Archiv

eSkills im MittelstandLeistungsfähig im digitalen Zeitalter

Technischer Fortschritt und veränderte Arbeitsprozesse erfordern von den Mitarbeitern eine ständige Anpassung.
erschienen: 14.10.2009

In einem wissensbasierten Arbeitsumfeld werden durch Konzeption, Planung und Organisation andere Tätigkeiten vorbereitet und das Zusammenspiel mit den Kollegen hat Hand in Hand zu gehen. Um hier auch wirklich innovativ zu agieren und damit zur Steigerung der Produktivität oder zur Entwicklung wissensintensiver Produkte und Dienstleistungen beizutragen, sind in der Arbeitswelt Mitarbeiter mit fundierten eSkills, also Kenntnissen in den IKT, gefragt.

StichworteSkills

eSkills sind die Kompetenzen und Persönlichkeitsmerkmale, die einen Menschen in die Lage versetzen, unter den sich wandelnden Bedingungen des Informationszeitalters in Schule und Beruf zu bestehen. Damit umfassen eSkills allgemeine und IT-spezifische Fachkompetenzen, dazu Medien-, Methoden- und Sozialkompetenz sowie die Persönlichkeitsmerkmale eines Menschen.

Initiative D21, BildungsCent e.V., CSR consult: Die eSkills-Kompetenzstudie, 2004

Die beispielhaft an dieser Stelle gewählte Definition der Initiative D21, eines gemeinnützigen Vereins aus Wirtschaft und Politik, zeigt es an:

Zunächst einmal ist der Terminus „eSkills“ ein sehr allgemeiner und umschreibt eine ganze Reihe von Fähigkeiten und Kenntnissen, Fertigkeiten und Kompetenzen sowie wirtschaftlichen und sozialen Dimensionen.

Als wichtigste Fertigkeiten seien an dieser Stelle genannt:

  • IKT-Fachkenntnisse, beispielsweise für Bereiche wie Planung, Entwicklung, Verwaltung und Wartung der Unternehmenstechnologien
  • IKT-Anwenderkenntnisse, in erster Linie zur effizienten Nutzung von Technologie-Systemen – etwa gebräuchliche Software und spezialisierte Tools zur Unterstützung des Arbeitsalltags
  • eBusiness-Kenntnisse, also Fertigkeiten bei der Nutzung von IKT, beispielsweise des Internets, für eine effizientere und effektivere Unternehmungsführung, neue Organisationsmethoden oder besondere strategische Ausrichtungen

IKT-Kompetenzen der Mitarbeiter

Aus dem breiten Themenfeld und den verschiedenen Blickwinkeln, unter denen das Thema „eSkills“ betrachtet werden kann, wurde das besondere Potenzial des Mitarbeiters erkannt und infolgedessen an dieser Stelle das Detailthema „IKT-Querschnittskompetenzen der Mitarbeiter in mittelständischen Unternehmen“ extrahiert.

Zum besseren Verständnis: eSkills sind im vorliegenden Kontext IKT-spezifische Querschnittskompetenzen, die es Mitarbeitern ermöglichen, die sich wandelnden Arbeitsabläufe mit und durch den Einsatz von Informations- und Kommunikationstechnologien zu beherrschen und weiter zu entwickeln.

IKT-Kompetenzen konsequent entwickeln: entscheidende Eigenschaften der Mitarbeiter

Entsprechend der Unternehmensstrategie sowie der vorherrschenden Technologieausrüstung reichen IKT-spezifische Querschnittskompetenzen von der grundlegenden Fähigkeit, mit einem Rechner und Standardsoftware umzugehen, bis zu fortgeschritteneren Anwendungen, die dem einzelnen Mitarbeiter die Möglichkeit geben, mit seiner Arbeit – wo immer sie auch stattfinden mag – einen Mehrwert für das Unternehmen zu erzielen. Für die erfolgreiche Entwicklung dieser IKT-Kompetenzen müssen mittelständische Unternehmen heute neben sozialen Kompetenzen wie Engagement, Flexibilität, Kooperations- oder Teamfähigkeit auch neue Anforderungen an das Persönlichkeitsprofil der Mitarbeiter stellen. Exemplarisch seien hierbei das vernetzte und das unternehmerische Denken genannt.

  • Vernetztes Denken

Infolge der Wettbewerbsbedingungen sind die Geschäftsmodelle mittelständischer Unternehmen einem permanenten Veränderungsdruck unterworfen. Konsequenterweise müssen Mitarbeiter fachübergreifendes Denken als eine grundlegende Fähigkeit sehen, um neue Vorgaben schnell realisieren und den Anforderungen am Markt erfolgreich begegnen zu können.

  • Unternehmerisches Denken

Damit einhergehend müssen Mitarbeiter umsetzungs- und ergebnisorientiert handeln. Das heißt, Mitarbeiter müssen ihre eigenen IKT-Kompetenzen und deren Wertschöpfungsbeitrag im Gesamtkontext des Unternehmens verstehen und bei der konsequenten Weiterentwicklung dieser Kompetenzen die Gesamtzusammenhänge berücksichtigen.

Was derzeit passiert: eSkills im Mittelstand aktuell

Compliance, Virtualisierung, webbasierte Dienstleistungen und so weiter: Bereits heute dezentralisieren sich die Strukturen, vermengen sich die Angebote an Applikationen, Systemen und Netzen immer mehr – im Office wie auch unterwegs. So fallen unter die Kategorie „mobile Nutzer“ heute nicht mehr nur der klassische Außendienst, sondern auch immer mehr Mitarbeiter, die von zu Hause, dem „Home Office“ aus, arbeiten. Entsprechend müssen Arbeitsweisen angepasst und althergebrachte Methoden neu definiert werden. Unternehmer können nur dann von einer solchen Entwicklung profitieren, wenn sie dafür Sorge tragen, dass eSkills auch wirklich in ausreichendem Maße im Betrieb vorhanden sind. Die Verfügbarkeit solcher eSkills stellt eine grundlegende Voraussetzung für dauerhafte Wettbewerbsfähigkeit mittelständischer Unternehmen in Deutschland und Europa dar! Deshalb wird es die zentrale Aufgabe für jeden Entscheider mit unternehmerischem Weitblick werden, seine Mitarbeiter auf diesem Weg „mitzunehmen“. Soll heißen: Kenntnisse und Fähigkeiten der Mitarbeiter bezüglich IKT, sprich eSkills, sowie deren kontinuierliche Verbesserung müssen fest in die Entwicklung der IKT-Strategie einbezogen und nachhaltig gefördert werden.

Die Realität zeigt aber, dass die Entwicklung und Förderung solcher Mitarbeiterkompetenzen für die Mehrzahl der Verantwortlichen in diesen Unternehmen derzeit entweder eine Gratwanderung darstellt oder nur rudimentär umgesetzt wird. Die Erfahrungen im Dialog mit dem Mittelstand weisen im Wesentlichen auf folgende Faktoren hin:

  • In Kleinstunternehmen, die nach EU-Klassifizierung maximal neun Mitarbeiter umfassen, zeichnet häufig der Inhaber beziehungsweise Geschäftsführer auch für die IKT verantwortlich.
  • In kleinen Unternehmen zwischen zehn und 49 Mitarbeitern kann man in der Regel von einem IKT-Ansprechpartner im Unternehmen ausgehen, dem neben seinem Kernaufgabenbereich auch die Aufsicht über die IKT obliegt.
  • In mittleren Unternehmen, also Unternehmen zwischen 50 und 250 Mitarbeitern, kann die IKT-Verantwortung wie folgt gesehen werden:
  • Von IKT-Verantwortlichen, also Einzelpersonen, die innerhalb des Unternehmens ausschließlich für die IKT verantwortlich sind, ist erfahrungsgemäß von einer Unternehmensgröße von summa summarum 100 Mitarbeitern auszugehen.
  • Erst bei Unternehmen mit mehr Mitarbeitern erlauben die vorhandenen Ressourcen im Allgemeinen eine eigene IKT-Abteilung unter entsprechender Leitung.

Bei derzeit insgesamt rund 3,3 Millionen mittelständischer Betriebe in Deutschland (Quelle: Statistisches Bundesamt) beträgt der Anteil derjenigen Unternehmen mit mehr als 100 Mitarbeitern nicht einmal zwei Prozent! Das heißt, es gibt in den weitesten Teilen des Sektors Mittelstand kaum eine eigene IKT-Verantwortung, geschweige denn eine IKT-Abteilung. Geht es bei diesen 98 Prozent aller Unternehmen um die IKT, nimmt hier der externe IKT-Partner eine immer wichtigere Rolle ein.

Warum die Förderung von IKT-Kompetenzen für viele mittelständische Unternehmer immer noch eine Gratwanderung ist

Offensichtlich fokussieren Entscheider aus kleinen und mittleren Unternehmen vielmehr auf die operativen Kernkompetenzen in ihren Unternehmen, anstatt hier mit gleicher Priorität den Einsatz moderner IKT-Technologien voranzubringen. Damit hinkt zwangsläufig auch die Förderung der dafür notwendigen IKT-Kompetenzen bei den Mitarbeitern im Unternehmen nach.

Gründe hierfür können sein:

  • geringer Umsatz im Unternehmen
  • wenige Mitarbeiter im Unternehmen
  • rudimentäre IKT-Infrastruktur im Unternehmen
  • kaum oder – wie bei kleinen Unternehmen der Fall – gar kein IKT-Fachpersonal
  • IKT-Systemanwendungen, deren Namen dem Unternehmer nicht bekannt sind
  • knappe Ressourcen beziehungsweise Zeitmangel

Förderung von eSkills im Mittelstand: IT-Industrie und Politik kommen den Unternehmen entgegen

Die Lösungsangebote der IKT-Hersteller passen sich sukzessive den Anforderungen des Mittelstands an. Um von deren gesamtem Leistungsumfang profitieren zu können, sollte die Zurückhaltung bezüglich des IKT-Einsatzes im Unternehmen aufgegeben werden. Die Investition in IKT-basiertes Mitarbeiter-Know-how wäre die logische Konsequenz. IKT-Kompetenzen bei den Mitarbeitern zahlen, dessen müssen sich fortschrittlich denkende Entscheider im Hinblick auf effektive und reibungslose Geschäftsabläufe heute bewusst sein, nicht nur auf den Mitarbeiter selber ein, sondern ebenso auf das Unternehmen. Noch aber steckt die Zahl derer, die bereits über angemessene praktische IKT-Fähigkeiten verfügen, in den Kinderschuhen. Dass sich an dieser Situation etwas ändert, dafür tragen in erster Linie der Mitarbeiter selbst sowie die Verantwortlichen im Unternehmen Sorge. Aber auch aus Sicht der europäischen Politik ist bereits so manches in Bewegung: So hat die Europäische Union im September 2007 ein Grundsatzpapier zum Thema „eSkills“ veröffentlicht. Darin wird ein großer Bedarf sowohl für IKT-Basisqualifikationen als auch für Spezialisten-Training in Europa konstatiert. Die EU -Kommission richtet sich mit einem deutlichen Appell an die Mitgliedsländer, Unternehmen und private Organisationen, bei der Schaffung passender Lernangebote zusammenzuarbeiten und Partnerschaften einzugehen.

Dieser Artikel wurde von der nextbusiness-IT Redaktion erstellt. „nextbusiness-IT – Exzellenz im Mittelstand“ ist eine bundesweite Leitthemenkampagne für den Mittelstand, die unter anderem die „Bibliothek des modernen IT-Wissens“ für den Mittelstand herausgibt. Diese Bibliothek können Sie hier kostenlos anfordern.