Empty-Desk-SyndromRuhestand. Was nun?

© Blend Images - Fotolia.com
Führungskräfte verlieren in der Rente Status und Anerkennung. Dies wird oft zur seelischen Belastung. Doch es gibt Chancen, sich neu zu positionieren und den Draht zum Unternehmen zu halten.
erschienen: 13.01.2015
(1 Bewertung)

Menschen, die in den Ruhestand wechseln, können vom so genannten Empty-Desk-Syndrom betroffen sein. Diesem Syndrom kann man mit richtiger Prävention entgegenwirken.

StichwortEmpty-Desk-Syndrom

Der Übergang in den Ruhestand kann mit psychischen Problemen verbunden sein, die durch den Verlust von sozialen Funktionen entstehen. Als Empty-Desk-Syndrom bezeichnet man das Gefühl der Leere, das nach Beendigung der Erwerbszeit auftreten kann.

Der Begriff Empty-Desk-Syndrom ist an den Begriff Empy-Nest-Syndrom angelehnt. Das Empty-Nest-Syndrom beschreibt einen bedrückten Zustand in der Familie nach dem Auszug des letzten Kindes. Das Haus ist leer, die Eltern – vor allem Mütter – empfinden die Trennung von dem Kind als Verlust einer Lebensaufgabe und damit ihres Lebenssinns. Mit diesem Verlust verbunden sind Selbstzweifel, Zukunftsängste, häufig auch Depressionen.

Ähnliche Symptome lassen sich bei einigen Menschen beobachten, die in den Ruhestand gehen. Denn auch dieses Lebensereignis bedeutet eine gravierende Veränderung des Alltags und des Selbstverständnisses – und kann deshalb kritisch sein.

Der Ruhestand kann Krisen auslösen

Viele Menschen warten auf das Ende der Erwerbsarbeit und freuen sich auf das Mehr an Zeit, die sie dadurch für die eigenen Bedürfnisse gewinnen. Doch nicht immer verläuft der Anpassungsprozess reibungslos. Erwerbsarbeit ist mehr als nur eine Einkommensquelle. Arbeit erfüllt wichtige Funktionen, wie Strukturierung des Alltags, Pflege sozialer Kontakte, gesellschaftliche Anerkennung, Erleben persönlicher Kompetenz. Einigen fällt es schwer, im Leben ohne tägliche Beschäftigung diese Faktoren zu kompensieren. Es entsteht ein Gefühl der Leere und der eigenen Bedeutungslosigkeit.

Nicht selten gerät die Paarbeziehung in eine Krise, da Partner die Veränderungen unterschiedlich erleben und die Vorstellungen von der neuen Lebensphase auseinandergehen. Das Zusammenleben in der veränderten Situation muss zwischen Partnern neu ausgehandelt werden.

Im Ruhestand verlieren Führungskräfte ihre Statussymbole

Besonders betroffen sind Personen mit hohem Erwerbsstatus. Diese definieren sich häufig über ihre berufliche Stellung und erleben den Verlust der Einflussmöglichkeiten als Scheitern. Viele Führungskräfte haben ein starkes Bedürfnis nach Anerkennung, Macht und Leistung. Dieses Bedürfnis in der Zeit des Ruhestands in gleichem Maße wie im Beruf zu befriedigen, ist nahezu unmöglich. Außerdem ist der Arbeitsplatz für viele Führungskräfte das Zentrum des sozialen Lebens. Da für Freundschaften außerhalb der Arbeit kaum Zeit bleibt, werden Kollegen zu Freunden, in der Freizeit werden berufliche Kontakte häufig weiter gepflegt – Golf mit dem Vorstand, Essen mit Kunden. Mit Beendigung der Erwerbstätigkeit fallen all diese Verpflichtungen weg.

Ernüchtert stellen Pensionierte fest, dass Statussymbole, auf die sie früher nicht viel Wert gelegt haben, doch eine wichtige Rolle spielten und ihr Verlust schmerzt. Sei es der Firmenwagen, die Clubmitgliedschaft oder die Kleidung, oft ist es einem nicht bewusst, wie wichtig diese Merkmale der Zugehörigkeit zu einer bestimmten gesellschaftlichen Schicht im Alltag sind. War man früher der Geschäftsführer, Vorstand oder Unternehmer, ist man nun nur noch Rentner: Für jemanden, der viel Energie in den beruflichen Erfolg investiert hat, ist das ein gesellschaftlicher Absturz.

Neue Aufgaben strukturieren den Tag

Der Betroffene muss sich rechtzeitig auf die anstehende Veränderung vorbereiten. Meist wird die Auseinandersetzung mit dem Thema „Ausscheiden aus dem Berufsleben“ aufgeschoben. Rentner in spe sollten bereits während der Erwerbszeit genügend Distanz zum Beruf gewinnen und nach interessanten Freizeitbeschäftigungen Ausschau halten. Es ist wichtig, sich bewusst zu machen, dass das Leben im Ruhestand kein langer Urlaub ist, bei dem man sich einfach die Zeit vertreibt. Man braucht neue Herausforderungen, die Geist und Körper fordern, und neue Aufgaben, die den Tag strukturieren.

Natürlich sollen die neuen Aufgaben Freude machen und zur Persönlichkeit passen. Der Betroffene kann analysieren, worin er Erfahrung hat, was er gerne macht und was ihm wichtig ist. Daraus können sich spannende, erfüllende Aufgaben ergeben.

Beispiele für Enagagement im Ruhestand

  • Macht und Anerkennung sind mir wichtig.
    Werden Sie Vorstand einer Stiftung oder eines Vereins.
  • Ich will meine Erfahrungen weitergeben.
    Sie können sich als ehrenamtlicher Experte bei Institutionen wie dem „Senior Experten Service“ engagieren, als Mentor für Startups tätig oder ein Business Angel werden.
  • Ich kann gut mit jungen Leuten.
    Fangen Sie bei einem Nachhilfeinstitut als Tutor an.
  • Ich muss raus, sonst fällt mir die Decke auf den Kopf.
    Engagieren Sie sich ehrenamtlich in der Gemeinde oder in der Kirche.
  • Ich kann gut mit Zahlen.
    Werden Sie Kassenwart in einem Verein.
  • Ich will anderen helfen.
    Engagieren Sie sich für Flüchtlinge, Obdachlose, Asylsuchende.
  • Ich bin politisch interessiert.
    Sie können bei „Engagement Global“ mitarbeiten, eine Bürgerinitiative gründen, oder sich in einer Partei engagieren.
  • Ich kann gut mit Kindern.
    Betreuen Sie Nachbarskinder oder machen Sie bei Projekten von Kindergärten und Elterninitiativen mit.
  • Ich bin ein sportlicher Typ.
    Machen Sie Wandertouren, trainieren Sie auf ein Halbmarathon, probieren Sie exotische Sportarten wie Fechten, Aikido oder Woyo aus.
  • Ich denke überhaupt nicht ans Aufhören.
    Machen Sie sich selbstständig, nutzen Sie Ihr Know-how, indem Sie zum Beispiel ein Beratungsunternehmen gründen.
  • Ich bin neugierig, Lernen macht mir großen Spaß.
    Sie können ein Studium beginnen, sich in ein interessantes Fachgebiet einarbeiten oder eine neue Sprache lernen.
  • Ich bin kreativ und möchte die schönen Dinge des Lebens genießen.
    Schreiben Sie einen Blog zum Thema Kultur in der Region, machen Sie bei einer Theatergruppe mit, schließen Sie sich einer Musikgruppe oder einem Chor an.

Unternehmen können den Übergang erleichtern

Unternehmen können helfen, den Übergang in den Ruhestand zu erleichtern. Wichtig ist, den Mitarbeiter spüren zu lassen, dass er ein Teil der Firma bleibt und sein Beitrag zum Unternehmenserfolg anerkannt wird. Durch folgende Schritte können Unternehmen Zugehörigkeit und Dankbarkeit ausdrücken:

Leistungen würdigen

Abschiedsfeier für den scheidenden Mitarbeiter organisieren und dort seinen Beitrag zum Unternehmenserfolg darstellen.

Leistungen öffentlich machen

Das Profil des ehemaligen Mitarbeiters auf der Unternehmenswebseite präsentieren und dort seine Leistungen für das Unternehmen beschreiben.

Auf dem Laufenden halten

Den Mitarbeiter auch während seines Ruhestands ins betriebliche Geschehen einbeziehen, indem ihm zum Beispiel die Betriebszeitschrift oder der Unternehmensnewsletter zugeschickt wird. Zudem kann er auch zu betrieblichen Veranstaltungen eingeladen werden.

Beratend hinzuziehen

Den Mitarbeiter zu ausgewählten Projekten beratend hinzuziehen, wenn man der Ansicht ist, dafür sein Know-how nutzen zu können.

(1 Bewertung)  Artikel bewerten
Über die Autorin
Alexandra Neidhardt
Anschriftb-wise GmbH
Bismarckstraße 21
76133 Karlsruhe
Telefon+49 721 183970
E-Mailredaktion@business-wissen.de
Internetwww.business-wissen.de