Fringe BenefitsWann betriebliche Zusatzleistungen wirklich etwas bringen

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Betriebliche Zusatzleistungen sollen Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter motivieren. Doch dafür müssen sie sich an deren Bedürfnissen orientieren und ihr Wert kommuniziert werden.
erschienen: 13.04.2016
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Viele Unternehmen versuchen ihre Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter durch freiwillige Zusatzleistungen zu motivieren und zu binden. Diese Nebenleistungen oder auch Fringe Benefits werden aber auch dazu eingesetzt, um im Wettbewerb um die besten Mitarbeiter die Nase vorn zu haben. Lohnnebenleistungen in Form unentgeltlicher oder vergünstigter Sachleistungen werden zusätzlich zum Gehalt beziehungsweise Lohn gewährt. Für Arbeitnehmer sind diese Leistungen deshalb interessant, da sie steuerbegünstigt oder sogar komplett steuerfrei sind.

StichwortFringe Benefits

Fringe Benefits sind freiwillige Zusatzleistungen des Arbeitgebers. Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer dürfen keinen Rechtsanspruch darauf haben. Zusatzleistungen haben einen materiellen Wert, sind variabel und werden leistungsunabhängig eingesetzt.

Bei den Konzepten „Flexible Benefits“ oder „Cafeteria-System“ können sich Arbeitnehmer ihre passgenauen Leistungen aus einem Katalog an genehmigten Leistungen selbst zusammenstellen.

Große Bandbreite an freiwilligen Zusatzleistungen

Die Palette an freiwilligen Zusatzleistungen ist groß. Beliebte Fringe Benefits sind:

  • Flexible Arbeitszeiten
  • Betriebskindergarten
  • Personenversicherung
  • Firmenwagen
  • Weiterbildung
  • Zusätzlicher Urlaub
  • Kinderbetreuung
  • Zusatzversicherungen
  • Essensgutscheine
  • Fahrtkostenzuschüsse
  • Sport- oder Freizeitangebote

Laut einer Studie des Beratungsunternehmens Aon Hewitt bieten fast alle Konzerne in Deutschland Programme der Gesundheitsvorsorge oder medizinischen Betreuung an, wie etwa Raucherentwöhnung oder Grippeimpfung.

Experten zufolge könnten zukünftig auch andere Modelle freiwilliger Zusatzleistungen an Bedeutung gewinnen, wie etwa Lebensarbeitszeitkonten. Sie ermöglichen es Arbeitnehmern, Gehaltsanteile, den Geldwert von Überstunden und Resturlaubstage anzusparen. Dies können sie dann später für eine bezahlte Freistellung nutzen.

Unternehmen reagieren mit Fringe Benefits auf Rahmenbedingungen wie den Fachkräftemangel. Im Zuge dessen sind sie immer auf der Suche nach qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern und wollen diese möglichst lange binden.

Gehaltsbudgets sind in der Regel begrenzt. Attraktiv gestaltete Zusatzleistungen können auch dann ein Vorteil im Wettbewerb um Fachkräfte sein, wenn das Unternehmen nicht die besten Gehälter der Branche zahlt. Sie sind dann ein bedeutender Faktor, um die Zufriedenheit der Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sicherzustellen.

Positive Effekte von Fringe Benefits

Experten erwarten folgende positive Effekte von freiwilligen Zusatzleistungen:

  • Motivation und Arbeitszufriedenheit der Belegschaft steigt.
  • Unternehmen werden für Bewerberinnen und Bewerber attraktiv und punkten im Wettbewerb um Fachkräfte.
  • Bindung von engagierten und qualifizierten Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern.
  • Stärkere Identifikation von Leistungsträgern mit dem Unternehmen.
  • Positive Selbstdarstellung des Unternehmens nach außen.
  • Leistungsbereitschaft und Leistung steigen.
  • Betriebsklima verbessert sich.
  • Fehltage von Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern sinken.

Interessant für Unternehmen ist der steuerliche Vorteil von Fringe Benefits. So können 500 Euro pro Mitarbeiterin und Mitarbeiter und pro Jahr lohnsteuerfrei für Maßnahmen der Gesundheitsförderung investiert werden. Der Gesetzgeber fast darunter solche Maßnahmen, die den Anforderungen des Sozialgesetzbuchs (SGB) an Qualität, Zweckbindung und Zielgerichtetheit entsprechen. Dies sind zum Beispiel:

  • Bewegungsprogramme
  • Ernährungsangebote
  • Suchtprävention
  • Stressbewältigung

Gerade in wirtschaftlich schlechten Zeiten, in denen Gehälter nicht erhöht werden können, bieten betriebliche Zusatzleistungen eine Chance, sich für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter sowie für Bewerberinnen und Bewerber als attraktiver Arbeitgeber zu zeigen.

Vorsicht bei betrieblicher Übung

Werden betriebliche Zusatzleistungen über einen längeren Zeitraum regelmäßig gewährt, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer einen Rechtsanspruch darauf haben. Voraussetzung: Sie dürfen vom Arbeitgeber nicht ausdrücklich als freiwillige und unverbindliche Leistungen proklamiert worden sein.

StichwortBetriebliche Übung

Gewähren Arbeitgeber eine freiwillige Leistung mindestens drei Mal vorbehaltlos, können Arbeitnehmerinnen und Arbeitnehmer daraus den Willen des Arbeitgebers ableiten, diese Leistung auch zukünftig gewähren zu wollen. Es ist eine betriebliche Übung entstanden, durch die ein Anspruch auf diese Leistung besteht.

Mit dem Angebot von Zusatzleistungen ist ein Aufwand für das Personalmanagement verbunden: Leistungen müssen organisiert und vor allem kommuniziert werden. Denn was bringen Nebenleistungen, wenn niemand etwas davon weiß. Der erhoffte Nutzen könnte unter dem Strich nicht eintreten, Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter unzufrieden werden.

Betriebliche Zusatzleistungen nicht am Bedarf vorbei gewähren

In der Praxis bieten viele Unternehmen schon lange Zusatzleistungen an, ohne sich dessen tatsächlich bewusst zu sein oder die Wirkung dieser Leistungen zu überprüfen. Stattdessen haben Personalverantwortliche oft keine Ahnung vom Umfang und Wert der angebotenen Zusatzleistungen beziehungsweise kennen diese nicht oder nur teilweise. Entsprechend wenig hinterfragen sie dann auch, wie Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter diese Fringe Benefits wahrnehmen.

Fringe Benefits orientieren sich daher oft nicht an den tatsächlichen Bedürfnissen der Belegschaft, sind unstrukturiert aufgebaut und werden zu selten aktualisiert. Dabei haben Alter, Karrierestufe und individuelle Vorlieben großen Einfluss auf die Wünsche der Angestellten. Experten empfehlen deshalb, die tatsächliche Attraktivität und Inanspruchnahme der im Unternehmen angebotenen Fringe Benefits alle zwei bis drei Jahre zu prüfen.

Auch die Kommunikation der angebotenen Zusatzleistungen und deren Wert ist für Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter essenziell: Nur wer das Investment seines Arbeitgebers kennt und an der Auswahl der Benefits beteiligt wird, kann den finanziellen Aufwand wirklich wertschätzen. Eine Lösung kann sein, die zahllosen Angebote auf wenige wichtige Benefits zu konzentrieren und das Paket mit einem klaren Profil zu versehen.

Um für die Mitarbeiter attraktiv zu bleiben, sollten Zusatzleistungen nach Einschätzung von Experten regelmäßig aktualisiert werden. Die Auswahl sollten die Angestellten im Idealfall selbst treffen, denn sie wissen am besten, welche Förderung sie benötigen.

Fragen bei der Gestaltung betrieblicher Zusatzleistungen

Folgende Fragen können bei der Gestaltung betrieblicher Zusatzleistungen helfen:

  • Welche Fringe Benefits passen zum Firmenleitbild und zur Personalpolitik?
  • Wie möchte sich das Unternehmen nach außen und innen positionieren?
  • Sollen die Belegschaft und Führungskräfte an der Gestaltung von Fringe Benefits beteiligt werden?
  • Wie ist das Kosten-Nutzen-Verhältnis betrieblicher Zusatzleistungen?
  • Wer würde welche Leistungen in Anspruch nehmen, und wer wäre davon ausgeschlossen?
  • Welche Zusatzleistungen kosten wie viel und wie werden sie von den Mitarbeitern wahr- und angenommen?
  • Wie unterscheidet sich die Wirkung der einzelnen Leistungen?

Fringe Benefits sollen vor allem ins Gesamtkonzept des Unternehmens passen und firmeninterne Strategien ergänzen. Firmen- und Personalpolitik sollten zusammenpassen. Will ein Unternehmen beispielsweise dynamisch und flexibel wirken, sollte es verschiedene Arbeitszeitmodelle anbieten. Will es ausländische Kandidaten anwerben, könnte es beispielsweise die Umzugskosten ins Zielland übernehmen.

Zusatzleistungen individuell anbieten und vereinbaren

Zusatzleistungen bringen dann wirklich etwas, wenn sie individuell angeboten und mit den Mitarbeiterinnen und Mitarbeitern vereinbart werden. Dabei ist es wichtig Rücksicht darauf zu nehmen, in welcher Lebenssituation sich diese gerade befinden. Wem nützt zum Beispiel ein Kindergartenplatz, wem ein Parkplatz? Berufseinsteiger würden wahrscheinlich kein Sabbatical nehmen, Führungskräfte mittleren Alters wohl schon eher.

Bedeutend ist auch die Transparenz des Angebot an betrieblichen Zusatzleistungen. Wenn die Belegschaft nicht weiß, was ihre Firma anbietet, werden positive Absichten verfehlt. Bietet ein Unternehmen beispielsweise eine Unfallversicherung an und ein Mitarbeiter erfährt das erst, nachdem er einen Unfall hatte, ist der Nutzen entsprechend gering.

Mitarbeiterinnen und Mitarbeiter können von zusätzlichen Leistungen ihrer Arbeitgeber dann profitieren, wenn es den Firmen gelingt, das Angebot der Nachfrage anzupassen. Der einfachste Weg ist, die Mitarbeiter selbst über ihre Benefits entscheiden zu lassen.

Mitarbeiterbindung im Management-Handbuch
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Über die Autoren
Anette Rößler

Anette Rößler ist Content Managerin bei business-wissen.de. Die Dipl.-Sozialwissenschaftlerin schreibt neue Management-Handbuch-Kapitel, verantwortet Medienkooperationen, Leseraktionen und den Online-Shop.

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