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Gut ankommenDer erste Eindruck entscheidet in welche Schublade wir gesteckt werden

Der erste Eindruck – er ist beim Kennenlernen neuer Leute von besonderer Bedeutung. Ganz gleich, ob wir uns auf einer Party, in einem Bewerbungs- oder Verkaufsgespräch befinden. Von ihm hängt ab, wie das weitere Gespräch verläuft. Also sollten Sie den ersten Eindruck, den Sie machen, gezielt gestalten.
erschienen: 01.07.2008
Schlagwörter: Selbstmanagement
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Sie treffen eine Person zum ersten Mal. Und noch während die Person auf sie zugeht, ist sie Ihnen sympathisch – noch bevor die Frau oder der Mann ein Wort sagt. Entsprechend offen reagieren Sie. Oder umgekehrt: Eine Person ist Ihnen auf Anhieb unsympathisch. Entsprechend abweisend und „cool“ bleiben Sie. 

Gewiss haben Sie das schon mal erlebt und sich gefragt: „Wie ist das möglich? Das ist doch völlig irrational!“ Stimmt! Doch wie Ihnen geht es allen Menschen. Wenn wir jemanden erstmals treffen, entscheidet sich meist binnen weniger Augenblicke, wie der weitere Kontakt verläuft.

Machen Sie sich bewusst: Jetzt kommt’s drauf an

Sind Sie und Ihr Gesprächspartner sich sympathisch, werfen Sie sich wechselseitig die Bälle zu. Entsprechend locker und unverkrampft ist das Gespräch. Sind Sie Ihrem Partner hingegen unsympathisch, verläuft das Gespräch stockend. Und Sie haben permanent das Gefühl: Die Chemie stimmt nicht; ich komme an mein Gegenüber nicht ran. Und das wirkt sich auch auf das Gesprächsergebnis aus.

Wenn wir einen Menschen erstmals treffen, ist er in der Regel für uns ein „unbeschriebenes Blatt“ – und wir sind es für ihn. Doch dies ändert sich oft binnen weniger Augenblicke. Dies sei an einem Beispiel illustriert. Nehmen wir an, Sie haben ein Vorstellungsgespräch beim Personalleiter eines Unternehmens. Sie klopfen an die Tür von dessen Büro. Ein „Herein“ ertönt. Sie öffnen die Tür, spähen in den Raum und orten Ihren Gesprächspartner am Schreibtisch. Während Sie die Türschwelle betreten, schaut der Personalleiter hoch, steht auf, signalisiert Ihnen „Treten Sie ein“ und läuft auf Sie zu. In den wenigen Sekunden, die bis zum begrüßenden Händedruck verstreichen, hat sich meist bereits bei beiden Beteiligten der erste Eindruck gebildet.

Vorsicht vor der „mittleren Schublade“

Als Folge hiervon werden Sie in eine der drei Schubladen gesteckt, die Ihr weiteres Schicksal bedeuten. Auf diesen kann zum Beispiel „unsympathisch“, „nichtssagend“ und „sympathisch“ stehen. Oder: „Blasse Type“, „08-15-Bewerber“ und „Interessanter Kandidat“. Gemeinsam ist ihnen: Sie können die Schubladen nur schwer wieder öffnen und so die Meinung über sich ändern. Also sollten Sie dafür sorgen, dass Sie von Anfang an in der gewünschten Schublade landen.

Das Einsortieren erfolgt anhand vieler Faktoren. Diese lassen sich drei Kategorien zuordnen:

  • Erscheinungsbild (Kleidung und Statur),
  • Körpersprache (Haltung, Gang und Mimik) und
  • Sprache (Wortwahl und Sprechweise).

Letztlich entscheiden also „Äußerlichkeiten“ darüber, ob Ihnen jemand seine Gunst schenkt.

Am schlimmsten ist die mittlere Schublade – also die Schublade, auf der zum Beispiel „nichtssagend“ steht. Oder „08-15-Bewerber“. Wenn Sie in diese Schublade gesteckt werden, bedeutet dies: Sie hinterlassen keine individuelle Duftnote. Sie sind uninteressant und austauschbar.

Zeigen Sie also Profil. Haben Sie den Mut, anders zu sein. Zum Beispiel aufgrund Ihrer Art, sich zu kleiden, wie Sie die Begrüßung gestalten oder wie Sie auf Aussagen reagieren. Und vertreten Sie auch Mal eine andere Meinung als Ihr Gesprächspartner – selbst auf die Gefahr hin, dass dieser Sie verdutzt anschaut. Denn dies bedeutet: Sie haben seine Aufmerksamkeit geweckt. Er nimmt Sie wahr. Somit ist die Basis für eine echte Kommunikation gelegt.

Authentisch und glaubwürdig bleiben

Doch Vorsicht! Achten Sie auf Ihre Körpersprache. Denn sie verrät mehr über uns, als uns oft bewusst ist. Zum Beispiel, ob wir uns wohl in unserer Haut fühlen. Und ob wir unseren Gesprächspartner wirklich sympathisch und interessant finden. Was folgt daraus? Sollten wir unsere Körpersprache gezielt steuern – also zum Beispiel auf Knopfdruck ein Lächeln oder Naserümpfen zeigen? Nein, denn dann verlieren wir unser höchstes Gut: unsere Glaubwürdigkeit und Authentizität.

Auch das haben Sie schon erlebt: Wenn eine Verkäuferin Sie mit zuckersüßem Lächeln und ausgewählter Freundlichkeit bediente und Ihnen zum Kauf einer Hose riet, die Ihnen gar nicht stand. In solchen Situationen spüren wir instinktiv „Das kommt nicht von Herzen“ und denken folglich zum Beispiel „Falsche Schlange“.

Also bringt es wenig, falsche Empfindungen vorzutäuschen. Folglich kann der Rat nur lauten: Versetzen Sie sich vor einem wichtigen Gespräch, sei es mit einem Personalleiter, einem Kunden oder ihrem Traummann oder ihrer Traumfrau, in eine positive Stimmung. Zum Beispiel, indem Sie, wenn Sie schlecht drauf sind, aber gut „ankommen“ möchten, zuvor im Auto Grimassen schneiden oder an schöne Erlebnisse denken. Dann werden Sie schnell merken: Ihre Stimmung verändert sich – und damit auch Ihre Stimme.

Auch sie ist für den ersten Eindruck von Bedeutung. Zum Beispiel, ob wir langsam oder schnell, laut oder leise sprechen. Das trägt alles dazu bei, ob wir sicher oder unsicher, engagiert oder eher unbeteiligt wirken.

Sie sehen: Der erste Eindruck wird durch viele Faktoren beeinflusst. An entsprechend vielen Stellschrauben können Sie drehen, um den gewünschten Eindruck zu hinterlassen und gut anzukommen.

[Bild: Fotolia.com]

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Über den Autor
Ingo Vogel

Ingo Vogel ist Rhetorik- und Verkaufstrainer. Er gilt als der Experte für emotionales Verkaufen und emotionale Verkaufsrhetorik. Der ehemalige Vertriebsingenieur im technischen Projektgeschäft ist unter anderem Autor der Bestseller „So reden Sie sich an die Spitze“ und „Top Emotional Selling – Die 7 Geheimnisse der Spitzenverkäufer“.

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