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FörderprogrammeSo bessern Sie Ihr Budget für die Produktentwicklung auf

Wer neue Produkte, Dienstleistungen oder Verfahren entwickeln will, kann sein Forschungs- und Entwicklungsbudget mit staatlicher Hilfe erheblich aufstocken oder kostenlose Beratungsleistung in Anspruch nehmen. Insbesondere kleine und mittelständische Unternehmen sollen davon profitieren. Doch wie kommen sie an die Fördergelder?
erschienen: 24.07.2009

„Was für Bier selbstverständlich ist, könnte bald auch für Wein gelten: In einem Modellprojekt ist es gelungen, ein praxistaugliches Mehrwegsystem für Wein- und Sektflaschen aufzubauen. Gemeinsam mit der Fachhochschule Bielefeld hat die Gesellschaft für Wein- und Sektflaschen Recycling (WSR, Marienfeld) eine Sortieranlage für die wegen ihrer verschiedenen Formen und Größen problematischen Flaschen entwickelt. Nun können sie von den Kellereien wiederverwendet werden.“

So lautet eine Erfolgsmeldung der Deutschen Bundesstiftung Umwelt (DBU) zu einem geförderten Forschungs- und Entwicklungsprojekt. Ganz typisch daran: Unternehmen und Hochschule arbeiten gemeinsam an einem neuen Produkt oder Verfahren und eine Fördereinrichtung gibt Geld dazu. Für Unternehmen ist das eine Möglichkeit, ihre Forschungs- und Entwicklungsbudgets aufzubessern, oder Projekte anzugehen, für die sonst keine Mittel vorhanden wären.

Ideen brauchen Anschub

Der Bund unterstützt die Forschung und Entwicklung jedes Jahr mit vielen Milliarden Euro. Wichtigste Akteure sind dabei das Bundesministerium für Bildung und Forschung (BMBF) und das Bundesministerium für Wirtschaft und Technologie (BMWi). Und auch das Bundesministerium für Umwelt, Naturschutz und Reaktorsicherheit (BMU) und das Bundesministerium für Verkehr, Bau und Stadtentwicklung (BMVBS) haben Förderprogramme für die Wirtschaft. Weitere Mittel stellen die Länder bereit, die sich nicht nur um Hochschulen und Grundlagenforschung kümmern, sondern auch Unternehmen unterstützen.

In den letzten Jahren hat sich außerdem die Europäische Union mit einer weitreichenden Forschungsförderung hervorgetan. Die Beamten in Brüssel schmieden etwa alle sechs bis acht Jahre ein sogenanntes Rahmenprogramm. Derzeit läuft das siebte (2007 bis 2013), das mit immerhin 54 Mrd. Euro ausgestattet wurde.

Dazu kommen private Stiftungen, die ihr Geld in neue Ideen und Antworten auf gesellschaftspolitische Fragen und Probleme stecken. Die größte von ihnen ist die Robert Bosch Stiftung, andere bekannte sind die Bertelsmann-Stiftung, die Dietmar-Hopp-Stiftung oder die Volkswagen-Stiftung.

StichwortFörderprogramme

Bund, Länder und Europäische Union formulieren in Förderprogrammen, welche Forschungs- und Entwicklungsaktivitäten (FuE) sie unterstützen wollen, welche Ziele sie dabei verfolgen, welche Mittel dafür zur Verfügung stehen und unter welchen Bedingungen sie die Gelder an welche Empfängergruppe vergeben.

Unternehmen erhalten Unterstützung

Wenn Unternehmen neue Ideen in innovative Produkte oder Verfahren umsetzen wollen, lohnt es sich, nach öffentlicher Förderung auszuschauen. Die Europäische Union, Bundes- und Länderministerien fördern explizit Vorhaben in der Wirtschaft mit finanziellen Zuwendungen. Dabei zählt nicht nur das Geld. Oft ist Unternehmen schon geholfen, wenn sie sich beraten lassen. So hat das Forschungsministerium in den 1980er Jahren sogenannte CIM-Zentren (Computer Integrated Manufacturing) eingerichtet, in denen sich Unternehmen über neueste Entwicklungen der computerunterstützten Produktion und Planung informieren konnten. Das hat dazu beigetragen, dass viele Unternehmen schneller vom Aktenordner zum Computer gewechselt haben. Und Anbietern der Technologie wie SAP hat das auch geholfen.

Die Themen haben sich im Laufe der Zeit geändert. Heute stehen auf der Förderliste für neue Technologien des BMBF:

  • Mikrosystemtechnik,
  • Informations- und Kommunikationstechnik,
  • optische Technologien,
  • Nanotechnologie,
  • Werkstoffinnovationen oder
  • Produktionssysteme.

StichwortVerbundprojekte

In den meisten Fällen unterstützt das BMBF die Unternehmen in der Form von Verbundprojekten. Nur wer sich mit anderen Unternehmen zusammen tut und auch Forschungseinrichtungen (insbesondere Hochschulen, Fraunhofer-Gesellschaft) mit einbindet, kann gefördert werden.

Der Staat und die Europäische Union sind besonders daran interessiert, kleinen und mittelständischen Unternehmen zu helfen. Diese werden – so zumindest die Zielsetzung – bevorzugt ausgewählt. Denn ihnen fehlen oft die finanziellen Mittel oder das Know-how, um Innovationen anzugehen, die für ihre Wettbewerbsfähigkeit entscheidend sind. Unter anderem wurde das Zentrale Innovationsprogramm Mittelstand (ZIM) als Basisprogramm des Bundesministeriums für Wirtschaft und Technologie für die marktorientierte Technologieförderung der innovativen mittelständischen Wirtschaft in Deutschland ins Leben gerufen. Hier sollen Fördermaßnahmen und Know-how-Transfer gebündelt werden.

„Anders als ... spezialisierte Unternehmen erreichen viele mittelständische Unternehmen in ihren Märkten ... nicht die notwendige Mindestgröße, um eigene FuE-Abteilungen aufzubauen, kontinuierlich zu forschen oder riskante FuE-Vorhaben allein durchzuführen. Forschung und Entwicklung können diese Unternehmen oftmals nur in Kooperation mit externen Partnern in Wirtschaft und Wissenschaft durchführen“, heißt es im Bundesbericht Forschung von 2004.

Problem: Wie findet man das passende Programm?

Im Dschungel der vielen Förderprogramme und Förderthemen kennen sich nur wenige Experten aus. Das Bundesministerium für Wirtschaft und Arbeit hat deshalb eine Förderdatenbank eingerichtet. Hier finden interessierte Unternehmen einen vollständigen und aktuellen Überblick über die Förderprogramme des Bundes, der Länder und der Europäischen Union.

Hinweis

Zur Förderdatenbank kommen Sie unter: www.foerderdatenbank.de

Wichtige Kriterien bei der Auswahl eines geeigneten Programms sind:

  • Förderbereich: Welches Thema, welche Projekte werden gefördert?
  • Förderregion: Manche Programme richten sich nur an Unternehmen einer bestimmten Region oder eines Bundeslandes.
  • Förderberechtigte: Neben Unternehmen können auch Privatpersonen, Forschungseinrichtungen, Kommunen, Verbände etc. gefördert werden.
  • Förderart: Unternehmen können nicht nur Zuschüsse für Forschungsprojekte erhalten, sondern auch Bürgschaften, vergünstigte Darlehen etc.

Wer eine Forschungsförderung anstrebt, sollte zunächst prüfen, ob es einen geeigneten Förderbereich gibt. Lässt sich das angestrebte Forschungsprojekt thematisch einem konkreten Förderprogramm zuordnen? Einige Programme sind hier eng begrenzt, andere sind offen für unterschiedliche Ideen. In jedem Fall muss man sich mit der inhaltlichen Ausrichtung eines Programms auseinandersetzen.

Im zweiten Schritt muss geprüft werden, ob die Voraussetzungen erfüllt sind. Einige Programme richten sich nur an kleine und mittelständische Betriebe oder an Unternehmen einer spezifischen Branche; andere sind nur für eine bestimmte Region gedacht. Häufig muss man mit Partnern zusammenarbeiten. Außerdem wird vorausgesetzt, dass man das fachliche Know-how und ausreichend eigene Mittel mitbringt.

Für manche ein K.O.-Kriterium: Wer mit Steuergeldern unterstützt wird, muss seine Projektergebnisse der Allgemeinheit zur Verfügung stellen. In vielen Forschungsprojekten erwartet der Geldgeber, dass ein Transfer der Ergebnisse erfolgt. Andere Unternehmen sollen am allgemeinen Know-how-Zuwachs beteiligt werden. Für das interessierte Unternehmen stellt sich die Frage: Will es andere an den FuE-Ergebnissen teilhaben lassen?

Schließlich sollte man prüfen, ob die Förderart geeignet ist, das Vorhaben voranzubringen. Direkte Zuschüsse können das Budget für ein Projekt aufstocken und dürften immer hilfreich sein. Beteiligungen, Bürgschaften oder Darlehen setzen ein gehöriges Maß an Eigenleistung voraus, die erst einmal erbracht werden muss.

Die wichtigen Informationen zu den Förderprogrammen und den Rahmenbedingungen können im Internet abgerufen werden. Gleichwohl lohnt sich in den meisten Fällen auch ein Telefonat mit den Ansprechpartnern des jeweiligen Programms. Hier erfährt man, was für die Antragstellung alles zu beachten ist – und vielleicht auch, wie die Chancen stehen.

Was ist bei der Antragstellung zu beachten?

Wer sich für ein Förderprogramm entschieden hat, sollte genau prüfen, welche Antragsformalitäten notwendig sind. Manchmal genügt es, ein Formular auszufüllen; häufig ist es ein umfangreiches Prozedere, das durchlaufen werden muss, bevor Gelder fließen.

Wenn ein neues Förderprogramm aufgelegt oder eine Ausschreibung bekannt gemacht wird, werden zunächst sogenannte Ideenskizzen angefragt. Hierfür müssen die Ziele, die Aufgabenstellung und die Vorgehensweise kurz beschrieben, das Budget abgeschätzt und die beteiligten Partner genannt werden. Nur wer mit diesen Informationen die Programmverwalter und die Gutachter überzeugen kann, kommt in die nächste Runde.

Wichtig sind die Termine! Immer häufiger gibt es für Förderprogramme Meldefristen. Nur wer bis zum Stichtag die fertige Ideenskizze eingereicht hat, kann berücksichtigt werden.

Die eigentliche Antragstellung ist dann sehr umfangreich. Es müssen mehrere Unterlagen und ausgefüllte Formulare eingereicht werden. Im Allgemeinen zählen dazu:

  • Beschreibung des Vorhabens: Hier werden Ziele und Aufgabenstellung der geplanten FuE-Aktivität ausführlich beschrieben; dabei muss auch der Bezug zum Förderprogramm und den Förderzielen deutlich werden. Im detaillierten Arbeitsplan wird Schritt für Schritt erläutert, wie die Ziele erreicht werden sollen.
  • Kalkulation: Das Budget muss detailliert geplant werden: Welche Mittel werden für welches Jahr und welche Aufgaben benötigt? Was sind die Kalkulationsgrundlagen (Gehälter, Reisekosten, Sachmittel etc.). Hierfür gibt es easy – das Elektronische Antrags- bzw. Angebots-System des Bundes.
  • Ergänzende Unterlagen: Schließlich müssen sich alle beteiligten Partner vorstellen, teilweise auch die einzelnen Projektleiter. Dabei muss deutlich werden, dass die Partner in der Lage sind, also Mittel und Know-how haben, um das angestrebte Ziel zu erreichen. Außerdem müssen Unternehmen Bonitätsunterlagen einreichen und eine Erklärung abgeben, dass sie sich an die Verdingungsordnung für Leistungen (VOL) der öffentlichen Auftraggeber halten.

Probleme der Forschungsförderung

Wo die Mittel der öffentlichen Förderung begrenzt sind, besteht ein Wettbewerb der Ideen, die um das Geld der Fördertöpfe buhlen. Viele gehen leer aus. Die Enttäuschung ist groß, wenn im Vorfeld viel Zeit investiert wurde, um Partner zu finden, ein Forschungskonzept zu entwickeln, eine Finanzplanung zu machen und die Antragsunterlagen zusammenzustellen.

In manchen Fällen sind es nicht unbedingt die besten Ideen, die sich durchsetzen. Auch etablierte Netzwerke spielen eine Rolle. Sie kennen die Vergaberichtlinien genau, wissen worauf Gutachter besonderen Wert legen und haben gute Kontakte zu den Programm-Verwaltern.

Wer an die Förderprogramme der Europäischen Union ran will, muss besonders hohe Hürden überwinden.

„Die Regeln und Schwerpunkte der Antragstellung ändern sich ständig, selbst im laufenden Verfahren“, klagt Christian Moormann, Geschäftsführer der AMO GmbH in Aachen, der bereits viele und meist schlechte Erfahrungen gesammelt hat. [Quelle: Markt und Mittelstand 2/2004]

Kein Wunder, dass sich nur wenige mittelständische Unternehmen an Europäischen Förderprojekten beteiligen. Nur ein kleiner Teil des Forschungs-Budgets geht an sie. Im Zweifel werden die großen, etablierten Firmen ausgewählt, die auch in der Lage sind, den langen Zahlungsverzug der Brüsseler Behörde durchzustehen.

Wer sich an einem geförderten Forschungsvorhaben beteiligen möchte, der sollte bei der Auswahl der Partner darauf achten, dass diese bereits Erfahrungen mitbringen oder gute Kontakte zum Geldgeber haben.

Hinweis

Unternehmensberater wollen bei der Akquisition von Fördergeldern helfen. Sie bieten an, das passende Förderprogramm zu finden und die komplette Antragstellung zu übernehmen. Das kostet natürlich Geld – meist einen erklecklichen Anteil an den eingeworbenen Fördermitteln. Hier ist Vorsicht angebracht. Nicht alle Berater halten das, was sie versprechen. Oder sie lassen sich ihre Leistung fürstlich entlohnen.

Weitere Fördermöglichkeiten

Die folgende Abbildung gibt eine Übersicht über die Förderstruktur und Förderarten. Sie zeigt, es gibt nicht nur die direkte Projektförderung und Zuschüsse.

[Quelle: Innovationsförderung. Hilfen für Forschung und Entwicklung. Hrsg. BMBF und BMWA; www.bmbf.de/pub/innovationsfoerderung.pdf]

Es werden auch Beratungseinrichtungen gefördert, die zum Beispiel Existenzgründern auf die Füße helfen. Bei Darlehensförderung und Beteiligungskapital sind vor allem die KfW Förderbank und die KfW Mittelstandsbank aktiv. Sie vergeben zinsgünstige Kredite oder helfen bei der Verbesserung der Eigenkapitalausstattung. Zielgruppe sind vor allem Existenzgründer und Mittelständler.

Wenn die Förderprogramme einmal definiert und mit Geldmitteln ausgestattet sind, geht es vor allem um den „kontinuierlichen Mittelabfluss“. Jedem Unternehmen kann man dann nur raten, dabei zu sein und zumindest die Fördermöglichkeiten zu prüfen. Entscheidend aber ist: Eine Förderung leistet nur eine Beitrag, ein Vorhaben zu unterstützen. Sie kann niemals das gesamte Budget stemmen.

Links zu Förderprogrammen und wichtige Kontakte

Förderberatung des Bundes:

www.foerderinfo.bund.de

Übersicht Förderaktivitäten:

www.bmbf.de/....pdf

www.forschungsportal.net

Informationen zu den Förderaktivitäten der Europäischen Union (7. Rahmenprogramm):

www.forschungsrahmenprogramm.de

Bundesverband Deutscher Stiftungen:

www.stiftungen.org

www.stiftungsindex.de

[jf; Bild: Uwe Lütjohann - Fotolia.com]

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