GesprächsführungUnsachliche Angriffe abwehren

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Wenn sich Kollegen als Choleriker entpuppen, ist eine sachliche und konstruktive Kommunikation oft schwer möglich. Doch es gibt Mittel, solche Situationen zu entschärfen.
erschienen: 25.02.2015
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Cholerische Ausbrüche von Kollegen führen meist zum gleichen Ergebnis: Die Opfer der verbalen Attacke fühlen sich angegriffen, „schießen“ vielleicht sogar in gleicher Weise zurück und die Fronten verhärten sich immer weiter. Ein konstruktiver Austausch ist nicht mehr möglich. Denn: Wer in einem Gespräch angegriffen wird, konzentriert sich in der Regel zunächst einmal auf sein verletztes Ego und reagiert deshalb meist nicht sehr souverän.

Gerade ein souveränes Verhalten jedoch könnte in solch einem Fall das Gespräch retten und auf eine sachliche Basis zurückholen. Egal ob man es in einem schwierigen Gespräch mit einem „Ja-Aber-Sager“, einem Besserwisser, einem Streitsüchtigen, einem Ausfrager oder einer Quasselstrippe zu tun hat – entscheidend ist immer, das Ruder selbst in der Hand zu behalten. So lässt sich das Gespräch zielgerichtet an Widerständen vorbei manövrieren.

Unsachliche Kommentare in sachlichen Kontext stellen

Doch wie können Gesprächsopfer, die mit unsachlichen, unfairen oder persönlichen verbalen Angriffen konfrontiert werden, den Konflikt souverän zu lösen? In erster Linie gilt es, Ruhe zu bewahren, objektiv zu bleiben und sich auf keinen Fall auf die gleiche Kommunikationsebene locken zu lassen. Denn: Hinter provozierenden Verbalattacken stecken selten eine faktenbezogene Kritik, sondern vielmehr Unsicherheit oder andere emotionale Beweggründe. Zu einem sachlichen Austausch zurückzukehren ist daher oberstes Ziel.

In der Praxis gibt es dafür effektive Vorgehensweisen wie etwa die „Gerade-Weil-Methode“. Sie zielt darauf ab, dem schwierigen Gesprächspartner trotz aller Stichelei das Gefühl zu geben, dass er und seine Einwände ernst genommen werden. Vorausgesetzt, es existiert ein Minimum an inhaltlicher Zustimmung auf Seiten des Angegriffenen.

Indem ein unsachlicher Kommentar aufgegriffen und in einen sachbezogeneren Kontext gestellt wird, signalisiert der Angegriffene seinem Kritiker zum einen Interesse und Verständnis. Zum anderen motiviert er ihn dazu, seinen Einwand im Zusammenhang zu betrachten und zu überdenken.

Beispiel: Unsachliche Einwände des Gesprächspartners ernst nehmen

„Gerade weil Sie denken, dass das System nicht funktioniert, werden Sie die Ergebnisse umso mehr erstaunen.“

Gesprächspartner bedingt entgegenkommen

Ähnlich funktioniert auch die Methode der bedingten Zustimmung. Die Idee: Dem kritischen Gesprächspartner ein Stück entgegenkommen, um auch von seiner Seite mehr Verständnis zu wecken.

Beispiel: Unsachlicher Kritik bedingt zustimmen

„Da haben Sie sicher Recht, dieses System kann nicht funktionieren, wenn wir nicht alle an einem Strang ziehen. “

Eine solche Reaktion akzeptiert die Bedenken des Anderen und wertschätzt das Gesagte. Darüber hinaus wird durch diese Reaktion – vor allem, da sie der Angreifer vermutlich nicht erwartet – die Beziehung zwischen beiden Gesprächspartnern auf eine unpersönlichere und respektvollere Basis gebracht. Ein inhaltlicher Konsens rückt näher. Denn letztlich entscheidet die Beziehungsebene darüber, was auf der Sachebene überhaupt erst möglich ist.

Geäußerte Kritik hinterfragen

Die einfachste Möglichkeit, persönlichen Attacken souverän und sachlich zu begegnen und dem Gegner dabei vor Augen zu führen, wie unnötig und unberechtigt seine Einwände unter Umständen sind, besteht darin, die geäußerte Kritik zu hinterfragen.

  • Worauf beziehen Sie sich genau?
  • An was denken Sie konkret?
  • Wie könnte es Ihrer Meinung nach funktionieren?

Solche und ähnliche vertiefende (Was genau funktioniert nicht?) und weiterführende (Wie kann es funktionieren?) Fragen haben ein Ziel: Der Angreifer muss sich plötzlich selbst mit seinen – meist sehr pauschalisierten – Attacken auseinandersetzen und diese selbst unter die Lupe nehmen.

Fazit

Ob Fragetechnik oder Zustimmungsmethode: Wer von schwierigen Gesprächspartnern ungerechtfertigt angegriffen wird, sollte ihnen trotzdem Wertschätzung, Interesse und Verständnis entgegenbringen. Denn nur wenn Sender und Empfänger auf einer Wellenlänge liegen, kann ein sinnvoller und konstruktiver Austausch stattfinden.

Über den Autor
David Wolf

David Wolf ist Redakteur bei business-wissen.de. Er betreut die externen Autoren, verantwortet die Themenplanung, erstellt den wöchentlichen Newsletter und managt den Auftritt von business-wissen.de in den sozialen Medien.

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