FührungskraftAnzug tragen – Regeln und Tabus

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Der Anzug ist die Uniform der Führungskraft. Was ist beim Anzug zu beachten, was sind Tabus? Regeln für Schuhe, Socken, Anzug, Hemd und Krawatte.
erschienen: 15.11.2016
Schlagwörter: Karriere
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Das äußere Erscheinungsbild einer Führungskraft garantiert noch keinen beruflichen Erfolg – kann aber ein Karrierebeschleuniger sein. Was Sie als Führungskraft zum obligatorischen Anzug anziehen sollten, hängt auch ab von den Gepflogenheiten des Unternehmens, von der Branche und von ihrer Stellung. Einige allgemeingültige Regeln gibt es aber trotzdem.

Grundsätzliche Regeln für Anzugträger

Im Geschäftsleben ist die Bequemlichkeit der Kleidung nicht das vordringliche Ziel. Deshalb sollte man Business-Kleidung auch nicht mit Freizeit-Kleidung vergleichen und beides getrennt halten. Allenfalls in Startup-Unternehmen kann es beim Kleidungsstil legerer zugehen. Im übrigen Geschäftsleben haben sich Etiketten herauskristallisiert, um die es hier geht.

Kleidung fürs Büro ist auch im 21. Jahrhundert noch immer klassisch. Das heißt, weniger bunt, eher gedeckte beziehungsweise dunkle Farben, kaum Muster. Was das Material anbelangt, so sollten Naturfasern – allein schon aus Geruchsgründen – Synthetikfasern vorgezogen werden.

Wer sich nicht ganz sicher ist, was die richtige Kleidung als neue Führungskraft ist, kann sich auch am Kleidungsstil des Vorgesetzten orientieren.

Krawatte

Die Krawatte rundet den Gesamteindruck einer Führungskraft maßgeblich ab. Wie sollte sie aussehen? Am besten einfarbig oder gestreift, aber nicht zu dominant. Generell sollte man nicht mehr als zwei Farben und drei Muster kombinieren.

Mit Krawatten aus Edelboutiquen macht man kaum etwas falsch, auch wenn man dafür schon etwas tiefer in die Tasche greifen muss.

Bei Krawatten müssen es nicht unbedingt die teuren Marken sein. Was jedoch absolut tabu ist, sind abgebildete Comic-Szenen. Denn: „Lustig“ ist kein Kleidungsstil.

Auch nicht elegant sind Krawattennadeln beziehungsweise Krawattenspangen. Wenn es offiziell wird, ist jeder Zusatz – gerade bei Männern – eher verpönt. Deshalb einfach weglassen!

Anzug

Beim Tragen von Anzügen gibt es drei Tabus:

  • Schlecht sitzende Anzüge
  • Sichtbares Label
  • Erkennbare Kunstfaser

Einen schlecht sitzenden Anzug empfinden viele Topmanager, die dem Anzugtragenden gegenüberstehen, als eine Zumutung.

Maßgeschneiderte Anzüge sind zwar gut geeignet, aber auch kostspielig. Die Anschaffung lohnt sich insbesondere dann, wenn die Figur nicht den Standardmaßen entspricht. Inzwischen gibt es Anbieter von Maßkonfektionen, die einerseits wie Maßschneider den Körper vermessen, dann aber auf vorkonfektionierte Schnittmuster zurückgreifen und dadurch günstiger sind.

Das Marken-Label des Anzugherstellers sollte nicht sichtbar nach außen getragen werden. Führungskräfte tun gut daran, es zu entfernen.

Auch Anzüge, die im Sonnenlicht synthetisch schimmern, sind weniger geeignet.

Gute Farben für Anzüge sind Grau und Dunkelblau. Was viele nicht wissen: Schwarze Anzüge eignen sich zwar gut für Beerdigungen, aber weniger fürs Büro. Schwarz sind ansonsten nämlich auch Frack und Smoking, die tagsüber im Büro nichts verloren haben.

Nadelstreifen sind in der Bankenbranche immer noch sehr gern gesehen. In einem IT-Unternehmen wirken Führungskräfte so aber womöglich „over-dressed“.

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Hemd

Auch bei Hemden kommt es aufs Material an: Baumwolle ist hier wegen seiner Geruchsunempfindlichkeit besser geeignet als Polyester. Weniger gut geeignet ist auch Seide, die man eher in orientalischen Ländern trägt.

Die Länge der Hemdärmel ist nicht verhandelbar. Kurzarm passt nicht. Der Grund: Man soll nicht direkt in den Anzug schwitzen, und ein Anzug braucht auch Hemdmanschetten, die unter ihm hervorlugen.

Apropos Manschetten: Manschettenhemden sind die stilvolle Variante und im Topmanagement ein Muss. Als neue Führungskraft kann man aber guten Gewissens sein Hemd mit Knöpfen verschließen. Ein Tipp: Perlmut wirkt hier edler als Plastik. Es kostet zwar mehr, ist aber auch stabiler.

Das gleiche gilt für die Knöpfe am Hemd. Tabus sind zerbrochene oder nicht mehr vorhandene Knöpfe. Ein abgerissener Hemdknopf signalisiert Gleichgültigkeit.

Hemdkragen

Ein Button-Down-Hemd ist ein Hemd, bei dem es kleine Knöpfe am Kragen gibt, um diesen am Hemd zu befestigen. Diese Hemdart passt nicht für Krawatten, weshalb es auch nicht als Business-Hemd gedacht ist. Es handelt sich eher um ein Hemd für freie Tage beziehungsweise fürs Wochenende.

Der Klassiker unter den business-tauglichen Hemdkragen ist der Kent-Kragen.

In Mode sind auch Haifischkragen. Wer ein etwas dickeres Gesicht hat, sollte aber weder einen Kent- noch einen Haifischkragen tragen, sondern eher einen schmalen Kragen.

Viele Investmentbanker beispielsweise greifen auf Kontrastkragen zurück.

Schuhe

Ein klares Tabu sind ungeputzte Schuhe. Da gibt es keine Ausnahme. Wer seine Schuhe nicht putzt, dem ist auch sonst Vieles nicht wichtig, so die Botschaft dahinter.

Nicht zu empfehlen sind auch Schuhe mit auffällig geklebtem Rahmen oder Schuhe aus Plastik statt aus Leder. Die meisten Lederersatzmaterialien basieren auf einem stoffähnlichen Gewebe, das mit PVC oder Polyurethan (PU) beschichtet wurde. Viele Hersteller haben auch auf Kunstleder umgerüstet, aber nur Leder schafft ein wirklich gutes Fussklima. Und nur Leder passt sich wie eine zweite Haut dem individuell geformten Fuß an. Lederschuhe sind also auch bequemer. Es macht nämlich einen Unterschied, wie fest und bequem man mit beiden Beinen vor seinen Mitarbeitern steht. Hierfür lohnt sich eine gewisse Investition in gute Lederschuhe.

Turnschuhe zum Anzug passen nur zu Startup-Unternehmen. In den meisten Firmen sind klassische Schuhe üblich. Wenn diese italienisch oder britisch anmuten, ist man auf einem guten Weg.

Mit schwarzen, braunen oder bordeaux-farbenen Schuhen kann man grundsätzlich nichts falsch machen.

Ein Wort zu den Schnürsenkeln: Bunte Schnürsenkel sind in konservativen Unternehmen noch ungewohnt. Hier bleibt man lieber beim klassischen Blau, Schwarz, Braun oder Bordeaux, passend zum Obermaterial des Schuhs.

Socken

Bei den Socken sollten Führungskräfte zunächt an Kniestrümpfe denken. Wenn man die Beine übereinander schlägt und es rutscht dabei die Hose hoch, sollten Strümpfe zu sehen sein und keine behaarten Beine.

Entspannter geht es bei der Farbwahl zu. Mittlerweile sind bei Strümpfen alle Farben geeignet – außer weiß wie im Sport. Rote, orangefarbene oder auch lilane Strümpfe, die hervorblitzen, sind heutzutage ein Zeichen von Stil. Doch übertreiben sollte man es nicht. Eine pinke Krawatte zu pinken Strümpfen ist zu viel. Das wirkt nicht mehr „selbstverständlich“.

Über die Autorin
Simone Flesch

Simone Flesch (MBA) kennt DAX-Unternehmen von innen und außen und ist Change Management- und Kommunikationsberaterin in und um Frankfurt am Main. Sie hat das Buch "Tabu: Versteckte Regeln und ungeschriebene Gesetze in Organisationen" gemeinsam mit Thomas Saller und Sebastian Mauder im Haufe Verlag veröffentlicht.

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