GesellschaftDie neue Rolle von Chinas Frauen

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Der wirtschaftliche Aufstieg und der Kontakt zu Männern aus dem Westen beschert Chinas Frauen mehr Lebenschancen als jemals zuvor. Asien-Expertin Hanne Seelmann-Holzmann zeigt die Folgen dieser Entwicklung.
erschienen: 14.10.2015

Die wirtschaftliche und gesellschaftliche Entwicklung der letzten Jahre hat China viel Positives und neue Chancen gebracht. Aber auch Einiges durcheinander gewirbelt. Manche Dinge wurden regelrecht auf den Kopf gestellt. Dies möchte ich Ihnen am Beispiel der Situation der Frauen zeigen.

Wenn westliche Geschäftsleute oder Mitarbeiter westlicher Firmen heute nach China reisen – und dort vor allem in den großen Städten der Ostküste tätig sind – dann reiben sie sich oft begeistert die Augen. Die jungen Frauen sind gut ausgebildet, möchten Karriere machen, sind westlich gekleidet und konsumieren Luxusprodukte. Dazu sind sie noch hübsch und charmant. Viele westliche Männer, die in China geschäftlich zu tun haben, werden deshalb – etwas scherzhaft formuliert – vom „Gelbfieber“ befallen. Mittlerweile sind chinesische Frauen auch mit ausländischen Männern liiert oder sogar verheiratet. Daneben gibt es viele Gelegenheitsbegegnungen. Chinesische Frauen haben deshalb ihre eigene Interpretation des westlichen Master of Business Administration (MBA) geprägt: „Married but available“.

Frauen wurden in China lange Zeit unterdrückt

Früher gab es diese privilegierte Situation für Chinas Frauen nicht. Lange genug mussten sie darben. Noch den Großmüttern der heute jungen Chinesinnen wurden beispielsweise die Füße „gebunden“. Das heißt: Mädchen im Alter von etwa vier Jahren brach man die Füße und bandagierte sie. Das Ergebnis dieser Folter wurde „Lotusfüße“ genannt. Fortan war die Mobilität dieser Frauen stark eingeschränkt, sie konnten sich quasi nur tänzelnd bewegen – ein Zeichen für den gesellschaftlichen Status des Ehemannes. Wer eine „Lotusblüte“ zur Frau hatte, konnte es sich leisten, sie nicht zur Arbeit zu schicken. Erst Mao machte Schluss mit dieser Praxis.

Prostitution, steigende Aids-Raten, Frauenraub und Frauenhandel sind die Probleme, mit denen sich China heute konfrontiert sieht. Andererseits haben jungen Chinesinnen heute einmalige Chancen, vor allem, wenn sie in den großen Städten der Ostküste wohnen und aufgrund ihrer Ausbildung von den wirtschaftlichen Chancen profitieren können. Heute können sie sich ihre Männer aussuchen. Dabei legen sie bei potenziellen Partnern Wert auf eine Wohnung, einen guten Verdienst oder die Mitgliedschaft in der Kommunistischen Partei, die unbegrenzten Zugang zu wirtschaftlichen Vorteilen garantiert. In China macht deshalb auch der Spruch „Liebe ohne Geld gibt es nicht“ die Runde.

Auch für reiche männliche Chinesen ist die sogenannte „Zweitfrau“ heute wieder ein Statussymbol. Mit ihr zeugen sie Kinder oder präsentieren sich einfach nur. „Business, Money, Women“: in China die Abkürzung für BMW.

Berufliche Chancen durch Männer aus dem Westen

Doch für reiche chinesische Männer gibt es mittlerweile Konkurrenz aus dem Westen. Geschäftsleute oder Mitarbeiter westlicher Firmen locken Chinas Frauen oft profan mit materiellen Werten – wenn auch nur vorübergehend. Vom Besuch teurer Restaurants bis hin zu aufwendigen Reisen innerhalb Chinas mit Übernachtung in First-Class-Hotels. Im Rahmen dieser Kontakte bieten sich Chinas Frauen auch immer öfter berufliche Aufstiegschancen. So erhalten sie Zugang zu Jobs in einer begehrten westlichen Firma oder sie bekommen eine Anstellung mit entsprechender Vergütung. Kommt es zur Heirat, winkt der westliche Pass und damit ein weltweites Reisen ohne lästiges Visum.

Nicht immer jedoch verläuft eine Liaison mit einer chinesischen Frau glimpflich ab. Wenn sich Frau durch Mann einen beruflichen Aufstieg erhofft, dieser aber nicht direkt umgesetzt werden kann, gehen Chinesinnen oft den „indirekten“ Weg. So erlebe ich in meiner Beratung immer wieder, dass westliche Männer von ihrer chinesischen Ex-Geliebten erpresst werden. Nicht selten ist es dann notwendig, dass der unter Androhung körperlicher Gewalt oder von finanziellen Forderungen Gepeinigte in einer Nacht- und Nebelaktion ausgeflogen wird.

Wenn Männer Mittel zum Zweck sind

Für viele Menschen, und dazu gehören besonders die Frauen, bietet China heute historisch einmalige Lebenschancen. Wer mag ihnen vorwerfen, dass sie diese mit beiden Händen ergreifen und nutzen wollen? Viele westliche Männer erleben dieses Verhalten als berechnend und enttäuschend. „First they make you feel like Brad Pitt and then like a fool“, klagte einmal ein Kunde von mir.

Natürlich gibt es die wahre Liebe zwischen westlichem Mann und chinesischer Frau aber auch in China. Viele chinesische Frauen ziehen – nicht immer zur Freude ihrer eigenen Familie – mit einem westlichen Mann in dessen Heimat. Oder westliche Männer finden ihr Lebensglück im Land des Drachen und arbeiten dort unter den lokalen Gegebenheiten. Gleichzeitig aber gibt es auch viele emotionale Enttäuschungen. Dann nämlich, wenn westliche Männer feststellen müssen, dass sie eher als nützliche Sprossen auf einer Karriereleiter dienten denn als Partner in einer Liebesbeziehung.

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Über die Autorin
Dr. Hanne Seelmann-Holzmann

Dr. Hanne Seelmann-Holzmann ist Expertin für interkulturelles Management in Asien und Inhaberin von Dr. Seelmann Consultants. Die Autorin und Rednerin publizierte zahlreiche Fachartikel und mehrerer Bücher rund um das Thema „Geschäftserfolg in Asien“.

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