäbisch Hall. Und wenn Bewerber dessen Namen nicht kennen – zum Beispiel, weil sie sich initiativ bewerben? „Dann rufen Sie einfach kurz beim Unternehmen an oder schauen Sie auf dessen Homepage nach.“

Aussagekräftige Anschreiben verfassen

Generell gilt: Bewerber sollten sich auf das Verfassen des Anschreibens gut vorbreiten. Denn damit wollen sie sich verkaufen – mit ihren Stärken. Deshalb sollten sie vorab zum Beispiel Bekannte fragen: „Was sind meine Stärken? Was zeichnet mich aus?“ Dann fällt es ihnen leichter, im Anschreiben ihre realen Vorzüge zu schildern. Denn ein Schummeln und Allzu-dickes-Auftragen bringt beim Sich-Bewerben meist wenig, weiß Regina Jekel-Drewelies aus praktischer Erfahrung. „Die Gesprächpartner merken in den Vorstellungsgesprächen schnell, ob jemand zum Beispiel wirklich ein kommunikativer Typ ist oder nicht.“

Ein Anschreiben sollte zudem „aussagekräftig“ sein, betont Guido Wambold, Personalleiter beim Pumpen- und Armaturenhersteller KSB in Frankenthal – „damit der Empfänger ihm entnehmen kann, ob der Bewerber ein interessanter Kandidat ist“. Es sollte aber nicht zu lang sein. Speziell bei (Hoch-) Schulabgängern, die sozusagen ihren ersten Job suchen, sollte das Anschreiben nicht länger als eine Seite sein. „Packen Sie alles, was Sie sonst noch zu sagen haben, in die Anlagen“, rät Wambold.

Bewerber sollten das Anschreiben nicht mit einer Floskel wie „Hiermit bewerbe ich mich ...“ oder „Mit Interesse las ich Ihre Stellenanzeige ...“ beginnen. Diese Formulierungen haben Personalprofis schon 100- oder gar 1000-fach gelesen. Also fangen sie bei ihnen innerlich an zu gähnen. „Wählen Sie einen individuellen Einstieg“, empfiehlt Apel. „Zum Beispiel: ‚Letztes Jahr absolvierte ich ein Praktikum bei einer Bank. Der Umgang mit Kunden hat mir gefallen. Deshalb ...’ Oder: ‚Während meines Studiums befasste ich mich auch intensiv mit dem Thema Wirtschaftsinformatik für Finanzdienstleistungen. Daher möchte ich ...’"

Floskeln und Leerformeln vermeiden

Nach dem Einstieg sollten Stellensucher kurz darlegen, warum sie sich gerade beim angeschriebenen Unternehmen bewerben und was sie an der Stelle oder Ausbildung reizt.

Danach sollten sie erläutern, warum sie aus ihrer Warte der richtige Kandidat sind. „Am einfachsten gelingt ihnen dies, wenn sie zunächst auf einem separaten Blatt Papier notieren: Welche Anforderungen werden in der Stellenanzeige an den künftigen Mitarbeiter gestellt?“, rät Heike Töllner, zuständig für die Ausbildungskoordination beim Hard- und Softwareunternehmen Höft & Wessel, Hannover.

Anschließend sollten die Bewerber im Anschreiben darlegen, warum sie diese erfüllen – „jedoch ohne die in Stellenanzeigen häufig verwendeten Floskeln innovativ, teamfähig und dynamisch zu verwenden“, empfiehlt Jekel-Drewelies. „Schreiben Sie lieber: ‚Mir macht das Zusammenarbeiten mit anderen Menschen Spaß.’ Oder: ‚Ich arbeite mich gerne in neue Aufgaben ein.’ Das vermittelt dem Leser ein viel schärferes Bild davon, was für ein Typ Sie sind.“

Mit einem so individuellen Anschreiben haben Bewerber weit größere Chancen, eingeladen zu werden, als mit einem Standardschreiben. Erfahrene Personaler erkennen meist sofort: Bei diesem Anschreiben hat der Absender nur den Adressaten ausgetauscht und ein bis zwei Sätze angepasst. Außerdem schleichen sich gerade in solche Schreiben oft Flüchtigkeitsfehler ein. So sind die Unternehmen zum Beispiel immer wieder überrascht darüber, wie oft in der Anrede ein falscher Name steht.

Rechtschreibung und Vollständigkeit checken

Manche Bewerbungen strotzen zudem von Rechtschreib- und Grammatikfehlern. „Lassen Sie Ihr Anschreiben, bevor Sie es unterschreiben und absenden, nochmals von ein, zwei Personen Korrekturlesen“, rät deshalb Guido Wambold.

Ein weiteres Manko: „Oft sind auch die beigefügten Unterlagen unvollständig“, bemängelt Heike Töllner. „Was Bewerber auf alle Fälle außer dem Anschreiben und Lebenslauf ihrer Bewerbung beifügen sollten, sind Kopien des letzten Schulzeugnisses oder des Diplomzeugnisses sowie, falls vorhanden, der Arbeitszeugnisse und Praktikumsbescheinigungen.“

Hinzufügen können sie auch Zertifikate, die ihnen spezielle Kenntnisse bescheinigen. So kann zum Beispiel eine Person, die sich als Speditionskaufmann bewirbt, ihrer Bewerbung durchaus einen Nachweis über den Besuch eines Italienisch-Kurses beilegen. „Auch eine Bescheinigung darüber, dass jemand eine Jugendgruppe im örtlichen Sportverein leitet, rundet das Profil ab“, erklärt Apel. „Denn das zeigt: Der Bewerber geht gern mit anderen Menschen um und ist sozial aktiv.“ Auf keinen Fall sollten Stellen- oder Ausbildungsplatzsuchende ihrer Bewerbung aber alle möglichen Testate beilegen. Auswahlkriterium sollte sein: Was hilft dem Unternehmen bei seiner Entscheidung, mich einzuladen?

Noch ein Wort zum Thema Bewerbungsfotos

Bewerber sind spätestens seit der Verabschiedung des Gleichstellungsgesetzes nicht mehr verpflichtet, ihrer Bewerbung ein Foto beizufügen. „Die meisten Betriebe legen hierauf aber Wert“, weiß Personalberaterin Jekel-Drewelies. „Tun Sie ihnen also diesen Gefallen.“ Bedenken sollten Bewerber dabei aber: Wenn der Personaler ihre Mappe aufschlägt, fällt meist sein erster Blick auf das Foto. Und ein Bild hinterlässt einen stärkeren Eindruck als jede schriftliche Aussage. Deshalb sollten Bewerber nur von Profis erstellte Fotos verwenden; des Weiteren Fotos, die sie in einer der angestrebten Position angemessenen Kleidung zeigen. Jekel-Drewelies: „Mit Fotos, auf denen sie ein ärmelloses T-Shirt tragen, können sie eventuell im SchülerVZ oder StudiVZ punkten, bei Bewerbungen aber nicht.“

[Bild: Digitalpress - Fotolia.com]

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