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e-CrimeMilliardenschäden durch Computerkriminalität

Unter e-Crime versteht man wirtschaftskriminelle Handlungen unter Einsatz von Computer- oder Kommunikationssystemen. Diese halten die Mehrzal der Unternehmen für eine große Gefahr.
erschienen: 06.09.2010
Schlagwörter: Risikomanagement

Unter e-Crime werden wirtschaftskriminelle Handlungen unter Einsatz von Computer- oder Kommunikationssystemen verstanden. Mit der zunehmenden Präsenz solcher Systeme in unserer Unternehmenswelt und der voranschreitenden globalen Vernetzung wachsen auch die Angriffsflächen der Unternehmen. KPMG-Partner Alexander Geschonneck, Leiter des Bereichs Forensic Technology sagt:

"Vor allem dort, wo es viel zu holen gibt, treten die häufigsten Delikte auf. Wertvolle Konstruktionsunterlagen können mit dem Handy abfotografiert, Millionen von Kunden- und Mitarbeiterdaten ausgespäht und bequem auf einem USB-Stick oder einem iPod in der Westentasche transportiert werden."

Häufigstes Delikt ist der Diebstahl von Kunden- oder Arbeitnehmerdaten. 61 Prozent der von e-Crime betroffenen Unternehmen waren in den letzten drei Jahren Opfer von Datenraub. Ein weiteres hohes Risiko ist mit dem Diebstahl von geschäftskritischem Know-how verbunden: Jedes zweite Unternehmen (52 Prozent) war davon betroffen.

Enorme Schadenshöhen

Erstmals wurde in dieser Studie eine differenzierte Betrachtung der Schadenshöhen vorgenommen. Anders als in früheren Untersuchungen wurden nicht nur Angaben zu Schäden durch Systemausfälle gemacht, sondern auch der betriebswirtschaftliche Verlust beziffert. Geschonneck sagt:

"Wir kommen zu dem Schluss: Der Schaden, der der deutschen Wirtschaft pro Jahr durch Computerkriminalität entsteht, geht sogar in den zweistelligen Milliardenbereich und liegt damit deutlich höher als bisher angenommen."

Die in der KPMG-Studie ermittelten Schadenshöhen bei e-Crime-Delikten können pro Einzelfall viele Millionen Euro betragen. Das gilt vor allem für die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten, das Ausspähen von geschäftskritischen Unternehmensinformationen und Datendiebstahl. Geschonneck meint:

"Für ein mittelständisches Unternehmen kann dies das Ende seiner Existenz bedeuten."

Der Täter im eigenen Haus

Bisher ging man davon aus, dass die größte Gefahr vom Spion aus dem Ausland droht. Alexander Geschonneck sagt:

"Dieses Bild haben die befragten Unternehmen deutlich korrigiert: 70 Prozent nennen in erster Linie ehemalige Mitarbeiter oder Insider als Risikogruppe."

Laut Umfrage kamen in 48 Prozent der von e-Crime-Fällen tatsächlich betroffenen Unternehmen die Täter aus dem eigenen Haus. In 24 Prozent der Fälle waren es sonstige Insider. Insbesondere die folgenden Delikte werden von Mitarbeitern verübt:

  • Datendiebstahl beziehungsweise Verletzung von Geschäfts- und Betriebsgeheimnissen (jeweils 62 Prozent),
  • Erpressung (60 Prozent), Manipulation von Finanzdaten (58 Prozent) und
  • Betrug (55 Prozent).

Unbekannte Dritte sind an 47 Prozent der e-Crime-Delikte beteiligt. Sie sind vor allem verantwortlich für Wirtschaftsspionage (70 Prozent), für die Verletzung von Schutz- und Urheberrechten (56 Prozent), für Computersabotage (ebenfalls 56 Prozent) oder für das Ausspähen bzw. Abfangen von Daten (55 Prozent).

Das Angriffsrisiko aus fremden Ländern ist in den einzelnen Branchen sehr unterschiedlich. Als nach wie vor durch aufstrebende Wirtschaftsmächte besonders gefährdet, müssen exportintensive Bereiche wie der Maschinenbau, die Automobilindustrie sowie die Elektronik- und Softwarebranche gelten. In der Umfrage werden als Gefahrenquelle vor allem China (89 Prozent) und Russland (69 Prozent) genannt; zu ähnlichen Einschätzungen kommt auch das Bundesministerium des Innern.

Nur jeder zweite Täter wird überführt

Die KPMG-Studie hat ergeben, dass es nur in gut der Hälfte der Fälle gelingt, die Täter zu ermitteln - unabhängig von Unternehmensgröße und Branche. Alexander Geschonneck:

"Damit bleibt die abschreckende Wirkung einer hohen Aufklärungsquote auf der Strecke."

Allerdings: Wenn Fälle aufgedeckt werden, dann werden sie auch konsequent sanktioniert. So haben 64 Prozent der von Computerkriminalität betroffenen Unternehmen Delikte zur Anzeige gebracht, bei Großunternehmen lag die Quote sogar bei 72 Prozent.

Prävention hinkt hinterher

86 Prozent der Unternehmen beklagen, dass die Angriffe aus dem Netz immer komplexer werden und die Spur immer seltener zum Täter zurückverfolgt werden kann. Alexander Geschonneck meint:

"In den letzten Jahren hat sich viel getan: Firewalls und Antivirenprogramme als Standardschutz halten die e-Crime Täter längst nicht mehr fern. Der größte Schaden entsteht allerdings, wenn die Angriffe ganz gezielt auf relevante Geschäftsbereiche und sensible Daten ausgerichtet sind - und dazu gehört in den meisten Fällen eine gehörige Portion Insiderwissen um die wirklichen Schätze im Unternehmen."

Um die Gefahren abzuwehren, wurde trotz Finanz- und Wirtschaftskrise viel in die IT-Sicherheit investiert. Im Durchschnitt haben die befragten Unternehmen ihre Stellen in diesem Bereich in den vergangenen zwei Jahren um 50 Prozent aufgestockt. Maßnahmen zur Sensibilisierung der Mitarbeiter sind heute fast überall gang und gäbe. Aber nicht einmal jedes zweite Unternehmen (48 Prozent) überprüft regelmäßig, ob die Verhaltensregeln auch tatsächlich eingehalten werden. Laut Geschonneck sei das ein Alarmzeichen. Zwar sei das Wissen um die mit e-Crime verbundenen Risiken in den Führungsetagen der Unternehmen angekommen. Aber bei Prävention, Aufklärung und Reaktion gäbe es noch erhebliche Defizite.

Um das Risiko und den Schaden durch e-Crime-Delikte möglichst gering zu halten, empfiehlt er den Unternehmen vor allem, den potenziellen Innentäter in das Schutzkonzept einzubeziehen. Da, wo der interne Zugriff auf geschäftskritisches Know-how möglich ist, müssen gesonderte Schutzmaßnahmen her. Außerdem sollten regelmäßige Kontrollmaßnahmen durchgeführt werden; mit Hilfe von Notfalltests sowie Schulungs- und Kommunikationsmaßnahmen kann das Bewusstsein aller Mitarbeiter, Geschäftspartner und Kunden geschärft werden. Klar definierte Prozesse im Unternehmen können helfen, auf einen e-Crime Verdacht oder auf konkrete Vorfälle schnell und professionell zu reagieren.

Zur Studie

Das Emnid-Institut befragte im Auftrag der Wirtschaftsprüfungs- und Beratungsgesellschaft KPMG 500 Führungskräfte aus Unternehmen aller Größenklassen und Branchen. Etwa ein Drittel davon sind mittelständische Unternehmen. Mehr zur Studie finden Sie hier:

"e-Crime-Studie 2010 - Computerkriminalität in der deutschen Wirtschaft"

[Quelle: KPMG; Bild: Fotolia.com]

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