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Entspannt am ComputerBildschirmarbeit braucht nicht ins Auge gehen

Wer viel am PC arbeitet, braucht einen Ausgleich. Tun Sie Ihrem Körper und Ihren Augen etwas Gutes!
erschienen: 30.11.2010
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Welcher PC-Nutzer kennt es nicht: müde, trockene Augen und einen verspannter Nacken nach mehreren Stunden vor dem Rechner, sind für viele Menschen alltäglich. Das statische Sitzen und der starre Blick zum Monitor belasten auf Dauer Wohlbefinden und Gesundheit. Untersuchungen haben gezeigt, dass beispielsweise der Lidschlag durch die hohe Konzentration von durchschnittlich etwa 20 Lidschlägen pro Minute auf 5 bis 7 und bei Computerspielen sogar bis auf 0 bis 2 pro Minute sinkt. Die Hornhaut wird schlechter versorgt und sogar die Sehschärfe lässt etwas nach.

Wer viel Zeit am Computer verbringt, sollte beachten, dass der menschliche Organismus nur bei ausreichend Bewegung gut und beschwerdefrei funktioniert. Damit die Augen entspannt bleiben, brauchen auch sie genügend Bewegung und Abwechslung. Die visuelle Wahrnehmung ist, wie viele organische Prozesse, polar angelegt. Die Augen unterscheiden hell und dunkel oder stellen sich auf die Nähe beziehungsweise Ferne ein. So wie das Atmen, brauchen auch die Augen den Wechsel zwischen diesen Polen. Der Körper benötigt zwar laufend Sauerstoff, dennoch man kann nicht ununterbrochen einatmen. Genauso ist es nicht möglich über lange Phasen Details in der Nähe zu fokussieren, ohne dass die Augen ermüden. Doch genau das erfordert der Blick zum Monitor.

Drastische Beispiele für die Folgen einer dauerhaften Beanspruchung der Augen durch Computer, Lesen und Fernsehen finden wir in den südostasiatischen Ländern. In Taiwan beispielsweise sind 80 Prozent der Oberschüler kurzsichtig. An den städtischen Universitäten in Japan tragen 9 von 10 Studenten eine Brille. Diagnose: Kurzsichtigkeit.

Prof. Dr. Frank Schaeffel von der Universität in Tübingen hat schon in den 90er Jahren in mehreren Studien nachgewiesen, dass ein dauerhafter Blick im Nahbereich das Längenwachstum des Auges stimuliert - das heißt kurzsichtig macht - und der Blick in die Ferne dieses Längenwachstum hemmt. Fazit: es ist unnatürlich für die Augen stundenlang in die gleich Richtung und in die gleiche Entfernung zu starren. Sie werden auf Dauer schlechter.

Um Sehbeschwerden und eine nachlassende Sehkraft durch die Beanspruchung bei der Computertätigkeit zu vermeiden, lohnt es sich einige Regeln zu beachten. Denn die Belastung lässt sich durch zwei Faktoren verringern:

  1. das richtige Sehverhalten und
  2. eine augenfreundliche Arbeitsplatzgestaltung.

Augenbewegung

Damit das Bild beim Blick auf den Monitor scharf gesehen wird, machen die Augen bis zu 60 mikroskopisch keine Blickbewegungen (sog. Microsaccaden) pro Sekunde. Je mehr Bewegungen stattfinden, desto besser ist die Wahrnehmung im Gehirn. Am PC ermüden die Augenmuskeln mit der Zeit und der Blick fühlt sich starr an. Trockenheit, Brennen und Rötungen in den Augen können vermieden werden, wenn man die Augen zwischendurch in alle Richtungen bewegt. Die Augenmuskeln lockern und entspannen sich dabei.

Detailsehen

Scharfe Bilder erkennt das Auge nur auf einem winzigen Teil der Netzhaut, auf der Stelle des schärfsten Sehens (Fovea centralis). Sie ist etwa so groß wie die Spitze einer Stecknadel und wird bei der Computerarbeit mit der Zeit überbeansprucht. Zum Ausgleich hilft es, zwischendurch bewusst das gesamte Umfeld wahrzunehmen. Die Augen entspannen sich, die restliche Netzhaut wird angeregt. Häufig kommt es spontan zu einer tieferen Atmung.

Nahsicht

Die Bildschirmentfernung befindet sich für die Augen im mittleren Nahbereich. Um auf diese Entfernung scharf zu stellen, braucht die Linse eine gewisse Spannung. Auch der Ringmuskel (Ziliarmuskel) der die Linse in der notwendigen Position hält, ist beim Sehen in der Nähe angespannt. Der Spannungszustand bleibt so lange aufrecht, wie der Blick auf den Nahbereich gerichtet ist. Wer regelmäßig den Blick vom Monitor löst und in die Ferne schaut, beugt der Entwicklung beziehungsweise dem Fortschreiten von Kurzsichtigkeit vor. Bei Blick in mindestens sechs Meter Entfernung ist das Auge völlig entspannt.

Ergonomietipps für die Augen

  • Bildschirmposition: Ein 17 bis 19-Zoll-Monitor sollte mindestens 70 cm entfernt stehen. Beim Blick gerade aus (zum Beispiel aus dem Fenster) darf der Blick knapp über den oberen Bildschirmrand hinaus gehen; beim Blick auf den Monitor ist der Kopf dann leicht nach vorne geneigt und der Nacken entspannt. Der Bildschirm sollte eine leichte Neigung nach hinten haben, ähnlich wie ein Buch, das man beim Lesen in der Hand hält.
  • Darstellung: Je deutlicher die Darstellung, desto weniger anstrengend ist es für die Augen: Zeichenschärfe, hoher Kontrast, ausreichende Zeichengröße. Eine farbige Darstellung auf dem Monitor bringt für die Augen eine zusätzliche Anstrengung mit sich. Ideal ist die sog. Positivdarstellung: dunkle Zeichen auf hellem Hintergrund und keine bzw. möglichst wenig Farben.
  • Lichtverhältnisse: Die beste Situation für die Augen ist ausreichendes Tageslicht ohne Blendung. Da Blendung, Spiegelungen und Reflexionen den Augen schaden, müssen sie auf jeden Fall vermieden werden. Erfolgt die Blendung durch das Tageslicht und kann der Bildschirm nicht umgestellt werden, muss das Tageslicht abgeschirmt werden. Reicht die Helligkeit dann nicht mehr aus, benötigt man künstliche Beleuchtung. Wer sich viel im Kunstlicht aufhalten muss, sollte auf die Zusammensetzung des Lichtspektrums achten und möglichst ein Spektrum wählen, das dem Tageslicht ähnlich ist (sog. Vollspektrumlicht).
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Über die Autorin
Barbara Brugger

Barbara Brugger ist Inhaberin von ecovital - Gesund am Bildschirm. Als Fachkraft für Arbeitssicherheit und Sehtrainerin ist sie spezialisiert auf firmeninterne Schulungen für gesunde Augen am PC und Ergonomie im Büro.

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