ForderungsmanagementForderungsausfall vermeiden und flüssig bleiben

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Wenn Kunden nicht zahlen, kann es schnell zu Liquiditätsengpässe kommen. Fünf Tipps, wie Sie es schaffen, dass es gar nicht erst soweit kommt.
erschienen: 16.12.2015

Permanenter Zahlungsverzug oder gar Forderungsausfall können zu Liquiditätsengpässen führen. Sei es bei der Lohnauszahlung, der Warenwirtschaft oder der Beschaffung neuer Güter. Mit den folgenden Tipps können Sie potenziellen Kunden schon vor Vertragsabschluss auf den finanziellen Zahn fühlen und die Risiken für Forderungsausfälle minimieren.

Vor Vertragsabschluss Bonität und Unternehmensdaten prüfen

Zuverlässige Informationen sind wichtiger als persönliche Eindrücke. Bevor Sie einen Vertrag abschließen, sollten Sie daher immer die Bonität Ihrer Kunden überprüfen. Potenzielle Auskünfte finden Sie hier:

  • Online-Bundesanzeiger
  • Zuständige IHK
  • Handelsregister
  • SCHUFA bei B2C-Verträgen
  • Creditreform bei B2B-Verträgen

Die Informationen sind teilweise kostenlos oder gegen eine verhältnismäßig geringe Gebühr erhältlich. Über den Bundesanzeiger können Sie die Bilanzen Ihrer Kunden kostenfrei einsehen, vorausgesetzt, Ihr Kunde ist publizitätspflichtig. Dabei sollten Sie auf wichtige Kennzahlen, wie Fremdkapitalquote oder Anlagen- und Umlaufintensität achten. Mit diesen Informationen verschaffen Sie sich schnell einen ersten Einblick über die finanzielle Gesundheit Ihres potenziellen Kunden.

Zur Überprüfung von Unternehmensdaten lohnt sich des weiteren ein Blick ins Handelsregister. Dort werden etwa Online-Dienste für laufende Insolvenz- und Mahnverfahren, Schuldnerverzeichnisse oder Listen rechtswirksamer Vertreter von Unternehmen angeboten. Auch die Recherche in Suchmaschinen liefert erste Hinweise, um die aktuelle finanzielle Lage Ihres Kunden besser einschätzen zu können. Besonders Bewertungsportale, Pressemitteilungen oder Einträge in sozialen Kanälen eignen sich gut dafür.

Rechnung zügig erstellen und Zahlungseingänge kontrollieren

Sie haben Ihre vereinbarte Leistung erbracht und die Abnahme ist erfolgt? Dann sollten Sie zügig Ihre Rechnung stellen. Achten Sie dabei auf eine genaue und vollständige Aufzählung der erbrachten Leistungen und berechnen Sie die vereinbarten Preise. Werfen Sie auch ein Auge auf eine korrekte Angabe der Zahlungsziele. Die Forderung muss prüffähig sein, denn jeder Fehler kann dazu genutzt werden, die Zahlung aufzuschieben.

Nach der Rechnungsstellung sollten die Zahlungseingänge zu den entsprechenden Zahlungszielen geprüft werden. So stellen Sie frühzeitig einen möglichen Zahlungsverzug fest und können entsprechend reagieren.

Konsequentes Forderungsmanagement durchführen

Wenn Sie nach der Kontrolle der Zahlungsstelle feststellen, dass Ihr Kunde trotz klar vereinbartem Zahlungsziel in Zahlungsverzug ist, sollten Sie konsequent mahnen. Eine Mahnung ist rechtlich erforderlich, damit der Schuldner in Verzug kommt (§286 Abs. 1 BGB) und den Verzugsschaden ersetzen muss. Für den Verzugszeitraum können Sie Verzugszinsen sowie eine Verzugspauschale veranschlagen.

Nutzen Sie diese Werkzeuge zur Bekämpfung von Zahlungsverzug jedoch mit Bedacht und achten Sie darauf, sachlich zu formulieren. Denn der Kunde ist immer noch König. Hier empfiehlt sich in der ersten Mahnung ein freundlicher Zahlungshinweis ohne monetäre Folgen.

Sich gegen Forderungsausfall versichern

Ein sicherer Weg gegen Forderungsausfall ist der Abschluss einer Warenkreditversicherung wie beispielsweise eine Forderungsausfallversicherung. Ist Ihr Kunde zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig, greift die Versicherung und zahlt Ihnen die Forderungssumme abzüglich des Selbstbehalts und der Prüfgebühren.

Je nach Anbieter wird die Fälligkeit über den Versicherer in der Regel innerhalb von maximal fünf Monaten nach Fälligkeit beglichen.

Forderungen über Factoring finanzieren

Vor allem für kleine und mittelständische Unternehmen kann ein konsequentes Forderungsmanagement viel Zeit in Anspruch nehmen. Aus diesem Grund greifen immer mehr Unternehmen auf Factoring zurück.

Factoring ist die Finanzierung offener Forderungen aus Lieferungen und Leistungen. Der Kunde verkauft fortlaufend seine Rechnungen an ein Factoring-Unternehmen und erhält innerhalb von zwei Werktagen sofortige Liquidität. Zusätzlich sind die Rechnungen gegen Forderungsausfall versichert und der Factor übernimmt das komplette Forderungsmanagement.

Wird Ihr Kunde zahlungsunfähig oder zahlungsunwillig, müssen Sie das bereits erhaltene Geld durch das Factoring-Unternehmen nicht wieder zurückzahlen. So schaffen Sie planbare Liquidität und mindern das Risiko einer Existenzgefährdung für Ihr Unternehmen. Die aus dem Forderungsverkauf resultierende Liquidität lässt sich zum Abbau von Verbindlichkeiten nutzen. Das führt zu einer höheren Eigenkapitalquote und kann gleichzeitig das Rating der Hausbank verbessern.

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Über den Autor
Matthias Bommer

Matthias Bommer ist Geschäftsführer und Mitgesellschafter der Elbe Finanzgruppe. Er startete seine Karriere im Factoring-Markt als Vorstandsmitglied einer börsennotierten Factoring-Gesellschaft. Im Anschluss baute er als Geschäftsführer für eine Finanzierungsgesellschaft die eigenständige Factoring-Tochter auf.

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