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Ergonomischer ArbeitsplatzHaltung bewahren – auch im Büro

Hier erfahren Sie, was jeder am Arbeitsplatz für die eigene Gesundheit tun kann – und welche Vorteile das Unternehmen davon hat.
erschienen: 04.11.2009

80.000 Stunden verbringen Arbeitnehmer während ihres Berufslebens im Büro, davon etwa 85 Prozent sitzend. Die Folge: Jeder zweite Büroangestellte klagt über Rückenschmerzen, oft in Kombination mit Schulter- und Nackenbeschwerden. Die Ursache ist häufig der Arbeitsplatz, wenn etwa Tisch und Stuhl falsch eingestellt sind oder der Bildschirm reflektiert. Ist das Büro obendrein dunkel und schlecht gelüftet, vergeht auch dem eifrigsten Mitarbeiter der Spaß an der Arbeit.

Außer den Augen ist vor allem der Rücken gefährdet. Lange und einseitiges Sitzen ist Gift für ihn. Über 90 Prozent der Rückenprobleme sind auf Fehlhaltungen zurückzuführen, hauptsächlich vor dem Bildschirm. Denn übermäßig langes oder falsches Sitzen führt zu einem muskulären Ungleichgewicht des gesamten Körpers. Ein gesunder Rücken lebt jedoch von einer guten Beweglichkeit der Wirbelsäule und einem kräftigen, dehnbaren Muskelkorsett. Wichtig ist daher ein gesunder Wechsel von Anspannung und Entspannung. Büroarbeiter sollten immer wieder zwischendurch aufstehen, gehen, sich bewegen, dehnen, strecken oder im Stehen telefonieren.

Das spart auch Kosten. Denn Verlustzeiten aufgrund einer mangelhaften Arbeitsplatzgestaltung reduzieren das Leistungspotenzial der Mitarbeiter um bis zu 50 Prozent und verursachen teure Fehlzeiten aufgrund von Muskel- und Skeletterkrankungen. Wer hingegen die Büro- und Bildschirmarbeitsplätze optimiert, bezahlt dafür weniger als ein Prozent der jährlichen Personalkosten. Ziel sollte es zum Beispiel sein, Bewegung zu fördern und statische Sitzarbeit häufiger zu unterbrechen. Als gesundheitliches Muss fordern Arbeitsmediziner

  • 25 Prozent Bewegen,
  • 25 Prozent Stehen und
  • 50 Prozent Sitzen.

Pro Stunde sollte man zwei bis drei Haltungswechsel vollziehen. All diese Dinge tun dem eigenen Körper gut und verhindern Rückenprobleme.

Ein gesunder Mensch leistet mehr als ein kranker. Eine Binsenweisheit zwar, die aber Arbeitgebern immer wieder ins Bewusstsein zu rufen ist. Eine ergonomische Büroausstattung sollte daher Standard sein, um einen Arbeitsplatz zu schaffen, an dem sich der Mitarbeiter wohlfühlt und beschwerdefrei tätig sein kann. Präventiv wirken Arbeitsplätze, die einen Steharbeitsplatz integrieren. Sie erhöhen den Anteil des Stehens und Bewegens, während das starre Sitzen reduziert werden kann. Das stimuliert Herz- und Kreislauf sowie das vegetative System. Der Belastungswechsel stärkt die Muskulatur und verbessert die Haltung.

53 Prozent der Nutzer integrierter Steharbeitsplätze stellen daher eine Verbesserung ihrer Rücken- und Nackenprobleme bereits nach drei Monaten fest. Haltungswechsel erhöhen zudem die Leistungsfähigkeit des Gehirns um bis zu 20 Prozent, die Arbeitseffizienz verbessert sich sogar um 34 Prozent, da sich zum Beispiel die Fehlerquote bei der Bildschirmarbeit verringert. Gesundheitsförderung am Arbeitsplatz ist daher kein Selbstzweck, sondern eine Maßnahme, um Leistungsverluste zu minimieren und Wohlbefinden sowie Motivation zu erhöhen.

Just do it - Tipps für Büroangestellte

  • Die Unterarme sollten möglichst so gerade auf dem Tisch aufliegen, dass nicht sämtlicher Druck auf den empfindlichen Handgelenken lastet. Wenn der Schreibtisch das nicht hergibt, sollte der Stuhl dies durch Armlehnen wieder kompensieren.
  • Für eine gute Durchblutung der Beine empfiehlt sich ein annähernd rechter Winkel, während der Armwinkel ruhig etwas mehr als 90 Grad betragen darf.
  • Man sollte zwar gerade sitzen, sich zwischendurch aber auch einmal nach hinten oder vorne bewegen. Am besten geht das mit einer mitschwingenden, anatomisch geformten Lehne im Rücken.
  •  Der Stuhl sollte eine sogenannte Sitztiefenfederung haben. Diese fängt harte Stöße auf die Wirbelsäule ab.
  • Belasten Sie mal das rechte, mal das linke Gesäß oder kippen Sie das Becken vor und zurück. Ein paar Minuten auf der vorderen Stuhlkante fördern die Konzentration, und ein paar Minuten auf einem Hocker oder einem Sitzball bringen Abwechslung und vielleicht sogar die zündende Idee.
  • Auf der letzten Stuhlkante hat der Allerwerteste nichts zu suchen, vielmehr sollten die Oberschenkel durch das Sitzpolster entlastet werden.
  • Verbannen Sie Bücher und Ordner ruhig in ein Regal, das ein paar Meter weiter weg steht. So wird ein bisschen Bewegung ganz natürlich in den Arbeitsalltag integriert.
  • Bildschirmarbeiter sollten regelmäßig die Sitzposition wechseln, um die Durchblutung anzuregen.
  • Auch wenn die Arbeit noch so drängt: Eine kurze Pause nach 45 Minuten wirkt Wunder. Atmen Sie am geöffneten Fenster tief durch, und trinken Sie ein Glas Wasser. Bringen Sie dem Kollegen ein paar Zimmer weiter die Unterlagen persönlich vorbei, anstatt sie in die Hauspost zu stecken.
  • Verwandeln Sie den Weg in die Küche in einen kleinen Trimmpfad: Strecken, Schultern kreisen, Hände ausschütteln So trickst man Verspannungen und Stresssymptome aus, bevor sie entstehen.

Checkliste: Wie Arbeitsplätze gestaltet sein sollten

  • Wechseln Mitarbeiter des Öfteren den Arbeitsplatz, sollte das Unternehmen Stühle haben, auf denen sowohl große wie kleine Mitarbeiter ihre optimale Sitzposition einstellen können.
  • Stuhl, Tisch und Computer sollten optimal aufeinander abgestimmt sein, um zu verhindern, dass Rücken, Schultern und Augen schmerzen.
  • Die richtige Schreibtischhöhe hängt von der Größe seines Besitzers und dem dazugehörigen Stuhl ab. Die Tischhöhe sollte zwischen 68 und 118 Zentimetern einstellbar sein. Dann kann der Arbeitnehmer abwechselnd sitzend und stehend daran arbeiten und seinen Rücken und die Gelenke schonen.
  • Die richtige Sitzhöhe liegt zwischen 42 und 50 Zentimetern. Die Sitzfläche sollte zwischen 40 und 48 Zentimetern breit und 38 bis 44 Zentimeter tief sein.
  • Die Lehne reicht idealerweise bis zur Mitte der Schulterblätter. Sie ist mindestens 36 bis 48 Zentimeter breit und höhen- und neigungsverstellbar.
  • Die Schreibtischplatte sollte mindestens 160 Zentimeter breit und 80 Zentimeter tief sein, wenn ein Röhrenbildschirm draufsteht sogar 100 Zentimeter.
  • Wichtig ist, dass Beine und Arme bei der Arbeit bequem ausgestreckt werden können.
  • Tastatur, Maus und Telefon – Dinge, die ständig gebraucht werden – sollten in bequemer Reichweite stehen, etwa 40 Zentimeter vom Tischrand entfernt.
  • Der Bildschirm sollte so aufgestellt sein, dass keine Reflexionen auf dem Monitor zum Beispiel durch Beleuchtung oder Fenster entstehen. Um eine entspannte Kopfhaltung zu erzielen, sollten die Blickwinkel um etwa 35 Grad aus der Waagerechten abgesenkt werden. Der Sehabstand muss der jeweiligen Sehaufgabe entsprechen und sollte bei einem 17"-Röhrenmonitor 55 cm betragen.
  • Die Tastatur sollte in der mittleren Tastaturreihe eine Höhe von höchstens 30 mm haben. Dies ist in der Regel durch "Einklappen" der Aufstellpunkte leicht zu erreichen. Des Weiteren muss vor der Tastatur eine Handballenauflage von 5 bis 10 cm möglich sein.
  • Stehen Sie zwischendurch auf; legen Sie nicht alle Vorgänge in Ihre unmittelbare Nähe.
  • Dynamisches Sitzen ist immer weiter verbreitet, versuchen Sie es einfach einmal. Lösen Sie Ihre Rückenlehne, damit Sie sich beispielsweise beim Telefonieren auch mal nach hinten lehnen können.
  • Achten Sie darauf, dass keine störenden Kabel unter dem Schreibtisch herumliegen, diese können in der Regel in dafür vorgesehenen Kabelkanäle oder Kabelwannen verstaut werden.

Mindestabstand zwischen Augen und Bildschirm

Bildschirmgröße

Augenabstand

15 Zoll

Mindestens 50 Zentimeter

17 Zoll

Mindestens 60 Zentimeter

19 Zoll

Mindestens 70 Zentimeter

21 Zoll

Mindestens 80 Zentimeter

[Bild: Fotolia.com]

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Über den Autor
Axel Vogt

Axel Vogt arbeitet als Physiotherapeut und Experte für Ergonomie am Arbeitsplatz im BewegungsAnalyseZentrum des Instituts für Gesundheit und Prävention.

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