FamilienunternehmenWie ein Beirat zusammengesetzt sein sollte

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Beiräte von Familienunternehmen sollten Personen mit unterschiedlichen Erfahrungen und Qualifikationen enthalten. Auch die Frauenquote ist eine Chance für den richtigen Mix an Mitgliedern.
erschienen: 19.11.2015
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Das Gesetz zur Frauenquote hilft in Aufsichtsräten sowie Beiräten von Familienunternehmen, das „Gleichdenken“ und eingefahrene Strukturen aufzubrechen auf dem Weg zu einer wertschätzenden Diskussionskultur. Die Mitglieder der Kontrollzentren haben die Aufgabe, unbequeme Fragen zu stellen. Es ist dafür ein Mix in Bezug auf Geschlecht und Alter, Branche und Kompetenz sowie im Hinblick auf das Verhältnis von Familienmitgliedern und externen Beratern erforderlich. Denn dein Beirat verschafft Raum, um über wichtige strategische Themen und Fehler zu diskutieren. Dabei trägt die Heterogenität zu einer fruchtbaren Diskussionskultur bei.

Ein Beiratsmandat ist kein lebenslanges Mandat. Die Zusammensetzung von Beiräten sollte alle drei bis fünf Jahre auf den Prüfstand gestellt werden, was in der Praxis oftmals versäumt wird. Das Kontrollgremium sollte den aktuellen Herausforderungen des Unternehmens gewachsen sein. Seine Einrichtung ist bei Familienunternehmen häufig freiwillig, aber viele entscheiden sich bewusst dafür. Dann sollte es auch so ausgestaltet werden, dass es den Gesellschaftern bestmöglich nutzt.

Mitglieder nach den Bedürfnissen des Unternehmens auswählen

Die Beiratsmitglieder sollten vor allem nach den Bedürfnissen des Unternehmens ausgewählt werden. Fachwissen und ein guter Charakter sollten für die Auswahl ausschlaggebend sein. Dabei ist nichts dagegen einzuwenden, eine Person mit an Bord zu holen, die Kompetenzen mit ungewöhnlichen Ideen kombiniert und überraschende Fragen stellt. Das kann für positiven Wirbel sorgen.

Rechtlich notwendig ist, dass das Gremium als Ganzes alle geforderten fachlichen Qualifikationen abdeckt. Außerdem ist Charakterstärke für eine produktive Zusammenarbeit erforderlich: Die Gremiumsmitglieder sollten besondere Persönlichkeitsmerkmale mitbringen, damit sie ihr Mandat nicht als Ja-Sager ausüben oder gar missbrauchen. Es sind Mitglieder gefragt, die den festen Willen haben, zum Erfolg des Familienunternehmens beizutragen mit dem Ziel, Lösungen zu finden, auch und gerade in schwierigen Situationen.

In Familienunternehmen kommt noch die Frage hinzu, wer von den Gesellschaftern im Beirat vertreten sein soll. Dabei haben Mitglieder, die nicht aus der Familie stammen, den Vorteil der Unabhängigkeit, somit keinen Zwängen aus der Familie unterliegen. Andererseits sind Gesellschafter gerade auch am mittel- und langfristigen Erfolg ihres Unternehmens interessiert. Deshalb ist anzunehmen, dass sie besonders intensiv die Aktivität der Geschäftsführung prüfen. Sind allerdings zu viele Familiengesellschafter im Gremium, kann dieses zur verkleinerten Gesellschafterversammlung werden.

Frauenquote als Chance nutzen

Zwar sind viele Familienunternehmen, was den Anteil von Frauen in Beiräten anbelangt, schon heute gut aufgestellt. Trotzdem hinken noch einige den DAX-30-Konzernen in der Erfüllung des Gesetzes zur Frauenquote hinterher. Hinzu kommt, dass in vielen Familienunternehmen große Unsicherheit herrscht: Viele Firmen wissen nicht, wie sie die Vorgaben des Gesetzes erfüllen sollen. Es fehlt an Vorbildern, die heute schon die Vorgaben erfüllen – und zum Teil schlicht auch an Wissen darüber. In vielen Fällen ist unklar, ob die Unternehmen eine freiwillige oder gar keine Regelung treffen müssen.

Familienunternehmen sollten die neuen Vorgaben zur Frauenquote als Chance begreifen. Sie können sie sogar zu ihrem Vorteil nutzen. Der demografische Wandel, die Werte der Generation Y und der Imagegewinn für das Unternehmen bei Kunden und Geschäftspartnern machen gezielte Programme für die Förderung von Frauen in Führungsgremien lohnenswert. So sollte auch vor der Suche von Kandidaten für den Beirat klar sein, wie viele Frauen gesucht werden – und ob sie gerade auch aus dem Gesellschafterkreis kommen.

Persönliche und fachliche Kompetenzen der Mitglieder klären

Die Suche nach geeigneten Mitgliedern für den Beirat sollte erst dann beginnen, wenn klar ist, nach wem überhaupt Ausschau gehalten werden soll. Das heißt, dass die fachlichen und persönlichen Anforderungen an den Kandidaten feststehen müssen. Und auch der angestrebte Mix muss klar sein sowie die Frage des Frauenanteils. Denn es darf nicht darum gehen, Freunde oder den nächstbesten Berater zu engagieren, sondern darum, die Personen zu holen, die das Familienunternehmen voranbringen.

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Über den Autor
Dr. Alexander Koeberle-Schmid

Alexander Koeberle-Schmid ist Wirtschaftsmediator und Nachfolge-Coach bei der KPMG AG Wirtschaftsprüfungsgesellschaft. Er berät Unternehmer und Gesellschafter zu Familienverfassungen, Nachfolgegestaltungen, Beiratskonzeptionen und Governance-Strukturen. Alexander Koeberle-Schmid ist Mitherausgeber des Buchs „Führung von Familienunternehmen“.

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