FührungWarum wir ein „Management by Sinn“ brauchen

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Wenn wir den Sinn in unserem Tun erkennen, sind wir zufrieden und motiviert. Unternehmen und deren Führungskräfte müssen das erkennen, vorleben und kommunizieren, meint Stefan Dudas.
erschienen: 23.03.2016
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Im wahren Führungsleben, jenseits von Theoriebüchern, sollen Beschäftigte mit einem Mix aus etwas Motivation – meist durch Goodies und Geld – etwas Freiheiten – aber nur unter Berücksichtigung enger Vorschriften – sowie etwas Mitbestimmung – vordergründig, denn die Entscheidung ist längst gefallen – zu Höchstleistungen angetrieben werden. Dabei fehlt diesen „Management-by-Werkzeugen“ das eigentlich Entscheidende: der Sinn. Ich möchte an dieser Stelle deshalb etwas ausführlicher vom „Management by Sinn“ sprechen.

Auf der Suche nach dem Sinn

Jeder Mensch sucht den Sinn seines Lebens. Sucht Sinn in dem, was er täglich tut. Aber was tun die Unternehmen und Führungskräfte? Sie versuchen – wie oben beschrieben – zu motivieren und erhoffen sich davon glückliche, zufriedene und damit leistungsfähige Mitarbeiter. Doch viele Mitarbeitende, Führungskräfte und auch Unternehmer sind nicht zufrieden. Warum? Weil ihnen, bewusst oder unbewusst, der Sinn fehlt.

Fehlt der Sinn in dem, was man tut, über einen längeren Zeitraum, macht man irgendwann nur noch das, was von einem erwartet wird. Ohne zu hinterfragen. Weil es ja sowieso keinen Sinn macht. Burnout – oder wie die ganzen Management-Auszeichnungen heißen – entsteht auch darum, weil man nur noch funktioniert. Weil man nicht mehr innehält und sich fragt, warum man das tut, was man tut. Weil man keinen tieferen Sinn mehr darin erkennt.

Jetzt gibt es vielleicht Unternehmer, die sagen, dass das ja ein Problem des Einzelnen sei. Das Unternehmen könne das nicht lösen, und es gehe das Unternehmen auch gar nichts an. Weit gefehlt, denn Unternehmen stehen vor einer der größten Herausforderungen überhaupt: Sie müssen „echter“ werden. Alle Mitarbeitenden, Auszubildenden, Kunden und sogar Bewerber, die sich ungerecht behandelt fühlen oder unzufrieden sind, können das Unternehmen öffentlich bewerten. In der Realität bedeutet bewerten zum Beispiel auch, dass „die Realität“ in Unternehmen auf Plattformen wie zum Beispiel kununu von ihrer hässlichsten Seite dargestellt wird.

Echtsein wird zur Pflicht

In der öffentlichen Bewertung hilft es nichts, wenn die Hochglanzbroschüre verkündet, der Mensch stehe im Mittelpunkt und man nicht nur zufriedene, sondern begeisterte Mitarbeitende und Kunden wolle, wenn dies in der Praxis nicht umgesetzt wird. Die Floskel „Mensch im Mittelpunkt“ ist ja meistens gut gemeint. Bei Google gibt es zu dieser Suchphrase Treffer in zweistelliger Millionenzahl, was nur zu gut zeigt, wie schnell schöne Worthülsen kopiert werden.

Je öffentlicher und durchschaubarer alles wird, umso wichtiger wird das Echtsein. Nein: Es wird zur Pflicht! Sinn und Werte werden, nein sind, Pflicht. Heute schon. Damit sichert sich das Unternehmen nicht nur ein gutes Image, sondern die Mitarbeiter arbeiten sogar mehrheitlich gerne dort. Und Kunden mögen Unternehmen, in denen man Menschen antrifft, die dafür brennen. Zudem informieren wir uns über ein Unternehmen meistens zuerst über das Internet und damit über seine digitale Reputation. Genau darum ist es heute schon wichtig, in naher Zukunft überlebenswichtig, Mitarbeiter ins Boot zu holen. Aber wie?

Die Frage nach dem Warum

Warum um alles in der Welt ist Sinn in vielen Unternehmen kein Thema? Wenn ich Unternehmer frage, warum sie arbeiten und das Unternehmen führen, höre ich oft, sie müssten ja Geld verdienen. Stimmt. Aber Geld ist nur eine (positive) Folge. Das Warum wäre etwas Anderes: der Sinn. Das herauszufinden ist schon eine große Herausforderung. Diese Sinn-Erkenntnis dann auch noch zu kommunizieren, eine ganz andere.

Doch das Potenzial, das im Sinn steckt, ist enorm. Mitarbeitende, die in ihrem Tun einen Sinn erkennen, müssen nicht mit plumpen Maßnahmen motiviert werden. Sie sind motiviert. Kunden, die in einem Unternehmen einkaufen, das diesen Sinn kommuniziert, werden eher zu begeisterten Fans und damit zu Stammkunden.

Von Werten und Leit(d)bildern

Wenn in einem Unternehmen Sinnfragen gestellt werden, gehen damit meist auch Wertediskussionen einher. Damit meine ich nicht die Leitbilder (meistens eher Leidbilder), die in vielen Unternehmen einsam vor sich hinhängen. Mit abgedroschenen Floskeln und schönen Worten, die kaum ein Mensch versteht oder die man schon in den letzten fünf Unternehmen genauso kennengelernt hat.

Was unterscheidet Ihr Leitbild von dem Ihres Konkurrenten? Ist Ihr Leitbild eine Ansammlung leerer Worthülsen, reicht das heute nicht mehr. Gehen Sie durch Ihr Unternehmen und fragen Sie zehn Mitarbeiter, welche grundlegenden Werte im Unternehmen bestehen. Wenn acht von zehn Mitarbeitern peinlich berührt nur die Schultern zucken oder einen Herzinfarkt vortäuschen, um darauf nicht antworten zu müssen, dürfen Sie das Leitbild getrost abhängen und in den Mülleimer werfen. Verstehen Sie mich nicht falsch: Ein gutes Leitbild dürfen Sie aufhängen. Dann nämlich sind die Werte jedem Mitarbeiter klar, und jeder Mitarbeiter weiß, wohin das Unternehmen will, warum es seine Produkte oder Dienstleistungen anbietet und was der jeweilige Mitarbeiter dazu beitragen kann.

Führungskräfte müssen Persönlichkeiten sein

Theodore Roosevelt sagte einmal: „Das mit Abstand Beste, was das Leben uns bietet, ist hart an etwas zu arbeiten, das einen Sinn hat.“ Er hatte vollkommen Recht. Die Frage nach dem Sinn des Lebens sollte man nicht bei längst verstorbenen Philosophen suchen, sondern sie regelmäßig für sich selbst beantworten. Zum Sinn im Leben gehört der Sinn des eigenen Berufs.

Gerade eine Führungskraft sollte also nicht nur Management-Systeme, Führungs- oder Kommunikationstechniken beherrschen, sondern selbst eine Persönlichkeit sein, die dazu bereit ist, sich auch immer wieder zu reflektieren. Dann ist der Mensch tatsächlich im Mittelpunkt. Dann wirkt man auf andere Menschen – ob auf Mitarbeiter- oder Kundenebene – automatisch intensiver und spannender. Dies hat natürlich wieder positive Auswirkungen auf das Unternehmen.

Wer Sinn bietet, muss keine Macht ausüben

Macht ist nichts Negatives. Jeder Unternehmer hat Macht und benötigt die Persönlichkeit, diese Macht auch für das Unternehmen und sein Umfeld positiv einzusetzen. Allerdings muss kein Unternehmer diese Macht bewusst ausüben, wenn er Sinn bietet. Sinn wird das Thema der nächsten Jahre in den Unternehmen sein. Interne Motivationsshows und externes Hochglanz-Marketing sind definitiv vorbei. Es ist Zeit für mehr Echtheit in Unternehmen. Wie man die umsetzt? Indem man endlich tut, was schon immer in den Leitbildern gestanden hat: Den Menschen tatsächlich ins Zentrum rücken. In jeder Arbeit den Sinn suchen, sehen und verstehen. Jedem Mitarbeiter erklären, wie das Unternehmen arbeitet (Werte) und warum (Sinn) man das Produkt oder die Dienstleistung anbietet.

Aber machen wir uns nichts vor: Alles beginnt mit den Unternehmern und Topmanagern. Denn nur wenn der Sinn ganz oben erkannt, gelebt und kommuniziert wird, lebt das sinnbasierte Management im Unternehmen. Dann aber ist es eine unglaubliche Bereicherung für alle Mitarbeiter, alle Führungskräfte und alle Kunden – und damit auch unternehmerisch sinnvoll. Die Frage bleibt, wer sich dem Sinn, und damit dieser persönlichen und geschäftlichen Herausforderung, stellt.

Über den Autor
Stefan Dudas

Stefan Dudas ist Keynote-Speaker, Coach, Autor sowie Business-Experte für Sinngebung. Mittels Jahres-Coachings initiiert und begleitet er Veränderungen zu mehr Sinnerfüllung im Geschäftsleben.

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