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Drohende EntlassungswelleUnternehmen sind schlecht vorbereitet

Fast jedes zweite Unternehmen hat keine Erfahrung mit betriebsbedingten Kündigungen oder sind dafür nicht ausreichend gewappnet. Auf die Personalabteilungen kommen ganz neue Aufgaben zu.
erschienen: 30.10.2009

55 Prozent der Unternehmen geben an, betriebsbedingte Kündigungen nur noch maximal ein halbes Jahr aufschieben zu können. Das ergab die Studie „Management von Personalveränderungsprozessen“ der Managementberatung Kienbaum unter fast 200 Unternehmen aus DAX, MDAX, TecDAX und großen Mittelständlern. Max Scholz, Restrukturierungsexperte und Partner bei Kienbaum, sagt:

„Die Wirtschaftskrise setzt die HR-Bereiche unter erheblichen Handlungsdruck. Gerade mittelständische Unternehmen sind jedoch auf die in vielen Firmen anstehenden Entlassungen schlecht vorbereitet.“

Betriebsbedingte Kündigungen werden kommen

Bislang konnten die meisten befragten Unternehmen betriebsbedingte Kündigungen noch vermeiden: Zwar haben 90 Prozent bereits Personal abgebaut, aber 98 Prozent davon haben dies bislang noch mit sozialverträglichen Maßnahmen geschafft. Scholz sagt:

"Grundsätzlich haben die Unternehmen aus der Kündigungswelle in der New Economy Krise 2001 und 2002 gelernt. Damals haben sie voreilig und unreflektiert Personal abgebaut, das sie später zum Teil wieder teuer neu einkaufen mussten. Deshalb versuchen Unternehmen jetzt, Personalanpassungen so weit wie möglich sozialverträglich zu lösen. Dennoch werden diese Maßnahmen bei anhaltend schlechter Konjunktur für viele Unternehmen nur eine Übergangslösung sein.“

Steuerungssysteme und Frühwarnindikatoren fehlen häufig

Viele Unternehmen haben kaum geeignete Steuerungssysteme, Frühwarnindikatoren oder Kennzahlen, um den Personalabbau optimal zu managen. Lediglich die Hälfte der befragten Unternehmen verfügt über mehrere Präventivmaßnahmen, mit deren Hilfe sie schnell auf kurzfristige Personalanpassung reagieren kann.

Nur knapp 50 Prozent der Studienteilnehmer hat bereits ein Risikomanagementsystem für Personalveränderungsprozesse implementiert. Immerhin mehr als 70 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über ein Controlling der finanziellen Auswirkungen über Kapazitäts-  und Auslastungsanalyseverfahren. Darüber hinaus setzt eine Mehrheit der Unternehmen Stimmungsbildanalysen der Belegschaft ein. Laut dem Restrukturierungsexperten Scholz fehle in vielen Unternehmen jedoch eine aktuelle und konsistente Datenbasis, um ein funktionierendes Risikomanagement zu etablieren.

Große Unternehmen sind gut auf Entlassungen vorbereitet

Die DAX-Unternehmen sind im Vergleich zum Mittelstand gut auf die Personalveränderungsprozesse vorbereitet: Insbesondere Großkonzerne haben in den vergangenen Jahren Maßnahmen und Systeme zur kurzfristigen Personalanpassung entwickelt. Großunternehmen verfügen außerdem über ein erfahrenes Projektmanagement. Hier sind die Personalabteilungen in der Lage, solche Prozesse eigenständig abzuwickeln. Zudem haben alle befragten Unternehmen der DAX-Gruppe ein Risikomanagementsystem für Personalveränderungsprozesse implementiert, deren einzelne Bestandteile jedoch meist nicht vernetzt sind.

Mittelstand ist schlecht gewappnet

Vor allem der Mittelstand ist jedoch schlecht auf die anstehenden Entlassungen vorbereitet. Dort kommt erschwerend hinzu, dass viele Personalabteilungen zu wenig Kapazität und Know-how für den Personalabbau haben. Beispielsweise stimmen nur 30 Prozent der mittelständischen Firmen ihre Geschäftsstrategie mit ihrer Personalstrategie ab. HR-bezogene Risikomanagementsysteme sind im Mittelstand fast überhaupt nicht implementiert.

Automobilindustrie ist gerüstet für Personalabbau

Die krisengeplagte Automobilindustrie ist hingegen gut für den anstehenden Personalabbau gewappnet: 82 Prozent der befragten Unternehmen verfügen über kurz-, mittel- und langfristige Steuerungsmaßnahmen im HR-Bereich. Die Mehrheit ist noch in der Lage, den Personalabbau sozialverträglich abzufedern. Nachholbedarf hat die Automobilbranche beim Risikomanagement: Nur knapp die Hälfte der Unternehmen verfügt über ein implementiertes Risikomanagementsystem.

Unternehmen haben Nachholbedarf beim Change Management

Nur die Hälfte der Mittelständler holt sich externe Change Management-Expertise ins Haus, um die Restrukturierungsmaßnahmen zu begleiten, oder verfügt selbst über solches Know-how. Ebenso wenige Unternehmen kommunizieren diese Maßnahmen gezielt nach innen und außen. Auch hier sind Konzerne besser aufgestellt: 90 Prozent der befragten Großunternehmen verfügen über interne Change Management-Einheiten oder arbeiten mit externen Change Management-Experten zusammen und kommunizieren Veränderungen professionell nach innen und außen. Die meisten befragten Unternehmen sehen jedoch noch Verbesserungspotenzial bei Schnelligkeit und Umfang der Kommunikation an ihre Mitarbeiter.

[po; Quelle: Kienbaum; Bild: ceesHorizon Arts - Fotolia.com]