FinanzierungDie wichtigsten Fragen und Antworten zum Crowdfunding

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Welche Crowdfunding-Modelle gibt es? Wie finden Crowdfunder die passende Zielgruppe und was passiert mit dem investierten Kapital bei einer Insolvenz?
erschienen: 20.09.2016
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Für welches Projekt eignet sich welches Crowdfunding-Modell?

Es wird zwischen vier verschiedenen Crowdfunding-Modell unterschieden: Beim klassischen Crowdfunding (reward-based crowdfunding) erhalten die Unterstützer eine nicht-finanzielle Gegenleistung für ihr Geld. Dies kann ein kleines Dankeschön oder auch oft das Produkt sein, dessen Produktion durch das Crowdfunding finanziert werden soll. Man spricht hier auch von Pre-Selling. Die Form des Crowdfunding eignet sich also ideal für alle, die den Marktbedarf ihrer Produktidee testen und gleichzeitig Verkäufe generieren wollen. Für geschäftliche Projekte, die später Erträge abwerfen, bietet es sich an, die Crowd über finanzielle Anreize zu motivieren.

Beim Crowdinvesting wird die Crowd direkt am Unternehmens- beziehungsweise Projekterfolg beteiligt. Je nach Vertrag erhalten die Investoren einen festen Zins und/oder eine erfolgsabhängige Verzinsung. Crowdinvesting eignet sich zur Finanzierung unternehmerischer Projekte und findet mittlerweile in vielen Bereichen Anwendung, wie zum Beispiel bei Startups, Immobilien und Energieprojekten.

Beim Crowdlending (auch lending‐based crowdfunding oder P2P Kredit genannt), wird das Geld direkt von der Crowd zu einem fest vereinbarten Zins geliehen. Da hier die Bank als mitverdienender Intermediär wegfällt, bietet dieses Modell oftmals attraktivere Zinsen als ein klassischer Kredit. Crowdlending findet auch zunehmend im Mittelstand und bei Selbständigen Anwendung, wo dann zusätzliche Marketingeffekte zum Tragen kommen.

Bei sozialen und gemeinnützigen Projekten bietet sich Spenden-Crowdfunding (donation-based crowdfunding) an. Bei der Form des Online-Fundraising erhält die Crowd keine Gegenleistungen.

Was versteht man unter der so genannten Funding-Schwelle?

Die Funding-Schwelle ist die Summe, die mindestens erreicht werden muss, damit das Crowdfunding erfolgreich ist. Die Projektstarter bekommen das Geld nur ausgezahlt, wenn die Funding-Schwelle erreicht wird – andernfalls geht das Geld an die Unterstützer zurück. Auf dieses Alles-oder-nichts-Prinzip stützen sich die meisten Plattformen.

Wie sollten Crowdfunder ihre Investoren über Fortschritte informieren?

Nachdem Projektstarter ihr Vorhaben erfolgreich über die Crowd finanziert haben, sollten sie ihre Unterstützer solange über aktuelle Entwicklungen auf dem Laufenden halten, bis sie das Versprochene abgeliefert haben. Die auf Startups fokussierten Crowdinvesting-Plattformen sehen vierteljährliche Updates vor, die im geschlossenen Investorenbereich eingestellt werden. Darüber hinaus macht es Sinn, regelmäßig über die eigenen Social-Media-Kanäle über Projektfortschritte zu informieren. Die Crowd ist ja viel mehr als nur Geldgeber, sondern oftmals auch Kunde, Feedbackgeber und Markenbotschafter.

Wie finden Crowdfunder die passende Zielgruppe?

Das ist eine der größten Herausforderungen für Projektstarter. Bei einem reward-based Crowdfunding ist das Finden der entsprechenden Zielgruppe ein klassischer Marketingjob. Projektstarter sollten sich die Frage stellen, für wen das Projekt interessant ist und wem es einen wirklichen Mehrwert schafft. Bei regionalen Projekten findet sich die passende Zielgruppe meist in der direkten Nachbarschaft, bei Special-Interest-Themen ist diese dann möglicherweise auf der ganzen Welt verteilt.

Wie sprechen Crowdfunder ihre Zielgruppe gezielt an?

Die Ansprache gelingt am besten über die entsprechenden themenspezifischen Medien. Dazu gehört klassische PR-Arbeit. Es ist auch möglich, die Zielgruppe über bezahlte Anzeigen bei Facebook oder Google zielgerichtet anzusprechen. Deutlich einfacher ist es, wenn man schon eine bestehende Crowd hat. Dort läuft die Ansprache dann meist über die eigenen Social-Media-Kanäle und den vorhandenen E-Mail-Verteiler.

In jedem Fall empfiehlt es sich für alle Projektstarter, offen mit der Crowd zu kommunizieren und auf Rückfragen zeitig zu reagieren.

Was können attraktive Gegenleistungen für Investoren sein?

Das hängt ganz vom Projekt ab. Drei grundsätzliche Ratschläge:

  • Die Gegenleistungen haben idealerweise einen direkten Projektbezug.
  • Die frühen Crowdfunding-Unterstützer sollten nicht mehr für eine Gegenleistung zahlen, als das Produkt später im Laden kosten wird.
  • Bei der Auswahl der Gegenleistungen sollte die Außenperspektive eingenommen werden: Ist das, was der Crowd an Gegenleistung angebotenen wird, ein wirklich faires und attraktives Angebot?

Was sind die wichtigsten Regelungen zum Kleinanlegerschutz?

Das Kleinanlegerschutzgesetz gibt Crowdinvesting einen rechtlichen Rahmen. Crowdinvestments, die über partiarische Darlehen oder Nachrangdarlehen laufen und ein Emissionsvolumen von unter 2,5 Millionen Euro haben, benötigen keinen Prospekt. Stattdessen muss ein Vermögensanlagen-Informationsblatt (VIB) erstellt und bei der Bundesanstalt für Finanzdienstleistungsaufsicht (BaFin) hinterlegt werden.

Natürliche Personen können maximal 10.000 Euro pro Projekt investieren, müssen aber bei Investments über 1.000 Euro nachweisen, dass Sie über mehr als 100.000 Euro verfügen oder nicht mehr als das Doppelte ihres monatlichen Nettoeinkommens investieren. Crowdinvesting-Plattformen benötigen eine Erlaubnis nach § 34f Gewerbeordnung (GewO) für Vermögens- und Finanzanlagen. Weiterhin regelt das Gesetz das Bewerben von Crowdinvesting-Projekten.

Was passiert mit dem investierten Kapital bei Insolvenz eines Crowdfunders?

Beim Crowdfunding laufen die Investments meist über nachrangige Darlehen. Das bedeutet, dass diese Forderungen nachrangig nach den Forderungen anderer Gläubiger bedient werden. Sollte es zur Insolvenz des Unternehmens kommen, gehen die Crowdinvestoren leer aus, wenn keine Vermögensgegenstände mehr verfügbar sind.

Über den Autor
Michel Harms

Michel Harms ist Herausgeber des Crowdfunding-Informationsportals crowdfunding.de. Das unabhängige Portal informiert seit 2011 zum Thema Crowdfunding. Michel Harms hat diverse Crowdfunding-Studien verfasst und ist als Referent tätig.

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