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Geistiges EigentumMehr Schutzmaßnahmen für kleinere und mittlere Unternehmen

Kleine und mittlere Unternehmen müssen das geistige Eigentum schützen. Denn Produkt- und Markenpiraterie können zu substanziellen Beeinträchtigungen des Geschäftserfolges führen.
erschienen: 29.09.2009

Unterstützungsprogramme zum Schutz des geistigen Eigentums

Das Fraunhofer-Institut für System- und Innovationsforschung (ISI) hat in einer Studie untersucht, wie öffentliche Unterstützungsprogramme zum Schutz des geistigen Eigentums von kleinen und mittleren Unternehmen (KMU) genutzt werden und ob potenzielle Förderlücken existieren - zum Beispiel ausgelöst durch ein starkes Wachstum von Produkt- und Markenpiraterie.

Die Herausforderung der KMU zum Schutz ihres geistigen Eigentums liegt im Folgenden begründet:

  • Sie haben zu wenig Informationen über bestehende Förderangebote;

  • Die vorhandenen Unterstützungsmaßnahmen konzentrieren sich stark auf den Patentschutz und sind besonders auf die Recherche- und Anmeldephase von Patenten ausgelegt.

Genau hier müsste der Fokus der Förderprogramme erweitert werden. Prof. Dr. Blind, Leiter des Competence Centers Regulierung und Innovation am Fraunhofer ISI empfiehlt:

„Es ist nicht immer für ein Unternehmen von Vorteil, ein Patent anzumelden, besonders in einem Bereich, in dem die Umsetzung eines Patentes schwierig ist. Hier ist es oft sinnvoller, das Geschäftsgeheimnis zu nutzen und defensiv mit der Kommunikation der Erfindung umzugehen, damit eine Nachahmung des Produktes vermieden wird. Außerdem sind auch andere Schutzrechtsmechanismen von Fall zu Fall zu prüfen, wie beispielsweise Marken, Design oder Geschmacksmuster.“

Empfehlungen

  1. Ausbildung und Förderung von Expertinnen und Experten für das hochkomplexe Themengebiet Intellectual Property (IP). Dies bedeutet konkret, IP-Management mit in die Hochschulbildung aufzunehmen oder anhand von Förderprogrammen die Vermittlung des relevanten Wissens stärker voranzutreiben, beispielsweise durch spezielle Fortbildungen für Mitarbeiter, die im Innovationsmanagement von KMU tätig sind, sowie speziell ausgebildete Trainer, die als Multiplikatoren dienen.

  2. Eine bessere Koordination der Intellectual Property Rights-Förderaktivitäten von Bund und Ländern. In diesem Zusammenhang wäre es wichtig, Transparenz innerhalb der Förderlandschaft mittels zentraler Ansprechpartner zu schaffen. Wichtig wäre eine inhaltliche Abstimmung zwischen den unterschiedlichen Fördergebieten, die durch die Einrichtung einer Koordinationsstelle, beispielsweise am Deutschen Patent- oder Markenamt, erreicht werden könnte.

Ergebnisse der Befragungen

Der Schutz des geistigen Eigentums ist gerade bei kleinen und mittleren Unternehmen von hoher wirtschaftlicher Bedeutung. Die Verletzung der Schutzrechte durch Produkt- und Markenpiraterie kann bei KMU zu substanziellen Beeinträchtigungen des Geschäftserfolges führen. Dabei ist mit Umsatzeinbußen von bis zu zehn Prozent zu rechnen. Bezogen auf den Gesamtumsatz des verarbeitenden Gewerbes kann dies Piraterieschäden von bis zu 50 Milliarden Euro in Deutschland nach sich ziehen.

Erfahrungen mit Produktpiraterie sind keineswegs Einzelfälle. Über zwei Drittel der befragten Unternehmen waren schon einmal von der illegalen Verletzung rechtlich geschützten Wissens betroffen. Bei der Verletzung von Patentschutz liegt der Wert bei 64 Prozent der befragten Unternehmen. Von einer Verletzung der Markenrechte ist laut der Befragung schon die Hälfte der Unternehmen betroffen gewesen. Auch mit der Größe und der Internationalisierung eines Unternehmens steigt die Betroffenheit durch Schutzrechtsverletzungen. Wichtig wäre es daher, dass auch auf internationaler Ebene der politische Druck auf Länder mit hohem Piraterieaufkommen erhöht wird.

Was können kleinere Unternehmen von größeren Betrieben lernen?

In der durchgeführten Studie wurden auch die qualitativen Auswirkungen auf der Managementebene als Reaktion auf die Piraterieproblematik untersucht, um konkrete Handlungsempfehlungen zu entwickeln. Hier zeigt sich, dass größere Unternehmen als Reaktion auf Produktpiraterie von einer stärkeren Nutzung formeller Schutzrechte wie Patenten berichten, auch bei der Durchsetzung von Schutzrechten signalisieren sie wachsende Anstrengungen. Da dies von den kleineren Unternehmen oft nicht geleistet werden kann, ist dadurch eine weiter wachsende Kluft in der Patentnutzung zwischen Unternehmen verschiedener Größe zu erwarten.

[Svetlana Miassoedov; Quelle: ISI; Foto: Fotolia.com]

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