FührungAutorität von Alpha-Tieren gezielt einsetzen

Die Autorität von Alpha-Tieren im Führungsteam lässt sich bewusst nutzen. Mit ihrer Willensstärke können sie andere Führungskräfte auch von unangenehmen Entscheidungen überzeugen.
erschienen: 06.11.2014
Schlagwörter: Führung, Führungsstil
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Führungskräfte müssen auf ihre Umwelt Einfluss nehmen, um ihre Ziele zu erreichen. Dazu muss die Arbeitsteilung eines Unternehmens so ausgerichtet werden, dass alle Rädchen im Getriebe den Zielen dienen. Diese Fähigkeit verleiht Führungskräften eine nützliche Macht.

Führungskräfte nutzen ihre Entscheidungsmacht oft nicht

Wenn sich Führungskräfte zu einem Führungsteam zusammenfinden wollen, führt das im Laufe des Prozesses zu Reibungen. Denn durch das Einlassen auf ein gemeinsames Führungsteam gibt jede Führungskraft ein Stück ihrer Autonomie auf, sorgt sich um ihre Interessen und fürchtet Macht- und Einflussverlust.

Trotzdem wird das Thema „Umgang mit Macht“ in den meisten Unternehmen tabuisiert, und im Umgang mit der ihnen verliehenen Macht sind viele Führungskräfte unsicher. Unter anderem, weil sie das aktive Nutzen ihrer Gestaltungs- und Entscheidungsmacht irrtümlich mit einem einsamen, allwissenden und autoritären Verhalten gleichsetzen. Deshalb scheuen sich zum Beispiel manche Führungskräfte ihre Entscheidungsmacht dann zu nutzen, wenn ein schnelles, entschlossenes Handeln nötig wäre. Die Folge: Ihre Mitarbeiter wissen nicht, was sie tun sollten. Es fehlt ihnen am nötigen Halt und an Orientierung.

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Drei Arten von Führungsautoritäten

„Natürlichen Autoritäten“ ist es schon immer gelungen, Menschen zu beeinflussen. Grundsätzlich unterscheiden wir drei Arten von Autorität, die gemeinsam die Chance zur Beeinflussung eröffnen:

Amtsautorität

Diese Autorität speist sich aus der Position, Funktion, Hierarchieebene oder Stellung. Damit sie wirkt, muss die jeweilige Position mit einem Mindestmaß an Würde oder Ansehen versehen sein. Augenfällig wird Amtsautorität etwa bei der Position des Papstes, eines Staatspräsidenten, der nicht nur repräsentative Funktionen hat, oder eines geschäftsführenden Gesellschafters.

Fachautorität

Die Fachautorität speist sich aus der fachlichen Kenntnis und Expertise. Sie ist der am weitesten verbreitete und für viele Führungskräfte wichtigste Transferriemen, um zu führen. Diese Führungskräfte verstehen von der Sache viel oder gar mehr als die Mitarbeiter. Deshalb bekleiden Juristen Personalleiterpositionen, leiten erfolgreiche Verkäufer den Vertrieb oder der beste Entwickler die Forschungsabteilung.

Personenautorität

Diese Autorität speist sich aus der Wirkung des Menschen selbst. Jemand betritt den Raum und zieht plötzlich die Aufmerksamkeit auf sich. Führungskräften mit hoher Personenautorität hört man zu, einfach nur weil sie es sind. Häufig kann personale Autorität auch mit hoher Amts- und Fachautorität zusammentreffen.

Das Phänomen der geliehenen Autorität

Wenn echte Autorität Führungsverhalten stärken soll, müssen alle drei Arten von Autorität zusammenkommen. Die Überbetonung einer Autoritätsart beziehungsweise Vernachlässigung einer anderen führt meist dazu, dass aus natürlicher Autorität autoritäres Gehabe oder Fachidiotie entsteht. Dies äußert sich dann zum Beispiel in Sätzen wie: „Solange ich an diesem Schreibtisch sitze, wird es nie passieren, dass …“.

Für Führungsteams ist das Phänomen der geliehenen Autorität attraktiv. Dies rührt daher, dass einer einzigen Person nicht alle drei Autoritätsarten gleichmäßig zur Verfügung stehen. Dann leiht sie sich die fehlende Autorität, indem sie eine weitere Person hinzuzieht. Diese muss glaubwürdig eine Autorität verkörpern, die der Führungskraft selbst nicht zur Verfügung steht.

Projektmanager kennen diesen Mechanismus. So wird der Entwicklungsingenieur, der als Projektleiter für eine Produktentwicklung die notwendigen Mitarbeiterressourcen im Unternehmen einwerben will, nicht nur allein von den neuen technischen Möglichkeiten sprechen. Wenn er mikropolitisch klug ist, wird er sich vorher auch der Unterstützung einer hierarchischen Führungskraft versichern, um mit Hilfe ihrer Amtsautorität mehr Durchschlagskraft zu entwickeln.

Willensstärke von Alpha-Tieren nutzen

An dieser Stelle kommen die so genannten Alpha-Tiere ins Spiel. Das heißt die Kollegen im Führungsteam, die mit einem hohen Anspruch und starkem Willen ihre Interessen zur Geltung bringen. In einem Führungsteam kann es nicht darum gehen, Alpha-Tiere auszuschließen oder umzuerziehen, sondern deren spezielle Qualitäten zu nutzen. Führungsteams brauchen daher eine „beidhändige“ Kompetenz, um als Team erfolgreich zu kooperieren und gleichzeitig genügend Raum für das individuelle Verhalten jedes einzelnen Mitglieds im Führungsteam zu lassen.

Doch nicht immer ist es notwendig, ein Alpha-Tier zu konfrontieren. Es gibt auch andere nützliche Verhaltensweisen, die Führungsteams in ihr Repertoire aufnehmen sollten wie Entscheidungsfreude, hohe Ziel- und Ergebnisorientierung und überdurchschnittlicher Leistungswille.

Mit Machtdifferenzen im Führungsteam sinnvoll umgehen

Gerade bei Veränderungsprozessen, die für Führungskräfte mit persönlichen Einschnitten verbunden sind, kann es mikropolitisch sinnvoll sein, ein Alpha-Tier in den Ring zu schicken, das von den Maßnahmen überzeugt ist und mit überdurchschnittlicher Energie und Konflikterfahrung als überzeugendes Vorbild vorangeht.

Wichtig ist jedoch, mit den im Team vorhandenen Macht- und Einflussdifferenzen keine Spielchen zu treiben, sondern einen verbindlichen Umgang zu verabreden. Heikles wird dann im gemeinsamen Dialog statt in bilateralen Hintergrundgesprächen besprochen. Alpha-Tier-Gehabe wird bewusst dort eingesetzt, wo es nützlich ist. Echte Gegensätze werden so zugespitzt, dass sie mit Wertschätzung und Würdigung der Leistung des Anderen ausgetragen werden. Wenn Führungsteams so vorgehen, können sie vermeiden, dass folgende dysfunktionale Eigenschaften von Alpha-Tieren durchschlagen:

  • Hoher Eigensinn, der die Meinung anderer zu wenig beachtet und daher Widerstände zu brechen versucht.
  • Extreme Machtorientierung, die wichtige Unterschiede übersieht beziehungsweise negiert und Mitarbeiter überfordert.
  • Fixierte Machtorientierung, die andere Führungskräfte einschüchtert, wenn sie anderer Meinung sind als man selbst.
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Über den Autor
Olaf Hinz

Olaf Hinz berät und coacht erfahrene sowie junge Führungskräfte und Projektleiter. Als bekennender Hanseat unterstützt er seine Kunden, ihre Aufgaben mit seemännischer Gelassenheit zu erfüllen.

Vor seiner Selbständigkeit war Olaf Hinz unter anderem als Büroleiter und Personalmanager beziehungsweise Projektfinanzierer tätig.

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