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ExistenzgründungSich erfolgreich selbstständig machen

Freie Arbeitseinteilung, eigene Entscheidungen treffen und seine Ideen verwirklichen. Selbstständig zu sein, hat viele Vorteile. Doch dafür muss der Unternehmer – gerade am Anfang – einiges opfern.
erschienen: 02.11.2010

Gut überlegen und planen

Laut KfW-Gründungsmonitor 2010 ist die „Anfangssterblichkeit“ von Gründungen nach wie vor hoch. Rund ein Viertel aller Gründungen ist nach spätestens drei Jahren wieder aus dem Markt ausgeschieden. Dabei haben Gründungen mit einem höheren Mitteleinsatz eine höhere Überlebenswahrscheinlichkeit als Gründungen mit einem geringen oder gar keinem externen Mitteleinsatz. Denn damit Gründungen am Markt bestehen, müssen sie oft eine Mindestgröße aufweisen. Dafür sind der Einsatz entsprechender Ressourcen und eine ausreichende Finanzierung notwendig.

Damit Gründungen nicht von Anfang an zum Scheitern verurteilt sind, sollten sich die Gründer gut überlegen, ob sie und vor allem wie sie sich selbstständig machen möchten. Denn wie die Zahlen beweisen, ist Selbstständigkeit immer mit einem Risiko verbunden – gerade in der Anfangszeit. Den Gründer plagen Gedanken wie „Werde ich genügend Kunden gewinnen?“ oder „Mit wie viel Gewinn stehe ich am Ende des Monats da und mache ich überhaupt Gewinn?“ Wer das Risiko etwas einschränken möchte, hat die Möglichkeit, weiterhin eine feste Arbeitsstelle zu behalten und die Selbstständigkeit zunächst nur nebenher auszuüben.

Menschen, die aus der Arbeitslosigkeit heraus ein Unternehmen gründen, haben nicht die Möglichkeit, sich nebenbei selbstständig zu machen. Sie können aber auch noch weiter nach einer anderen Stelle suchen oder beispielsweise einem Minijob nebenher nachgehen, um ein bisschen Geld dazu zu verdienen.

Hinweis

Finanzielle Hilfen für Existenzgründer bietet die Agentur für Arbeit an:

Gründungszuschuss

Im Jahr 2009 ist erstmals seit sechs Jahren wieder eine Belebung der Gründungsaktivität in Deutschland zu verzeichnen: Im Vergleich zum Vorjahr stieg die Gründerzahl um 10 Prozent, so der aktuelle KfW-Gründungsmonitor. Und auch in 2010 ist die Zahl der Existenzgründungen gegenüber dem Vorjahr gestiegen. Zwar nicht mehr so stark, aber immerhin um 4 Prozent, wie die Ergebnisse der Gründungs- und Liquidationsstatistik des Instituts für Mittelstandsforschung (IfM) Bonn ergeben. Ausgehend von der Entwicklung im 1. Halbjahr 2010 rechnet das IfM für das gesamte Jahr 2010 mit schätzungsweise 425.000 Existenzgründungen und 385.000 Liquidationen, was einem Gründungssaldo von rund 40.000 entspräche.

Nebenbei selbstständig

Es gibt zwei Arten der nebenbei geführten Unternehmen:

  1. Selbstständigkeit im Zuerwerb: Der Selbstständige hat kein weiteres Einkommen, führt aber zum Beispiel den Haushalt und versorgt Kinder oder geht zur Schule oder studiert.
  2. Selbstständigkeit im Nebenerwerb: Der Selbstständige hat noch ein anderes Einkommen, entweder durch einen Haupterwerb oder einen Minijob.

Die Selbstständigkeit im Nebenerwerb ist zwar sicherer, weil Sie finanziell nicht nur von der selbstständigen Tätigkeit abhängig sind. Doch so ganz „nebenbei“ läuft eine Gründung nicht. Wer noch einem geregelten Job nachgeht, braucht viel Ausdauer und Geduld. Es entsteht gerade zu Beginn eine hohe Arbeitsbelastung und es dauert eine längere Zeit, um zu gründen. Der Erfolg lässt auch meistens länger auf sich warten als bei „Vollzeit-Selbstständigen“.

Hinweis

Wer ein Angestelltenverhältnis hat und sich nebenher selbstständig machen möchte, sollte das besser im Vorfeld mit seinem Arbeitgeber klären. Dies ist zwar nicht verpflichtend und der Vorgesetzte darf einen Zweitjob auch nicht prinzipiell verbieten. Aber: Eine Nebentätigkeitsklausel im Arbeitsvertrag kann diesen Grundsatz einschränken. Deshalb sollten Sie Ihren Arbeitsvertrag genau durchlesen. Sie sollten auch prüfen, ob es tarifvertragliche Regelungen und Betriebsvereinbarungen dazu in Ihrem Unternehmen gibt.

Der Weg in die Selbstständigkeit führt oft über eine Idee, mit der der Existenzgründer glaubt, seinen Lebensunterhalt verdienen zu können. Oder die Selbstständigkeit ist schon lange ein Wunsch und die schulische und berufliche Ausbildung wurde bereits darauf ausgerichtet. Egal, wie der Wunsch entstanden ist, Unternehmer brauchen gewisse Fähigkeiten und Eigenschaften, um erfolgreich am Markt bestehen zu können. Hier einige Erfolgskriterien für eine Existenzgründung:

  • Durchsetzungskraft,
  • Ausdauer,
  • Bereitschaft, viel Zeit und Geld zu investieren,
  • Grundkenntnisse der Betriebswirtschaft,
  • Mut,
  • Risikobereitschaft,
  • Motivation,
  • vom eigenen Tun oder der Idee überzeugt sein,
  • Freude an der Selbstständigkeit haben und
  • wenn Mitarbeiter angestellt sind: gewisse Führungskompetenzen.

Auch wenn der Wunsch danach groß ist und es viele Vorteile hat, der eigene Chef zu sein, so fehlt Selbstständigen doch in manchen Situationen ein Vorgesetzter. Wenn er nicht mehr zur Unterstützung da ist, müssen sich Selbstständige auf Folgendes einrichten:

  • Die Sicherheit in einem festen System durch den Arbeitgeber fehlt.
  • Je nach Image des Unternehmens sorgt eine dortige Anstellung für einen gewissen Status, der dann wegfällt.
  • Zu den Aufgaben eines Vorgesetzten zählt es, Sie zu motivieren und Ihnen Wertschätzung entgegenzubringen. Selbstständige müssen sich diese Anerkennung woanders her holen. Wenn sie das nicht können, leidet das Selbstwertgefühl darunter. Und das ist dringend notwendig für die Führung eines erfolgreichen Unternehmens.
  • Zu Beginn fehlen Aufträge und auch der Zahlungseingang ist noch mäßig. Das kann zu Demotivation führen.
  • Dazu können sich dann Existenzängste entwickeln, die den Erfolg zusätzlich gefährden.

Hinweis

Um rechtlich auf der sicheren Seite zu sein, empfiehlt es sich, Experten zu Rate zu ziehen. Das kann zum Beispiel die IHK, das Finanzamt oder ein Steuerberater sein. Dort können Sie Fragen zur Gründung klären. Zum Beispiel:

  • Bin ich Freiberufler oder muss ich ein Gewerbe anmelden?
  • Welche Versicherungen sind notwendig und nützlich?
  • Was ist bei der Altervorsorge zu beachten?
  • Und so weiter...

Damit sie ohne das bisherige Umfeld mit Kollegen und Vorgesetzten nicht die Motivation verlieren, sollten sich Gründer andere Quellen erschließen, mit der sie Selbstbestätigung bekommen. Das ist zum Beispiel ein Umfeld mit Menschen, die eine positive Einstellung haben und Ihnen Feedback geben, das Sie bestärkt. Auch der Kontakt zu anderen Selbstständigen hilft, sich nicht so alleine mit der Situation zu fühlen. In Berufsverbänden oder Unternehmernetzwerken lernen Sie viele Gleichgesinnte kennen. Sie sollten sich hin und wieder auch einmal selbst belohnen, wenn das schon kein anderer macht. Für einen erfolgreichen Tag, an dem Sie viel erreicht haben, können Sie sich beispielsweise einen Kinobesuch oder ein Restaurantbesuch gönnen. Wenn Sie nicht gerne alleine arbeiten und (noch) keine Angestellten haben, gibt es meistens in Großstädten die Möglichkeit, Büroräume zu mieten in sogenannten Coworking Spaces, in denen Sie mit anderen Freiberuflern oder Selbstständigen zusammenarbeiten können.

Ganz wichtig ist auch, dass Sie ihr Ziel nicht aus den Augen verlieren. Es gibt immer wieder Rückschläge, aber diese gilt es zu überstehen und an der Idee der Selbstständigkeit festzuhalten, wenn Sie Erfolg haben möchten.

Wozu der Businessplan gut ist

Ein großes Problem für Gründungswillige stellt die Finanzierung dar. Mehr als ein Drittel der Gründer waren 2009 auf externe Finanzmittel angewiesen. Die meisten Kapitalgeber möchten einen Businessplan vorgelegt bekommen, damit sie eine Entscheidungsgrundlage haben bei der Frage der Finanzierung.

Aber einen Businessplan zu erstellen, ist nicht nur notwendig, um Kapitalgeber für sich zu gewinnen. Er hilft auch dabei, selbst Klarheit darüber zu gewinnen, ob die geplante Selbstständigkeit erfolgreich umzusetzen ist. Ein Business-Plan beinhaltet einen Text- und einen Finanzteil, in denen die Gründer einen Ausblick auf die kommenden drei Jahre geben. Der Plan macht Pro- und Contra-Argumente sichtbar und beantwortet normalerweise auf 20 bis 30 Seiten unter anderem folgende Fragen:

  • Wie stehen die Marktchancen?
  • Wie hoch sind die zu erwartenden Kosten und Umsätze?
  • Wie stark ist die Konkurrenz?
  • Welche Geschäftsstrategie wird verfolgt?
  • Was macht die Idee, das Geschäft einzigartig oder besonders?
  • Werden Mitarbeiter eingestellt? Wer übernimmt welche Tätigkeit?

Businesspläne unterscheiden sich je nach Branche und Art des Unternehmens. Schwierig ist es aber bei allen, die Idee klar und strukturiert zu beschreiben. Sie sollten versuchen, sich kurz zu halten und konzentriert das Wesentliche zu beschreiben. Die Struktur ist meistens so oder so ähnlich aufgebaut:

  • Executive Summary: In einer kurzen Zusammenfassung stehen alle wesentlichen Ergebnisse des Businessplans. Sie soll das Interesse wecken, die Details des Plans zu lesen.
  • Geschäftsidee: Hier beschreiben Sie Ihre Ziele und Visionen der Geschäftsidee. Die Beschreibung soll einen ersten Überblick verschaffen und den Leser in das Thema hineinführen. Sie sollten konkrete Ziele formulieren, die messbar sind. Nennen Sie konkrete Zeiträume, bis wann Sie die jeweiligen Ziele umgesetzt haben möchten.
  • Produkte und Dienstleistungen: In diesem Teil beschreiben Sie die Produkte und/oder Dienstleistungen, die Sie anbieten möchten. Darüber hinaus geben Sie Informationen, wie Sie die Produkte herstellen werden beziehungsweise die Dienstleistungen erbringen möchten. Den Kundennutzen sollten Sie auch herausarbeiten. Stellen Sie heraus, was Ihre Produkte von denen anderer Hersteller unterscheidet.
  • Markt und Wettbewerb: Anhand von Marktanalysen zeigen Sie, wie viele Kunden Sie aller Voraussicht nach für Ihr Produkt finden werden. Das Ergebnis ermöglicht es, Ihren Umsatz zu planen, der wiederum in Ihren Finanzplan einfließt.
  • Marketing und Vertrieb: Hier geht es um die Frage, wie Sie die Produkte oder Dienstleistungen konkret verkaufen möchten. Sie präsentieren Ihre Preisstrategie, Vertriebsstrategie und Kommunikationsstrategie.
  • Management und Team: Machen Sie Angaben zu eventuellen Mitarbeitern und deren Zuständigkeiten. Sie sollten hervorheben, dass Ihr Team auf den Schlüsselpositionen mit guten Leuten besetzt ist. Das schafft Vertrauen gegenüber den Kapitalgebern.
  • Organisation: Geben Sie kurze Informationen zum Unternehmen selbst, der Aufbauorganisation und der Ablauforganisation. Diese Informationen können Sie mithilfe eines Organigramms darstellen. Sie können auch wichtige Prozesse beschreiben, die Sie beherrschen müssen.
  • Risiken: Nennen Sie externe und interne Risiken, die bestehen. Sie sollten zu jedem Risiko eine entsprechende Maßnahme beschreiben, wie Sie mit dem Risiko umgehen werden.
  • Finanzplan: Hierfür erstellen Sie eine Gewinn- und Verlustrechnung. Machen Sie deutlich, dass Ihre Geschäftsidee rentabel ist. Nennen Sie, wie viel finanzielle Mittel Sie benötigen werden und wann das sein wird. Dafür brauchen Sie eine detaillierte Liquiditätsplanung (Auszahlungen und Einzahlungen pro Monat oder Woche). Der Finanzplan besteht nicht einfach nur aus Zahlen, sondern muss aus den vorigen Angaben des Businessplans schlüssig hervorgehen.

Bei aller Planung ist aber auch der Businessplan kein Garant für Erfolg. Der Plan muss ständig an die Veränderungen und Entwicklungen des Unternehmens angepasst werden. Zum Start der Gründung ist der Businessplan gut geeignet, um Ordnung in die eigenen, manchmal noch ziemlich unausgegorenen Gedanken zu bringen. Denn eine Geschäftsidee ist zunächst einmal nur eine Idee. Was davon übrig bleibt, stellt sich meistens erst nach der Erstellung eines schlüssigen, plausiblen und realitätsnahen Konzepts heraus.

Ursachen für das Scheitern

Jedes Jahr scheitern einige Existenzgründer und geben ihre Selbstständigkeit wieder auf. Um die Ursachen zu ergründen, hat das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie die Studie "Ursachen für das Scheitern junger Unternehmen in den ersten fünf Jahren ihres Bestehens" in Auftrag gegeben. Die Hauptgründe für das Scheitern von Gründungen sind laut dieser Studie:

  • eine unzureichende Startfinanzierung,
  • unerwartete Marktveränderungen und
  • strategische Fehlentscheidungen.

Betrachtet man diese Ursachen, wird die Wichtigkeit einer gründlichen Planung der Gründung, beispielsweise in Form eines Businessplans, deutlich. Aber nicht alle Jungunternehmer hatten durchgängig keinen Erfolg, sondern fast drei Viertel der geschlossenen Jungunternehmen konnten mindestens einmal im Laufe ihrer Geschäftsaktivitäten die Gewinnschwelle überschreiten.

Ist die Selbstständigkeit erst einmal gescheitert, wagen sich nur die wenigsten, wieder ein Unternehmen zu gründen. Ernst Burgbacher, Parlamentarischer Staatsekretär beim Bundesminister für Wirtschaft und Technologie sagt:

"[…] Die Angst vor dem Scheitern ist in Deutschland eines der wichtigsten Gründungshemmnisse. Nach den Ergebnissen der Studie traut sich auch nur jeder zehnte Unternehmer, erneut ein Unternehmen zu gründen. […]“

Daher schlägt Burgbacher vor, dass gescheiterte Gründer, die einen neuen Anlauf in die Selbstständigkeit wagen, schneller als bisher eine zweite Chance bekommen sollen. Um dieses Ziel zu erreichen, strebt er in der Insolvenzreform eine deutliche Reduzierung der Frist zur Restschuldbefreiung an. Dabei sollen die Gläubigerrechte durch zusätzliche Voraussetzungen und Bedingungen gewahrt werden, die einen Missbrauch ausschließen sollen.

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Über die Autorin
Petra Oberhofer
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