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Fit for businessDie Mitarbeiter zu mehr Gesundheitsbewusstsein anspornen

Das beste Gesundheitskonzept taugt nichts, wenn die Mitarbeiter es nicht annehmen und konsequent umsetzen. Das "2+2 und 4-Konzept" ist anders: damit werden die Mitarbeiter auch langfristig zu einem gesundheitsbewussten Verhalten motiviert.
erschienen: 10.12.2009

Den Krankenstand dauerhaft senken, das Gesundheitsbewusstsein aller Beschäftigten fördern, deren Leistungs- und Beschäftigungsfähigkeit stärken und erhalten sowie das Wohlbefinden am Arbeitsplatz verbessern – so lauten meistens die wichtigsten Ziele des betrieblichen Gesundheitsmanagements. Aufgrund der demografischen Entwicklung und der damit verbundenen Tatsache, dass die Mitarbeiter künftig deutlich länger arbeiten müssen, gewinnen die Gesundheit der Belegschaft und der Erhalt ihrer Leistungsfähigkeit zusätzlich an Bedeutung.

Entscheidend ist daher, dass die eingesetzten Maßnahmen zur Gesundheitsförderung von den Mitarbeitern angenommen werden und zu einem nachhaltig gesünderen Lebensstil führen. Die Erfahrungen zeigen jedoch, dass dies nicht selbstverständlich ist. Kursprogramme umfassen Angebote für gesunde Bewegung, etwa Nordic Walking, Sport und Fitness, Ernährungsberatung und Entspannung, zum Beispiel Yoga, Pilates und andere. Solche Angebote bilden die Grundlage eines betrieblichen Gesundheitsförderungskonzepts und haben gute Teilnehmerzahlen. Die meisten Beschäftigten werden aber mit diesen Angeboten nicht erreicht.

Die Gründe dafür sind schnell benannt: Viele Beschäftigte sind in Schichtarbeit oder im Außendienst tätig. Unregelmäßige Arbeitszeiten, Dienstreisen oder sonstige organisatorische Gründe führen ebenfalls dazu, dass viele Mitarbeiter nicht an diesen Kursen teilnehmen. Zudem mangelt es bei vielen an der Motivation und Überzeugung, freiwillig etwas für die eigene Gesundheit tun zu müssen.

Für die Kernthemen der Gesundheit – Ernährung und Bewegung – setzt der Energieversorger daher seit April 2007 auf das "2+2 und 4-Konzept". Dessen Wirksamkeit wurde bereits in mehreren (Langzeit-)Studien an der Deutschen Sporthochschule sowie an der Universität Gießen wissenschaftlich belegt.

Stichwort2+2 und 4-Konzept

Das 2+2 und 4-Konzept besteht aus Ernährungsvorgaben, die an mindestens vier Tagen der Woche befolgt werden sollen, zwei 20-minütigen Ausdauer- und zwei 10-20-minütigen Kraftübungen je Woche, die einfach und ohne Hilfsmittel alle Muskelgruppen aktivieren. Das Besondere an dem Programm ist die inhaltliche Verzahnung von leicht umsetzbaren Bewegungs- und Ernährungsempfehlungen, die zeitlich flexibel angewendet werden können.

Das 2+2 und 4-Konzept in der Praxis

Zunächst wurde ein Pilotprojekt durchgeführt, an dem sowohl Verwaltungsangestellte als auch Schichtarbeiter teilnahmen. Den Auftakt bildete eine Veranstaltung mit einem Impulsvortrag, um die 140 Teilnehmer für die eigene Gesundheit zu sensibilisieren und ein Commitment herzustellen. Anschließend nahmen sie – freiwillig – an einem Gesundheits- und Fitness-Check-up teil. Natürlich waren die ermittelten Daten vertraulich und wurden von den Trainern nur genutzt, um individuelle Bewegungs-, Kraft- und Ernährungsempfehlungen zu erarbeiten. Diese erhielten die Teilnehmer per Post oder E-Mail nach Hause.

Entscheidend für den Erfolg derartiger Programme ist, dass alle Empfehlungen sich mit wenig Aufwand und auch von Menschen, die wenig Zeit haben, durchführen lassen. Selbst Bewegungsmuffeln oder Fastfoodliebhabern muss es leicht fallen, ihr Programm einzuhalten.

Zwölf Wochen lang wurden die Teilnehmer dabei von ihrem Personal Coach unterstützt. Anfangs war die Motivation bei den Teilnehmern hoch. Damit das so blieb, unterstützten die Coaches jeden regelmäßig und sehr individuell per Telefon und E-Mail. Aufgrund der regelmäßig einzureichenden Feedbackbögen konnten die Coaches erkennen, ob ein Programm angepasst werden musste oder wer zusätzliche Motivationshilfen benötigte. Diese individuelle Betreuung durch die Coaches war der Schlüssel zum Erfolg. Denn allein der Wille, gesünder zu leben, reicht in der Regel nicht, da es sich bei der Ernährung und dem Bewegungsverhalten um tief verankerte Gewohnheiten handelt, die über Jahrzehnte gefestigt wurden.

Drei Monate später wurden die Gesundheitsdaten der Teilnehmer – Körpergewicht, Bauchumfang sowie die Einstellungen zur Gesundheit – erneut erhoben. Die Männer unter den Teilnehmern hatten durchschnittlich 3,5 kg abgenommen und ihren Bauchumfang um 5,4 cm reduzieren können. Die Frauen waren um 2,2 kg leichter und 3,1 cm schlanker geworden. Die Ergebnisse der Schichtarbeiter waren isoliert betrachtet sogar in Relation noch etwas besser als die der Gesamtgruppe.

Auch beim Fitnesstest wurden signifikante Verbesserungen in Form von besserer Ausdauerleistung und Steigerung der Kraft festgestellt. Sehr deutlich wurden die Effekte des Coachings auch bei den Einstellungen zur Gesundheit. Die Teilnehmer fühlten sich nun deutlich zufriedener mit ihrem Ernährungs- und Bewegungsverhalten. Das veränderte Ernährungsverhalten drückte sich etwa darin aus, dass die Mitarbeiter sich bewusst für gesündere Nahrungsmittel entscheiden. Laut eigenen Aussagen traten bei den Teilnehmern deutlich seltener körperliche Beschwerden wie Herzklopfen, Magenbeschwerden, Kreuz- und Gliederschmerzen, Kopfschmerz, schnelles Ermüden, Anspannung oder Schlafschwierigkeiten auf.

Effekte ließen sich replizieren

Ein Vorteil gegenüber anderen Maßnahmen besteht darin, dass das Tele-Coaching sowie die Umsetzung der empfohlenen Maßnahmen außerhalb der Arbeitszeit erfolgen. Die Programmdauer stellt zudem sicher, dass die Teilnehmer Erfolgserlebnisse haben, die sie darin bestätigen, sich weiterhin gesundheitsorientiert zu verhalten.

Aufgrund dieser positiven Erfahrungen boten die Verantwortlichen für das Gesundheitsmanagement das 2+2 und 4-Coaching den Tochterunternehmen an, da es sich als wirkungsvolle Dienstleistung erwiesen hat. Dort wurden zwischenzeitlich sehr erfolgreich mehrere Projekte mit über 500 Teilnehmern durchgeführt. Die Kosten des Coachings trug überwiegend das Unternehmen, nur vereinzelt wurde von den Mitarbeitern eine geringe Eigenbeteiligung erhoben.

Die Evaluation einer kombinierten 4-Tage Trainings- und Coachingmaßnahme umfasste neben den medizinischen auch die psychologischen Effekte, erhoben im Rahmen einer Diplomarbeit an der Universität München. Demnach verbesserten sich etwa das wahrgenommene psychische Wohlbefinden, die Vitalität sowie die Lebensqualität und -zufriedenheit, während körperliche Beschwerden signifikant seltener auftraten. Die Abbrecherquote lag bei unter zehn Prozent.

Rollout ist angelaufen

Für eine flächendeckende Umsetzung des Coachings im Konzern bedurfte es weiterer Angebote, um möglichst viele Mitarbeiter neben ihrer Arbeit mit den Ernährungsregeln und Bewegungstipps fit zu machen. Die weiteren Planungen wurden daher in zwei Richtungen vorangetrieben: Zum einen sollen die Inhalte des 2+2 und 4-Gesundheitscoaching in Form einer 4-Tage Kurzkur in einem betriebseigenen Ferienheim vermittelt werden. Die Gruppendynamik und interessante Seminarbausteine in Urlaubsatmosphäre versprechen eine hohe Akzeptanz der Teilnehmer und eine schnelle Verinnerlichung des neuen Verhaltens.

Und zum anderen sollen die Beschäftigten die Möglichkeit haben, finanziell und organisatorisch unabhängig vom Arbeitgeber an dem Gesundheitscoaching teilzunehmen. Mit der Betriebskrankenkasse konnte ein entsprechender Vertrag vereinbart werden, sodass die Versicherten, auch deren Angehörige, die nicht im Unternehmen beschäftigt sind, an dem erfolgreichen Coachingprogramm teilnehmen können. Gemeinsam mit der Betriebskrankenkasse wird derzeit eine Evaluation durchgeführt, um längerfristige Effekte nach sechs und zwölf Monaten, mit und ohne Follow-up-Einheiten sowie die Auswirkungen auf die gesundheitliche Fitness zu untersuchen.

[Bild: Laurin Rinder - Fotolia.com]

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Über den Autor
Dr. Dr. Michael Despeghel

Michael Despeghel ist Geschäftsführer von Despeghel & Partner Gesundheitsconsulting und gilt europaweit als einer der erfolgreichsten und erfahrensten Fitness-, Gesundheits- und Ernährungsexperten. Zurzeit habilitiert er an der Universität Gießen. Er ist Vorstand der Deutschen Gesellschaft für präventive Männermedizin e.V.

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