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FrustManager arbeiten zuviel - zum Schaden der Work-Life-Balance

35 Stunden-Woche? Die dürfte bei vielen Führungskräften nur ein müdes Lächeln hervorrufen.
erschienen: 02.10.2009

Sein Leben, das sich im Spannungsfeld zwischen Arbeitswelt und Privatleben abspielt, in eine ausgewogene Balance bringen? Einige Manager halten zwar eine Reduzierung der Arbeitzeit prinzipiell für möglich, Gebrauch wird davon jedoch nicht gemacht. Und wen wundert’s? Viel-Arbeiter gelten immer noch als fleissig(er) und werden oft genug als eigentliche Stütze des Betriebes betrachtet. Vergleichsstudien zeigen, dass Teilzeitmodelle bei Führungskräften bis heute nicht auf große Gegenliebe stoßen. Immer noch wird Viel-Arbeiten mit Leistungsfähigkeit gleichgesetzt. Dabei heißt langes Arbeiten keineswegs, dass effizient gearbeitet wird – im Gegenteil: In Zeitmanagement-Trainings beklagen sich viele z.B. über die Zeit,

  • die in oft als sinnlos empfundenen Meetings verschleudert wird,
  • die beim Durchforsten der überfüllten Mailbox verloren geht oder
  • bei Mehrfach- und Doppelarbeiten, die durch falsche oder ungenaue Anweisungen und schlechte Koordination verursacht wurden.

Krankheitsbedingte Fehlzeiten kosten viel Geld

Dabei ist eine Abkehr der Mentalität „Viel = gut“ dringend gefordert: Mehr als die Hälfte der Führungskräfte klagt über regelmäßige körperliche Beschwerden, z.B. über Rückenschmerzen, Stress oder über Muskelschmerzen im Nacken- und Schulterbereich. Wenn die Dauerbelastung im Beruf über einen langen Zeitraum anhält und keinen Raum mehr lässt für Entspannung, treten der Körper und die Psyche irgendwann in Streik, sagen Gesundheitsexperten.

„Work-Life Balance“ - mehr als ein neumodisches Label

Work-Life Balance seitens des Betriebes heißt dann zunächst, dass die privaten Lebensverhältnisse der Mitarbeiter auch im Interesse des Unternehmens stärker berücksichtigt werden müssen. In Zukunft wird es sich auch kein Unternehmen leisten können, den Konflikt zwischen Familie und Beruf auszublenden. Einige Unternehmen praktizieren dabei längst aus durchaus eigennützigen Motiven betriebliche Instrumente wie

  • Telearbeit,
  • Teilzeitarbeit,
  • Kinderbetreuung oder
  • Diversity-Management, das die Individualität jedes Mitarbeiters berücksichtigt.

Zwei verantwortliche Akteure

Denn es gibt beim „erfolgreichen Balancieren“ zwischen Arbeit und Privatleben zwei Seiten der Medaille: Das Unternehmen, das seitens des Betriebes die Arbeitswelt mitgestaltet und der Arbeitnehmer, der sein Prioritäten im Leben setzen muss. Das fällt alles andere als leicht und die wichtigen Dinge werden oft genug von dringenden Aufgaben im Alltag verdrängt. Das heißt: Nicht nur Unternehmen müssen umdenken, auch die Menschen selbst.

Diagnose: Life-Leadership verloren!

Ein guter Beobachter des Phänomens ist Zeitmanagement-Guru Lothar Seiwert. In seinem Buch „Life-Leadership“ bringt er es auf den Punkt: Wir wollen ein erfülltes Leben leben, doch stattdessen ist es nur gefüllt: mit Terminen, Sitzungen, Dates und Stress. Ständig nehmen wir uns viel vor und schaffen nur die Hälfte. Zunehmend fühlen wir uns von diesen Ansprüchen überfordert: Wir können unsere Balance zwischen den vier Lebensbereichen

  • Arbeit/Leistung,
  • Körper/Gesundheit,
  • Familie/Soziales und
  • Sinn/Kultur

nicht mehr halten. Diese vier Bereiche müssen wir mit der wichtigsten Ressource bedienen, die wir haben: Zeit. Zeitmanagement heißt deshalb für den Autor auch: Dinge gegeneinander abwägen, Prioritäten setzen, Wichtiges von Dringlichem unterscheiden lernen. Die wichtigen Dinge im Leben sind nicht dringend. Sie werden es höchstens, wenn wir sie vernachlässigen.

Wichtige und dringliche Aufgaben

Seiwerts Zeitmanagement-Ansatz teilt Tätigkeiten nach Prioritäten („wichtig“ – „dringlich“) ein, macht dabei aber keinen Unterschied zwischen Privat- und Berufsleben.

  • Dringliche Aufgaben sind z.B. Verpflichtungen im Büro oder zu Hause, ohne die es nicht weitergeht, z.B. der Lebensmitteleinkauf oder die Bezahlung von Rechnungen.
  • Wichtige Aufgaben sind Verpflichtungen, die in Zukunft dringlich werden können, z.B. eine Vorsorgeuntersuchung beim Zahnarzt, die Rückengymnastik für die geplagte Wirbelsäule oder das Einarbeiten eines neuen Kollegen.

Die restlichen Aufgaben können delegiert oder abgeschafft werden.

Erster Schritt: Ent-Schleunigen Sie Ihr Leben!

Meist sind wir viel zu eingebunden in den Alltagsstress: zwischen klingelnden Telefonen und Unterschriftenmappen sind neue Denkansätze und kreative Lösungen nur schwer möglich. Seiwert rät deshalb dazu, unseren Lebens- und Arbeitsrhythmus regelmässig gezielt zu ent-schleunigen. Und das wichtigste: Wenn wir nicht lernen, auch mal Nein zu sagen, wird Work-Life-Balance nie funktionieren, das heißt: sich auf wenige Ziele konzentrieren und sich von anderen, weniger wichtigen verabschieden, um Zeit für die wichtigen Dinge des Lebens zu haben.

[bb; Svetlana Miassoedov; Bild: Fotolia.com]

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