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Gute Laune fördernStimmungen der Mitarbeiter beeinflussen

Gut gelaunte Mitarbeiter sind erfolgreicher, gesünder und zufriedener. Führungskräfte können die Stimmung am Arbeitsplatz beeinflussen.
erschienen: 16.10.2013

Arbeit und gute Laune – das scheint für viele per se ein Widerspruch zu sein. Wer sie in den Bürofluren trifft, sieht heruntergezogene Mundwinkel, Schultern fallen nach vorne und ein missmutiges Grummeln soll wohl das Grüßen sein. Dabei sagen alle Motivations-Experten, mit schlechter Laune lasse sich gar nichts erreichen. Wer Spaß an seiner Arbeit und Erfolg haben will, der müsse erst einmal lächeln, positiv denken und an seiner guten Laune arbeiten.

Denn wer von vorneherein eine positive Lebenseinstellung mitbringt, tut sich im Berufsleben meistens leichter. Und das nicht nur, weil ihn Kollegen mehr mögen. Sie sind im Allgemeinen erfolgreicher, gesünder und zufriedener. Viele Studien zeigen: Das positive Denken führt dazu, dass Informationen und Ereignisse anders wahrgenommen werden. Sie werden nicht gleich in die Schublade der Vorurteile gelegt, sondern neugierig aufgenommen. Heiterkeit fördert die Denkleistung. So können diese Menschen Dinge besser einschätzen und Entscheidungen treffen, die der Situation angemessen sind.

Gefühle sind unterschiedlich stark verwurzelt

Wahrscheinlich kennt jeder aus eigener Erfahrung, wer im Kollegenkreis in das Typenbild des Miesepeters passt und welche Folgen das für die eigene Arbeit haben kann. Um dem abzuhelfen, müssen die Ursachen und Auslöser genauer unter die Lupe genommen werden. Sigal Barsade, Professorin an der Wharton School der University of Pennsylvania, befasst sich seit über 15 Jahren mit der Frage, wie Emotionen und Stimmungen auf den Einzelnen, sein Umfeld und das Unternehmen wirken. Sie weißt darauf hin, dass Gefühle ganz unterschiedliche Ursachen und Auslöser haben und deshalb auch unterschiedlich tief sitzen:

  • Es kann jedem passieren, dass er von positiven oder negativen Gefühlen befallen wird; das hat meist konkrete Auslöser, wenn sich Menschen freuen, wenn sie lachen oder wenn sie Furcht, Ärger oder Empörung empfinden (wenn zum Beispiel auf dem Weg ins Büro ein langer Stau war). Nach einer Weile sind diese Gefühle aber meist wieder verflogen.
  • Andere Stimmungen halten länger an. Manche machen das an der Jahreszeit fest; aber oft sind es persönliche Erlebnisse in der Familie oder im Beruf, die eine ganze Weile die Stimmung des Menschen aufheitern oder bedrücken können (zum Beispiel bei längerer Krankheit eines Familienmitglieds).
  • Schließlich kann es auch am Charakter einer Person liegen, ob sie immer nur das Negative oder doch meistens das Positive sieht. Diese Einstellungen sind tief verwurzelt und können ein ganzes Leben prägen.

Manche Gefühle von Mitarbeitern verschwinden also von selbst, mit anderen wird man leben müssen, solange man mit ihnen zusammenarbeitet. Doch vielen fällt das schwer. Sie fühlen sich von ihren negativ denkenden Kollegen bedrängt und werden selbst von schlechter Stimmung befallen.

Das Problem mit den Gute-Laune-Dieben

Dagegen kann man sich wehren, sagen die Karriereberater und Bestseller-Autoren Christian Püttjer und Uwe Schnierda. In ihrem Buch „Keine Macht den Gute-Laune-Dieben“ erklären sie, wie man die missmutigen und nervtötenden Kollegen, Mitarbeiter und Chefs im Zaum hält. Sie haben diese Zeitgenossen in sieben Typen unterteilt:

Der Jammer-Junkie

Sieht in allem nur das Schlechte,

Das Misstrauensmonster

Traut sich selbst nicht und auch niemand anderem,

Der Besserwisser-Bösewicht

Ist grundsätzlich dagegen, weil er es besser weiß,

Das Ungeduldsungetüm

Nervt mit seinem ziellosen Vorwärtsdrang,

Der abstrakte Abzocker

Schwatzt mit Worthülsen und Luftschlössern alle voll, tut aber selbst nichts,

Der digitale Depp

Schüttet alle mit sinnlosen Informationen zu,

Der Routine-Raffke

verteufelt jeden neuen Vorschlag und jede noch so kleine Veränderung.

Püttjer und Schnierda erläutern, wie man mit diesen Menschen am besten umgehen kann. Ihr Ziel ist nicht, deren Lebenseinstellung zu ändern. Das kann man von einem normalen Mitarbeiter nicht erwarten. Aber der kann lernen, dass er dem Jammer-Junkie entgegensetzt: „Genug gejammert – jetzt brauche ich positive Nachrichten!“ und auch für die anderen gibt es einfache und wirksame Abwehrstrategien für den Alltag.

Tipps zum Umgang mit Gute-Laune-Dieben

  • Gehen Sie den Menschen aus dem Weg, die Sie in eine schlechte Stimmung bringen oder die Sie regelmäßig durch ihr negatives Denken verärgern, wann immer das möglich ist.
  • Bringen Sie sich auf dem Weg in eine Besprechung in eine positive Stimmung. Erinnern Sie sich an positive Erlebnisse und besondere Erfolge. Tun Sie sich selbst noch etwas Gutes, bevor Sie in der Besprechung dann den ständigen Neinsagern begegnen (zum Beispiel einen leckeren Kaffee holen oder einen Fruchtsaft trinken).
  • Richten Sie ihre Aufmerksamkeit in Besprechungen gezielt auf die Personen, die auch wie Sie denken und eine positive Einstellung haben. Suchen Sie zu diesen Blickkontakt und geben Sie den Miesmachern wenig Raum, sich zu äußern.

Schlechte Launen und Stimmungen stecken an

Das Problem mit den schlechten Launen der Mitarbeiter ist: Sie breiten sich im Unternehmen aus wie ein Virus. Barsade sieht das immer wieder in ihren Untersuchungen und stellt fest: „Die momentane Gefühlslage überträgt sich von einer Person zur anderen.“

Das kommt in Besprechungen immer besonders zum Tragen. Eine kleine negative Bemerkung an der richtigen Stelle kann bei allen Teilnehmern eine schlechte Stimmung verbreiten. Wenn die Kollegen immer nur jammern, an jedem Vorschlag nur das Negative sehen und ausführlich erklären, warum etwas nicht funktioniert – dann rollen alle anderen die Augen und verlieren jegliche Lust. So bleiben wichtige Aufgaben auf der Strecke.

Schlechte Stimmung schadet dem Unternehmen

Die Folgen für das Unternehmen und die Zusammenarbeit zwischen den Mitarbeitern können gewaltig sein. Barsade zählt auf:

  • die Leistung der Mitarbeiter geht zurück,
  • es werden keine oder schlechte Entscheidungen getroffen,
  • die Kreativität verschwindet,
  • es kommt zu Konflikten und
  • Verhandlungen kommen nicht voran.

Das spiegelt sich auch sehr schnell in den Kennzahlen des Unternehmens wider. Gut gelaunte Mitarbeiter haben weniger Fehltage und machen mehr Verbesserungsvorschläge. Wenn die sich von den mies gelaunten Kollegen anstecken lassen, bedeutet das am Ende: Es kommen keine guten Produkte mehr auf den Markt, Kunden werden abgeschreckt und der Service ist mangelhaft. Das gefährdet ernsthaft den Unternehmenserfolg.

Gefühle erkennen, verstehen und steuern

Die Vielfalt der Gefühle erkennen, verstehen und steuern – das ist eine wichtige Kompetenz, die gerade Führungskräfte mitbringen müssen. Das betrifft die eigenen Gefühle, aber auch die der Kollegen, Mitarbeiter und Vorgesetzten. Im Fachjargon wird das zusammengefasst unter dem Begriff: emotionale Intelligenz. Laut Barsade steckt dahinter:

„Das ist die Fähigkeit, mit der Mitarbeiter die eigenen Emotionen und die der anderen als eine wertvolle Information betrachten, die dazu beiträgt, in einer bestimmten Situation besser zu agieren.“

Beispiele: Gefühlslage anderer erkennen

(1) Vertriebsmitarbeiterin Müller hat einen großen neuen Auftrag an Land gezogen. Sie ist selbst ganz begeistert und überschwänglich. Aber am nächsten Morgen wartet sie erst ab, bis sie ihren Chef informiert. Sie prüft dessen Stimmung. Erst als sie merkt, dass ihm nach einem anstrengenden und unerfreulichen Meeting, eine positive Nachricht gut täte, rückt sie damit raus, was für einen großen Fisch sie an Land gezogen hat. Die Stimmung des Chefs heitert sich augenblicklich auf. Die Wirkung der Botschaft verstärkt sich noch und lässt die Frau Müller glänzend dastehen.

(2) Projektleiter Meier muss seinem Chef erklären, warum sich die Entwicklung der neuen Software noch einmal um zwei Wochen verzögert. Auch er wartet ab, bis der Chef nach der Mittagspause und einer netten Unterhaltung in einer besseren Stimmung ist. Der ist zwar nicht begeistert, aber dann doch bereit, den Zeitplan so anzupassen, dass die Meilensteine noch eingehalten werden.

Eigene Launen im Griff haben

Die Gefühle der anderen erkennen, einschätzen und angemessen darauf zu reagieren, ist das eine. Genauso wichtig ist, die eigenen Gefühle zu beherrschen. Das können die einen mehr, die anderen weniger. Doch auch diejenigen, die meinen, ihre Launen und Stimmungen im Griff zu haben, senden Signale (Blicke, Körperhaltung) über ihre Gefühle aus, die andere wahrnehmen. Das passiert auf beiden Seiten oft unbewusst.

In manchen Berufszweigen sind die Mitarbeiter darauf angewiesen, alle ihre Launen, soweit es geht, im Griff zu haben. So sind beispielsweise Stewardessen besonders gefordert, gegenüber Fluggästen in jeder erdenklichen Situation ruhig und freundlich zu bleiben. Sie müssen das trainieren, eine besondere Gestik und Mimik immer wieder einstudieren, sodass diese möglichst glaubwürdig rüberkommt.

Manche bringen dafür schauspielerisches Talent mit; sie können mit Arbeitsbeginn in eine besondere Rolle schlüpfen und verkörpern so den freundlichen Kollegen oder den hilfsbereiten Servicemitarbeiter. Es gelingt ihnen, alle negativen Einflüsse für eine bestimmte Zeit so zu unterdrücken oder auszublenden, dass es kaum jemand anderem auffällt.

Rücksicht auf andere nehmen

Doch auch hier gibt es Grenzen: Wenn das Unternehmen in Schwierigkeiten steckt, wenn Mitarbeiter entlassen werden sollen, dann können auch die ewigen Optimisten Schaden anrichten. Vorgesetzte, die über solche Ereignisse hinweggehen oder alles nur schönreden, verlieren bei ihren Mitarbeitern schnell an Ansehen und Respekt. Hier ist Verständnis für die Gefühle der anderen besser angebracht: „Ich verstehe Ihre Situation und Ihre Befürchtungen. Aber vielleicht finden wir einen gemeinsamen Ausweg.“

Probleme nicht unter den Teppich kehren

Menschen, die alles nur positiv sehen und immer bester Stimmung zu sein scheinen, neigen dazu, alles nur durch eine rosarote Brille zu sehen und jegliche Kritik als unwichtige Bemerkung eines negativen Menschen abzutun. Hier lauert eine Gefahr, der manche Optimisten zum Opfer fallen. Ihre Persönlichkeitsmerkmale können auch von Nachteil sein. Sie erwarten immer positive Ergebnisse, vertrauen ihrer eigenen Kompetenz, meinen, alles unter Kontrolle zu haben, und haben ein hohes Selbstwertgefühl. Sie negieren sämtliche negativen Gefühle und verdrängen diese – bis es nicht mehr geht. Dann brechen diese umso stärker durch und hinterlassen größere emotionale Schäden.

Aus diesem Grund ist auch die Gefahr eines Burn-outs bei ihnen recht groß, sagt die Psychologin Astrid Schütz in einem Interview in der Zeitschrift managerSeminare (2/2008). Ihre Erklärung: Sie halsen sich mehr Arbeit auf als Pessimisten, sie rechnen nicht damit, dass etwas schief laufen könnte und planen sich für Projekte und Aufgaben zu wenig Zeit ein. Irgendwann ist dann auch bei ihnen das Maß voll. Manche Selbstzweifel können deshalb durchaus angebracht sein.

Die Unternehmenskultur schafft den Rahmen

Es geht also für Führungskräfte nicht darum, immer nur Spaß zu verbreiten und alles schön zu reden. Viel wichtiger ist, die Situation zu erfassen und darauf authentisch und glaubwürdig zu reagieren. Dazu gehört auch das offene und manchmal kritische Wort. Wichtig ist: eine heitere, positive und transparente Grundstimmung im Unternehmen.

Diese Grundstimmung kann sich nur dort entfalten, wo es die Unternehmenskultur zulässt. Menschen müssen unter anderem ihren Kollegen und ihren Vorgesetzten vertrauen können, sie müssen sich auf diese verlassen können und sich respektiert und anerkannt fühlen. Insofern haben es die Führungskräfte in ihrer Hand, dass eine gute Stimmung im Team herrscht. Sie müssen selbst mit gutem Beispiel vorangehen.

Stimmung der Mitarbeiter positiv beeinflussen

Am einfachsten ist, die Mitarbeiter immer wieder auf die positiven und heiteren Aspekte im Leben und bei der Arbeit hinzuweisen. In Besprechungen sollten sie Jammern, unbegründetes Schlechtreden und ständige Nörgeleien nicht hinnehmen. Es darf auch mal herumgealbert werden; meistens wissen die Mitarbeiter sehr genau, wo die Grenzen sind und wann wieder professionelles Handeln gefordert ist.

Zu einer solchen offenen und heiteren Unternehmenskultur gehört es auch, die Bedenkenträger zu hören und den Mitarbeitern die Möglichkeit zu geben, ihren Ärger abzulassen. Manche Unternehmen haben dafür ein spezielles Meeting „Was mich stört“ eingerichtet. Dort werden alle diese Punkte auf den Tisch gebracht und dann bearbeitet. Manches erledigt sich allein durch das darüber Reden; anderes macht sichtbar, wie die Zusammenarbeit im Team verbessert werden kann.

Oft sind es nämlich bestimmte Rahmenbedingungen oder Regeln, die bei den Mitarbeitern Missstimmung verursachen. Und die lassen sich leicht abstellen und ändern. Kaffee machen, schmutziges Geschirr wegräumen, besseres Kantinenessen, mehr frische Luft – wer auf solche Bereiche achtet und sie im Sinne der Mitarbeiter verbessert, trägt schon erheblich zur Hebung der Laune bei.

Jeder kann seine Laune verbessern

Letztlich sind aber alle Mitarbeiter gefordert. Nur gemeinsam lässt sich eine positive und heitere Unternehmenskultur fördern. Es ist eine Frage des Wollens, nicht des Könnens. Und deshalb kann und muss jeder bei sich selbst anfangen. Gute-Laune-Experten raten:

  • Viel bewegen, Sport treiben, in der Natur und an der frischen Luft sein,
  • Gut und ausreichend schlafen,
  • Ausreichend trinken,
  • Negative Gefühle bewusst beiseite schieben und ihnen keinen Raum im Kopf gewähren (zum Beispiel auch durch symbolische Handlungen oder durch schöne Dinge, die man sich dann gönnt),
  • Hilfsbereit sein und sehen, wie sich die Empfänger einer guten Tat darüber freuen,
  • Dankbar sein für das, was man im Leben ist und erreicht hat, für Familie und gute Freunde – und nicht auf das starren, was man nicht erreicht hat.
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