HirndopingKleine Pillen, große Wirkung

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Immer mehr Führungskräfte, aber auch Mitarbeiter putschen sich mit Medikamenten auf. Ihr Ziel: Stress aushalten und der Arbeitsbelastung standhalten. Doch Hirndoping kann zur Sucht werden.
erschienen: 25.11.2015
Schlagwörter: Selbstmanagement
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Laut dem DAK-Gesundheitsreport 2015 stieg der Anteil der Beschäftigten, die Gehirndoping betreiben, innerhalb von sechs Jahren von 4,7 auf fast 7 Prozent. Die Autoren des Reports schätzen, dass inklusive Dunkelziffer sogar fast doppelt so viele Angestellte betroffen sind. Was das Phänomen so interessant macht: Es steht nicht außerhalb der Gesellschaft, sondern mittendrin. Das sogenannte Cognitive Enhancement, auf Deutsch Neurodoping, ist also mittlerweile ein bedeutendes Thema geworden.

Überlastung ist bei Top-Managern oft ein Tabuthema

Wer in der Arbeitswelt zu Aufputschmitteln greift, will funktionieren, sich zwischen lauter Leistungsträgern beweisen oder zumindest nicht versagen. Für Führungskräfte gilt das besonders. „Sie erfüllen eine verantwortungsvolle Position, müssen hohen inneren und äußeren Erwartungen gerecht werden, schlafen zu wenig und haben oft nur wenig Gelegenheit, zur Ruhe zu kommen. Um dem standzuhalten, ist Hirndoping ein vermeintlich einfacher Weg“, sagt Christioph Middendorf, Facharzt für Psychiatrie und Psychotherapeutische Medizin der auf die Behandlung von Depressionen, Abhängigkeitserkrankungen, Burnout sowie Zwangs-, Angst- und Panikstörungen spezialisierten Oberbergkliniken in einer Presseinformation.

Doch dieser Schein trüge. Nur wenige Top-Manager gingen mit dem Thema offen um, heißt es weiter. Einer davon sei Hartmut Ostrowski. Der ehemalige Bertelsmann-Chef berichtete nach seinem Rücktritt davon, dass er unter Beklemmungs- und Angstzuständen litt und Medikamente genommen habe, um den stressigen Arbeitsalltag zu bewältigen. Letztlich konnte er einfach nicht mehr und gab seine Position völlig ausgebrannt auf.

Betablocker für die Nerven, Ritalin gegen die Müdigkeit

Für leitende Angestellte, die oft eine einsame Position im Unternehmen haben und ihre Überbelastung nur selten offen ansprechen können, versprechen rezeptpflichtige Medikamente eine einfache Lösung. Ein paar Betablocker vor der nächsten Vorstandssitzung, um weniger aufgeregt zu wirken. Ein wenig Ritalin gegen den Schlafmangel und für die volle Konzentrationsfähigkeit in der nächsten Verhandlungsrunde.

Auch Beruhigungsmittel stehen nach Ansicht von Middendorf hoch im Kurs. Sie kämen sogar noch häufiger zum Einsatz als Substanzen zum Neurodoping, um nach nächtelanger Arbeit wieder entspannen zu können. „Doch der Schritt vom Medikamentenmissbrauch zur Medikamentensucht ist schneller gemacht, als viele denken“, erläutert Middendorf.

In Deutschland sind schätzungsweise 1,5 Millionen Menschen abhängig von Medikamenten mit Suchtpotenzial. Dabei leiden die meisten unter einer Abhängigkeit von Beruhigungsmitteln oder vergleichbaren Substanzen. Bei Missbrauch oder langjähriger Anwendung solcher Mittel kann es zu einer Suchtentwicklung kommen, mit langwierigen körperlichen und psychischen Entzugserscheinungen, die sich nicht wesentlich von einer Alkohol- oder Drogensucht unterscheidet.

Kleine Pillen mit hohem Suchtpotenzial

Nicht nur die Einnahme von Beruhigungsmitteln sei riskant. Auch wer Neurodoping-Mittel über einen längeren Zeitraum einnimmt und dann absetzt, könne Entzugserscheinungen entwickeln, so Christoph Middendorf. Der Körper reagiere zum Beispiel mit Kopfschmerzen, Übelkeit oder innerer Unruhe. Auf die Psyche wirke sich die gehäufte Einnahme aus, indem das unbedingte Verlangen nach dem Medikament immer größer wird. Das chemische Hilfsmittel werde zum Lebensmittelpunkt und die Gedanken drehten sich vor allem um die „erlösende“ Wirkung des Stoffs. Damit es erst gar nicht so weit kommt, sollten Betroffene die eigenen Grenzen anerkennen. „Wer immer wieder von Neuem versucht, diese zu überschreiten, entwickelt irgendwann das Bedürfnis zu dopen“, sagt Middendorf.

Quelle: Oberbergkliniken, Pressestelle

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David Wolf

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