FamilienunternehmenModelle für die Betriebsübergabe

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Sechs Möglichkeiten der familieninternen Betriebsübergabe und ihre Vor- und Nachteile.
erschienen: 03.08.2015
Schlagwörter: Unternehmensführung
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Thronfolger-Lösung

Die Unternehmens- und Geschäftsführung werden von einer Person übernommen, weitere Erben erhalten eine Abfindung.

Vorteile

Eine klare Lösung, die sowohl Kunden, Partnern wie auch Mitarbeitern Kontinuität vermittelt und von Beginn an Konflikte unter den Gesellschaftern vermeidet. Mit der Konzentration auf eine Person kann die Einarbeitung gezielt und an der Person ausgerichtet erfolgen.

Nachteil

So klar die Lösung ist, so klar muss auch die Entscheidung der Vorgängergeneration für einen geeigneten Kandidaten sein. Unberücksichtigte Interessen oder Personen können das Familienklima empfindlich stören.

Doppelspitze

Zwei oder mehr gleichberechtigte Familienmitglieder üben die Geschäftsführung aus. Die Anteile werden unter den Nachkommen gleichmäßig verteilt.

Vorteile

Das Unternehmen wird von der Familie als Ganzes fortgeführt. Im Idealfall stehen zwei Chefs an der Spitze, die durch unterschiedliche Fähigkeiten und Kenntnisse sich gegenseitig und damit das Unternehmen stärken.

Nachteil

Mit der Mehrfachspitze können Konkurrenzen entstehen, die die Führung des Unternehmens erschweren.

Realteilung

Das Unternehmen und die Unternehmensanteile werden auf zwei Nachfolger aufgeteilt. Jeder übernimmt für seinen Teil die Führung und Verantwortung. Hier empfiehlt sich eine Vereinbarung unter den beiden Nachfolgern, dass diese nicht in Wettbewerb zueinander treten.

Vorteil

Anteile und Führungsverantwortung sind klar aufgeteilt und bleiben jeweils in einer Hand – eine gute Basis für Frieden unter den Nachfolgern.

Nachteile

Das Unternehmen verliert an Größe. Auch die positiven Effekte von Synergien können ausbleiben.

Vettern-Gesellschaft

Die Geschäftsführung liegt gemeinsam bei Nachkommen und gegebenenfalls externen Managern. Die Erben erhalten gleichmäßig die Anteile.

Vorteil

Auf den ersten Blick eine gerechte Lösung. Das Unternehmen bleibt in Familienhand.

Nachteile

Der Gesellschafterkreis wächst mit jeder nachfolgenden Generation. Das Unternehmen zerfasert und das Konfliktpotenzial nimmt zu.

Gelingt es nicht, geeignete Nachfolger in der Familie zu finden, bieten sich folgende externe Lösungen an:

Stiftung

Die Anteile werden in eine Stiftung überführt. Das Geschäft wird meist extern geführt, Familienmitglieder erhalten regelmäßige Zahlungen.

Vorteile

Der Fortbestand des Unternehmens ist gesichert, unabhängig von den Familienmitgliedern. Konflikte werden fast ausgeschlossen, da meist alle gleich behandelt werden.

Nachteile

Die Familie hat nur beschränkten Einfluss auf das Unternehmen. Es kann später nur sehr schwer in ihre Hände zurückgelangen.

Fremdmanagement

Fremdmanagement ist häufig das Nachfolgemodell großer Familienclans, bei dem die Anteile im Familienbesitz bleiben, die Unternehmensleitung aber an Fremd-Manager übergeben wird.

Vorteile

Geschäftsführer von außen sind häufig sehr erfahren. Streitereien in der Familie um die Nachfolge aus dem Kreis der Angehörigen werden vermieden.

Nachteile

Die Interessen von Fremd-Geschäftsführer und Gesellschafter können sehr verschieden sein. Richtet sich der Fokus der Familie eher auf nachhaltiges Wachsen, so hat ein Externer häufig den schnellen Erfolg im Blick.

Über den Autor
Dr. Alexander Koeberle-Schmid

Alexander Koeberle-Schmid ist Wirtschaftsmediator und Nachfolge-Coach bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Er berät Unternehmer und Gesellschafter zu Familienverfassungen, Nachfolgegestaltungen, Beiratskonzeptionen und Governance-Strukturen. Alexander Koeberle-Schmid ist Mitherausgeber des Buchs „Führung von Familienunternehmen“.

AnschriftKPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft
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